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Gelungenes Benefizkonzert

15.11.2011

Ulmer Spatzen singen für Illerrieder Orgelpfeifen

Der glänzend disponierte Mädchenchor der Ulmer Spatzen begeisterte in der Illerriedener Heilig-Kreuz-Kirche unter souveräner Leitung von Hans de Gilde.
Bild: Foto: ch

Programm aus verschiedenen Zeitstilen und Sprachräumen

Illerrieden Zu einer besonderen Veranstaltung konnte Dr. Ludwig Weigel vom Orgelförderkreis St. Agatha in der Heilig-Kreuz-Kirche in Illerrieden zahlreiche Zuhörer begrüßen. Der vielfach ausgezeichnete Mädchenchor der Ulmer Spatzen – unter den 45 Mitwirkenden befand sich auch ein Bub – hatte trotz laufender Vorbereitungen auf eigene Weihnachtskonzerte den Weg in die Gemeinde gefunden. Mit seinem Auftreten wollte er ihr in einem wichtigen Anliegen – die Orgel der alten Kirche im Ort ist momentan unspielbar – helfen. Und damit die Unterstützung für die benötigten 100000 Euro, die ganz aus Spendenmitteln aufgebracht werden müssen, auch möglichst kräftig ausfällt, wurde das Konzert von der Sparkasse Ulm gefördert. Deren Vorstandsvorsitzender Manfred Oster betonte, dass sein Institut die Ausrichtung des Konzerts gerne übernommen habe.

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Klar strukturiert, beseelt musiziert

Mit dem „All praise to thee, my God“ des englischen Komponisten Thomas Tallis zogen die Sängerinnen feierlich zum Altar. Chorleiter Hans de Gilde formte danach, klar strukturiert, beseelt musiziert, Bachs „Wir eilen mit schwachen doch emsigen Schritten“, das von Barbara Comes am Elektropiano begleitet wurde. Im a cappella gesungenen „Hebe deine Augen auf“ setzte der Mädchenchor besondere klangliche Akzente, die sich wesentlich von denen berühmter Knabenchöre mit ihren, an Oboenklang erinnernden Sopranen abhoben. Die Abstimmung der Register ist viel weicher, dennoch erzielte Hans de Gilde viele dynamische Gegensätze. Und das „Nigra sum“ des großen Cellisten Pablo Casals zeichnete er ganz in dessen Sinne einer überschäumenden musikantischen Hingabe nach. Mit frischer, biegsamer Stimme ließ eine Solosängerin Alessandro Parisottis „Se tu m’ami“ erstehen.

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Klangmix mit sphärischer Wirkung

Ein Höhepunkt wurde Michael Haydns festliches „Gloria“ aus der „Missa Sancti Leopoldi“, mit Orgel- und Cellobegleitung durch Barbara Comes und Johannes de Gilde. Aus dem großen Liedschatz von Gabriel Fauré schlossen sich zwei schlichte, fromme Weisen an. Nach einer Gestaltungsidee von Knut Nystedt wurde Bachs „Komm süßer Tod“ durch unterschiedlich langes Aushalten der Melodietöne seitens der im ganzen Raum verteilten Mitwirkenden zu vielstimmig fließendem Klangmix. Den ergänzte die Raumakustik zu sphärischer Wirkung.

Eine süße Elévation Alexandre Guilmants für Orgel, das im Wechsel Solistinnen/Chor gesungene Briefduett aus „Figaros Hochzeit“ von Mozart und der dazwischen als Glanzstück servierte Chorkanon „Holla, welch gutes Echo“ von Orlando di Lasso ließen die andächtig lauschenden Zuhörer prächtige Interpretationen miterleben. Unter anderem schlossen sich noch jiddische Lieder und „Can you hear me“ an. Dabei war der Refrain für Gehörlose in Gebärdensprache umgesetzt. Hymnisch erhob sich das in einer Mischsprache, ausgehend von Spanisch, zusammengesetzte „Avre tu“, ehe die jungen Damen im fetzigen „We beseech thee“ aus dem Musical „Godspell“ auch schauspielerische Fähigkeiten entwickelten. Die zahlreichen Solistinnen füllten ihre Parts durchweg mit Bravour aus. Theresa Mack und Franziska de Gilde ragten heraus. Sechsstimmig, mit „Ubi caritas“ des Finnen Hreidar Ingi Torsteinsson verabschiedeten sich die Gäste.

Das begeisterte Publikum erklatschte sich noch „Guten Abend, gut Nacht.“

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