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Illertissen

27.05.2018

Ulmer schafft Rekordsprung beim Speed Skydiving in Illertissen

Geschwindigkeitsmessgeräte sind am Körper der Springer befestigt. Nach der Landung werden sie ausgelesen.
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Geschwindigkeitsmessgeräte sind am Körper der Springer befestigt. Nach der Landung werden sie ausgelesen.
Bild: Stefan Kümmritz

Ein Spektakel am Himmel über Illertissen: Tollkühn haben sich die Springer am Wochenende aus den Flugzeugen gestürzt. Am Ende war die Freude bei Moritz Friess groß.

Für den Ulmer Moritz Friess war es so etwas wie ein Heimspiel, als er am Wochenende in der zweiten Runde der World Series im Speed Skydiving, einer spektakulären Disziplin des Fallschirmspringens, in Illertissen antrat. Der ebenso tollkühne wie sprungerfahrene Mann, der wegen des unerlässlichen Sponsorentums für den FSC Remscheid antritt, war der große Sieger: Er gewann den zweiten Teil der insgesamt vier Durchgänge umfassenden Serie. Auch die höchste Geschwindigkeit des Wochenendes wurde bei seinem zweiten Sprung gemessen: 571,11 Stundenkilometer, neuer deutscher Rekord. Nebenbei sicherte sich Friess den deutschen Meistertitel.

Wie viel Mut muss man haben, um sich in 4000 Metern Höhe kopfüber aus einem Flugzeug zu stürzen? Um eine so aerodynamische Haltung einzunehmen, um im freien Fall eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen – eine Geschwindigkeit, die weit übertrifft, was die schnellsten Sportwagen auf der Autobahn zustande bringen?

Beim Speed Skydiving kommt es darauf an, Tempo zu machen. Unterwegs ermitteln zwei am Körper des Springers befestigte Messgeräte, wie schnell dieser maximal unterwegs ist. Wenn der Wettkämpfer wieder am Boden ist, nimmt ihm ein Jury-Mitglied sofort die Messgeräte ab, um sie auszulesen. Vor dem nächsten Sprung erhält der Teilnehmer zwei andere Messgeräte und das Spiel beginnt von Neuem.

Bei diesem „Spiel“ mit der Luft kommt es für die Springer zuerst darauf an, schnell zu sein – dann aber auch darauf, nach der Messstrecke in 1700 Metern Höhe mit dem Körper abzubremsen und bei etwa 1000 Metern den Fallschirm zu öffnen. Das alles klappt bei Könnern normalerweise wie selbstverständlich und gefahrlos, aber Friess sagt: „Ich selbst habe mir schon einmal die Hand gebrochen und am ganzen Körper Prellungen erlitten. Und ich habe bei unserem Sport auch schon Tote erlebt.“ Verletzte oder gar Tote sind aber höchst selten.

In Illertissen erlitt am Freitagvormittag ein 30-jähriger Springer bei der Landung leichte Verletzungen am Rücken. Er habe Tempo und Abstand zum Boden falsch eingeschätzt, heißt es im Polizeibericht. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Außerdem trug sich eine kleine Panne zu: Bei seinem achten und letzten Sprung öffnete sich der Fallschirm des Südafrikaners Glen Meyer nicht. Er musste den Reserveschirm einsetzen. Mit diesem landete er sicher auf der Erde.

Der aus Pretoria stammende Springer war wie Friess beim ersten Wettbewerb der World Series in Portugal nicht am Start. In Deutschland weilte er nun zum ersten Mal überhaupt. Meyer zählt zu den jüngeren Skydivern – in der Regel sind die Springer zwischen 40 und 50 Jahre alt – , ist aber bereits einige Jahre dabei. „Ich habe zwischendrin drei Jahre pausiert“, erzählt er, als er vor seinem ersten Sprung noch völlig relaxed wirkt. „Dann musste ich erst einmal viel trainieren. Jetzt fühle ich mich richtig wohl und hier ist alles wunderbar. Die Leute sind total nett und die Bedingungen sind erstklassig.“ Mit der Italienerin Macia Ferri und der Münchnerin Lucy Lippold – Tochter von Cheforganisatorin Gerda Klostermann-Mace – traten auch zwei Frauen an.

Das Wetter spielte optimal mit, die Leistungen waren zum Teil hervorragend und Friess war am Ende glücklich. Nach seinem ersten Sprung war er noch skeptisch gewesen: „Zumindest war er nicht superschlecht, mehr kann ich noch nicht sagen.“ 518,91 Stundenkilometer zeigte das Messgerät dann an. Es folgte sein Rekordsprung und noch ein sehr guter, bei dem er auf 559,63 Stundenkilometer kam. Nun war Friess, dem am Anfang die Anspannung anzumerken war („Ich habe keine Angst, aber ich bin sehr ehrgeizig“), gelöster.

Friess kam vor acht Jahren zum Speed Skydiving. Zuvor hatte er an Video-Freifall-Formationen, an Formationen am offenen Fallschirm und am Canopy-Piloting (Hochgeschwindigkeitslandung) teilgenommen – unter anderem bei Weltmeisterschaften. Heute ist er Deutschlands erfolgreichster Speed Skydiver.

Warum er an der Disziplin Gefallen gefunden hat? „Umso schneller es geht, umso mehr Spaß habe ich“, sagt der Ulmer. Trainieren kann er wie die anderen Springer nur, wenn das Wetter mitspielt. „In anderen Freifalldisziplinen kann man in den Windtunnel gehen, beim Speed Skydiving geht das nicht“, sagt er. „Es gibt Springer, denen macht es nichts aus, wenn sie auch durch Wolken fliegen, ich aber brauche schon die optische Referenz zum Boden.“ Sprich: Er will sehen, wo er hinfliegt. Da gab es in Illertissen kein Problem. Zweiter im World-Series-Wettbewerb wurde übrigens der Engländer Charles Hurd, Dritter der Deutsche Marco Hepp.

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