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Vöhringen

24.01.2019

Ulrichswerk will Wohnblöcke in Vöhringen verkaufen: Mieter sind in Sorge

Das sind die Wohnblöcke in der Ulrichstraße, die das St. Ulrichswerk der Diözese veräußern will. Aber noch hat sich kein Interessent gefunden.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Einen Käufer gibt es offenbar noch nicht. Doch die Bewohner sind verunsichert: Müssen sie mehr zahlen? Oder gar ausziehen? Was die Stadt zu den Plänen sagt.

Bei den Mietern in den sogenannten Ulrichsblöcken im Westen von Vöhringen geht die Angst um. Es ist durchgesickert, dass das St. Ulrichswerk der Diözese Augsburg die Immobilien an der Ulrichstraße verkaufen will. Jetzt sind die Mieter verunsichert. Wie sieht ihre Zukunft aus? Müssen sie aus ihren Wohnungen ausziehen, weil sie möglicherweise in Eigentumswohnungen umgewandelt wird? Oder werden die Häuser aufwendig innen saniert und renoviert, was zu einer Wertsteigerung führt und eine drastische Erhöhung der Mieten zur Folge haben könnte? „Seit zwei Frauen beim Fotografieren der Wohnblöcke beobachtet wurden, haben sich unsere Ängste noch erhöht“, sagt Georg Adam gegenüber unserer Redaktion. Der 78-Jährige wohnt seit rund 50 Jahren in der Ulrichstraße.

Die Verkaufsabsichten bestätigte der Mitgeschäftsführer des St. Ulrichswerks der Diözese Augsburg GmbH, Richard Metz, auf Anfrage. „Im Zuge einer Bestandsarrondierung und Konzentration auf andere Standorte hat die Gesellschaft die Entscheidung getroffen, diese Immobilien zu veräußern. Allerdings sind noch keine Verkaufsgespräche geführt worden, weil es noch keine Interessenten gibt“, sagt er. Der Vöhringer Bürgermeister Janson sei nun über das Verkaufsvorhaben informiert worden, betont Metz. Das ist auch nötig, weil Vöhringen – damals noch Gemeinde – die Grundstücke auf Erbbaurechtsbasis zur Verfügung gestellt hat. Will heißen: Die Mehrfamilienhäuser stehen auf städtischem Grund.

Bürgermeister Janson will Gespräch mit dem Ulrichswerk

Bürgermeister Janson sagt auf Nachfrage, die Stadt habe sich nach Bekanntwerden des Vorhabens sofort mit dem St. Ulrichswerk in Augsburg in Verbindung gesetzt. „Nachdem die Stadt Eigentümer der Wohnblöcke in der Ulrichstaße ist und das Ulrichswerk über einen Erbbaurechtsvertrag diese Wohnungen im Besitz hat, ist demnächst ein Gespräch mit der Geschäftsführung des St. Ulrichswerks und mit der Stadt Vöhringen fest terminlich vereinbart.“ Janson lässt weiter wissen: „Es ist nachvollziehbar, dass die Mieter über diesen beabsichtigten Verkauf beunruhigt sind. Vor allem werden die Mieter wohl einen höheren Mietzins befürchten. Wir werden die Thematik eines Verkaufs aber mit der Geschäftsführung des Ulrichswerks gerade im Hinblick auf die Befürchtungen der Mieter fokussieren.“ Aber keinesfalls könne ein neuer Vermieter ohne Weiteres die Mieten erhöhen. Es gilt laut Janson jetzt, die Gespräche abzuwarten. „Die Stadt wird sich als Erbbaurechtsgeber entsprechend stark positionieren.“

„Nicht glücklich“ zeigt sich der Fraktionsvorsitzende der CSU, Michael Neher, über den Verkauf der Wohnblöcke. „Auf jeden Fall muss die Stadt darauf achten, dass das Interesse der Mieter berücksichtigt wird. Denn wenn ein Investor die Immobilien übernimmt, sie auf den neuesten Stand bringt, sind Mieterhöhungen – wie man weiß – nicht auszuschließen.“

Zweiter Bürgermeister Herbert Walk (CSU) sagt: „Wir müssen als Stadt darauf schauen: Wer wird der neue Eigentümer werden, ist er irgendwo anders schon tätig geworden, gibt es darüber irgendwelche Erfahrungen?“

Stadt Vöhringen hat Vorkaufsrecht

Volker Barth, Fraktionssprecher der SPD, erklärt, die Stadt habe in jedem Falle das Vorkaufsrecht. Keinesfalls dürften die Blöcke an Gesellschaften verkauft werden, die die Wohnungen modernisieren und dann höhere Mieten fordern. „Die Stadt muss sich ihrer sozialen Aufgabe bewusst sein.“ FWG-Fraktionsvorsitzender Peter Kelichhaus hat „schwerste Bedenken, dass sich dort Gesellschaften einkaufen und dann wiederum die Immobilien in der Ulrichstraße weiter veräußern, was auf Kosten der Mieter geht.“

Die Zeit, als das St. Ulrichswerk der Diözese in Vöhringen tätig geworden ist, liegt lange zurück. In den Jahren 1954 bis 1965 herrschte dort dringend Wohnraumbedarf. Das lag an dem Zuzug der Flüchtlinge nach dem Krieg und an den Wieland-Werken, die sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze boten. Der Zuzug neuer Bürger war immens. So ergriff der damalige Bürgermeister Joseph Dürr die Gelegenheit und nahm die Offerte des Ulrichswerks an. Die damalige Gemeinde Vöhringen unterstützte das Bauvorhaben und schloss auf Erbbaurechtsbasis einen Vertrag mit der Gesellschaft der Diözese.

Das Unternehmen ist auch heute noch im Wohnungsbau und in der Verwaltung von eigenen und fremden Wohnungsbestand tätig. Wörtlich heißt es im Programm des Ulrichswerks: „Als werteorientiertes Unternehmen stehen wir für nachhaltigen Wohnungsbau und soziale Verantwortung“. Inwieweit es sich nun, da es sich von den Vöhringer Immobilien trennen will, an die soziale Verantwortung hält, wird die Zukunft zeigen.

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