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Illertissen

12.09.2018

Unbekannte wollen im Namen der Stadt abkassieren

Der Ratgeber für Senioren ist im Jahr 2017 in Illertissen erschienen. Aktuell ist keine Neuauflage geplant – dubiose Anzeigenwerbung gibt es trotzdem.
Bild: Jens Carsten

Momentan erhalten Firmen in Illertissen mysteriöse Angebote für Anzeigen in einer Broschüre namens „Bürgerinfo“. Im Rathaus ist man alarmiert.

Dreiste Trittbrettfahrer haben es in Illertissen und Umgebung wohl auf einen schnellen Euro abgesehen: Sie werben bei Firmen für Anzeigen in einem Druckerzeugnis mit dem Titel „Bürgerinfo“ – und erwecken dabei den Eindruck, es handele sich um ein Projekt der Stadt. Ist es aber nicht. „Wir haben nichts in Planung, da scheint jemand mit dem Namen der Stadt Geschäfte machen zu wollen“, sagt Hauptamtsleiterin Kerstin Breymaier. Sie habe einige Rückfragen von verdutzten Gewerbetreibenden bekommen. Denen sei die Anfrage komisch vorgekommen. Zu Recht: Wer einen vermeintlichen Anzeigenauftrag vergibt, ohne das Kleingedruckte zu lesen, ist wohl mehrere Hundert Euro los. Was genau die Gegenleistung ist, bleibt unklar. Von einem „Werbeobjekt“ ist die Rede, das von der Deutschen Post verteilt werden soll. Klar ist: mit den Infoheften der Stadt Illertissen hat das nichts zu tun. Breymaier rät Betroffenen dazu, sich an einen Anwalt zu wenden. (Lesen Sie dazu auch: Wie Telefonbetrüger mit miesen Tricks auf Beutezug gehen ).

Das Perfide: Die Stadt bringt tatsächlich regelmäßig Infobroschüren heraus, gemeinsam mit der Firma Inixmedia Bayern GmbH. Heuer erschien „Leben in Illertissen – Informationen für Bürger und Neubürger“, im Juni 2017 wurde der Ratgeber für Senioren „Älter werden in Illertissen“ veröffentlicht. Die Nachschlagewerke erscheinen in einem Turnus von zwei bis drei Jahren. Momentan ist keines in Arbeit, sagt Breymaier. Als Nächstes stehe die Neuauflage der Broschüre für ältere Einwohner an, sie soll 2019 erstellt und verteilt werden.

Vorfälle in Illertissen: Von "Abzocke" ist die Rede

Mehrere Unternehmen erhielten ein Fax (wahlweise auch eine E-Mail) mit einer Kopie ihrer Anzeige aus einer bereits erschienenen Broschüre. Dazu gehört ein ziemlich klein gedruckter Text. Urheber soll eine Firma namens „BMV Design“ sein, angeblich aus Izmir in der Türkei. Wer genau dahinter steckt, ist unklar. Im Internet kursieren Warnungen vor Betrug. Von „Abzocke“ ist in einem Forum die Rede. „Unseriös“ und „Vorsicht“ lauten Kommentare dazu. Die Stadt Illertissen weist außerdem darauf hin, dass die Werber von BMV durch die Zusendungen von bereits verschiedenen Anzeigen die Urheberrechte der betreffenden Unternehmen verletzen.

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Wer versehentlich bereits einen Auftrag dieser Art erteilt hat, sollte keine Zahlungen leisten und sich stattdessen umgehend an einen Rechtsanwalt wenden, empfiehlt Breymaier.

Wer genau dahinter steckt, bleibt unklar

Der Verlag Inixmedia mit Sitz in Schwentinental bei Kiel druckt zahlreiche kommunale Broschüren, dort kennt man solche Werbeversuche: „Das ist eine Masche“, sagt eine Mitarbeiterin auf Anfrage. Wer dahinter steckt, bleibe meistens unklar. Die Hintermänner agierten oft aus dem Ausland, knüpften Kontakte per Telefon (meistens seien es dann verdächtige 0800er-Nummern, heißt es) oder Fax.

Wenn ein Vertreter einer Firma eine Unterschrift leiste, und dann nicht zahle, folgten Rechnungen, dann Mahnungen und schließlich Inkassodrohungen. Dennoch laute der Ratschlag: erst einmal nicht überweisen und einen Juristen konsultieren. „Solange nichts von einem deutschen Gericht kommt, passiert auch nichts“, sagt die Mitarbeiterin, die seit vielen Jahren in dem Verlag arbeitet. Ihre Einschätzung: Post vom Amt droht säumigen Zahlern bei solchen „Verträgen“ eher nicht. Es sei fraglich, was genau für eine Gegenleistung erbracht wird. Da die „Bürgerinfo“ kein Projekt der Stadt ist, sei unklar, wo die darin angepriesene Anzeige erscheint. Oder anders gefragt: ob überhaupt.

Kontakt: Nähere Infos erteilen der Verlag Inixmedia, Telefon 0431/6684860 und Stadt Illertissen, Telefon: 07303/17242.

Zuletzt haben sich in der Region die Betrugsfälle gehäuft. Mehr darüber lesen Sie hier: Wie Telefonbetrüger mit miesen Tricks auf Beutezug gehen , Nach Betrugsfällen: Bürger sollten misstrauisch sein und Falsche Verwandte erbeutet 80000 Euro von Senioren.

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