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Illertissen

20.03.2009

Ungewöhnlicher Fund in der Bananenkiste

Ein ungewöhnlicher Fund wurde bei einer Bananenlieferung gemacht.

Einen außergewöhnlichen Fund hat eine Frau in Illertissen gemacht. Was sie in einer Bananenkiste entdeckte, veranlasste sie umgehend dazu, die Polizei zu rufen. Von Alf Geiger

Von Alf Geiger

Der Arbeitstag begann am Mittwoch für die leitende Mitarbeiterin eines Illertisser Supermarktes wie immer: Stichprobenartig kontrollierte die 26-Jährige die eingehenden Waren. Als sie eine der eben vom Liefer-Lkw abgeladenen Bananenkisten hochhob, stutzte die junge Frau: Irgendwie kam ihr der Karton leichter vor als üblich.

Sie öffnete ihn - und sah erst einmal nur saftige, gelbe Bananen. Immer noch misstrauisch hob sie die oberste Lage Bananen ab - und entdeckte Päckchen, die in einer gelben Plastikfolie eingeschweißt waren.

In diesem Augenblick war der 26-Jährigen klar, dass es sich hier um einen außergewöhnlichen Fund handeln musste - und verhielt sich auch jetzt noch "vorbildlich", wie ein Kripobeamter am Freitag hervorhob.

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Denn ohne zu Zögern griff die junge Frau zum Telefonhörer und alarmierte die Polizei. Die Fahnder der Neu-Ulmer Kripo waren wenige Minuten später am Fundort, einem Supermarkt in der Illertisser Friedrich-Ebert-Straße, und nahmen den seltsamen Fund in ihre Obhut.

Der Verdacht, es könne sich um Rauschgift handeln, bestätigte sich durch einen Drogen-Schnelltest - und damit war der Job für die Neu-Ulmer Kripobeamten praktisch auch schon erfüllt. Denn bei einer derart großen Menge ist es üblich, dass die Experten des Landeskriminalamtes sich einschalten und die Ermittlungen übernehmen.

Vor Ort übernahmen dann die Beamten der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Polizei und Zoll des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Zollfahndungsamtes München (GER Südbayern) die weiteren Ermittlungen.

Diese ergaben, dass in zwei Bananenkisten 26 Päckchen mit insgesamt mehr als 28 Kilogramm Kokain versteckt waren. Die Kisten waren Teil einer Ladung von drei Paletten Obstkisten, die von einer baden-württembergischen Spedition in mehrere Filialen der Supermarktkette in Bayern und Baden-Württemberg ausgeliefert wurden. Ein Untersuchung aller anderen, auch der bereits ausgelieferten, Bananenkisten brachte kein weiteres Rauschgift zum Vorschein, so die Polizei.

Nach ersten Informationen stammt die gesamte Ladung aus Antwerpen/Belgien. Die ursprüngliche Herkunft der Früchte ist in Kolumbien zu suchen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Memmingen und der GER Südbayern dauern an, entsprechend zugeknöpft waren die Fahnder daher auch Freitag noch bei entsprechenden Nachfragen.

Warum das Kokain ausgerechnet nach Illertissen geliefert worden war, sei derzeit noch eine der vielen offenen Fragen, so eine LKA-Sprecherin. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich um einen "Irrläufer" handelt, der entweder "falsch verpackt" oder eben an die falsche "Lieferadresse" gebracht worden sei.

Genauso wenig könne aber auch ausgeschlossen werden, dass Illertissen tatsächlich der Zielort war und die findige Supermarkt-Mitarbeiterin mit ihrer Entdeckung einem Drogen-Kurier zuvor gekommen war. Dies freilich würde den Schluss nahe legen, dass in Illertissen oder in der näheren Umgebung ein Drogen-Kartell ungeahnten Ausmaßes sein Unwesen treibt - eine bizarre Vorstellung, auch wenn in Polizeikreisen inzwischen hinlänglich bekannt ist, dass sich mafia-ähnlich strukturierte Dealer-Banden längst auf das "flache Land" zurück gezogen haben, wo sie sich in ländlichen Gebieten etwas mehr "Ruhe" vor der Polizei erhoffen.

"Illertal-Schiene" als Schlagader für Rauschgift-Kriminalität

Gerade die "Illertal-Schiene" gilt in Ermittler-Kreisen aber auch seit Jahren als Hauptachse für organisierten Rauschgifthandel. Dass dabei Mafia-Clans wie die berüchtigte N'Drangheta - dieser kriminellen Organisation aus Italien werden "Stützpunkte im Allgäu im Raum Kempten nachgesagt - dabei ihre blutigen Finger im Spiel haben, mutmaßen Ermittler zwar - doch solche Mutmaßungen werden mit Blick auf die schwierigen Ermittlungen nur hinter vorgehaltener Hand geäußert.

Von derartigen Mutmaßungen will der Leitende Oberstatsanwalt Dr. Johannes Kreuzpointner nichts wissen. Er verlässt sich lieber auf die Fakten - doch die sind im vorliegenden Fall eher dünn: "Es handelt sich wohl um einen logistischen Fehler", meinte Kreuzpointner achselzuckend. Es gebe zumindest derzeit keinerlei Anhaltspunkte auf einen möglichen Abnehmer für die Koks-Lieferung in Illertissen. Der Chef-Ankläger der zuständigen Memminger Staatsanwaltschaft geht vielmehr davon aus, dass schon bei der "Versendung" der heißen Ware in Kolumbien ein Fehler gemacht wurde: "Da ist wohl bei der Auslieferung etwas schief gelaufen..."

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