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Winterrieden

27.12.2019

Unterallgäuer Kreistag: Abschied eines Altgedienten

Schlussstrich nach fast 46 Jahren: Helmut Koch aus Winterrieden wird bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr für den Unterallgäuer Kreistag kandidieren.
Bild: Fritz Settele

Plus Mit Helmut Koch stellt sich das dienstälteste Mitglied des Unterallgäuer Kreistags nicht mehr zur Wahl. Die Kommunalpolitik wird der Sozialdemokrat wohl nicht vermissen.

Seit fast 46 Jahren gehört Helmut Koch dem Unterallgäuer Kreistag an – und ist damit mit Abstand das dienstälteste Mitglied in diesem Gremium. Außerdem ist der 69-Jährige auch der Einzige, der mit allen drei Landräten des Landkreise Unterallgäu, nämlich Otto Weikmann, Hermann Haisch und Hans-Joachim Weirather, kommunalpolitisch zu tun hatte. Doch im kommenden Jahr ist damit endgültig Schluss: Der überzeugte Sozialdemokrat kandidiert nicht mehr für den Kreistag.

Die Wurzeln seines kommunalpolitischen Engagements reichen bis ins Jahr 1968 zurück. Damals schlossen sich Helmut Koch und sein Vater der SPD an. Anlass für beide waren die gesellschaftlichen und die politischen Umwälzungen dieser Zeit, aber auch die Brandtsche Ostpolitik. Anfangen wollten er und sein Vater in der Kommunalpolitik vor Ort. Allerdings war es damals noch nicht erlaubt, dass zwei Personen aus einer Familie im gleichen Kommunalparlament sitzen – im Gegensatz zu heute, wo dem Babenhauser Marktrat Martin und Martina Gleich, Dieter und Peter Miller sowie Quirin und Elfriede Rothdach angehören.

Helmut Koch saß auch im Babenhauser Marktrat

Also galt es, sich zu entscheiden – und die Kochs einigten sich darauf, dass der Vater, Helmut Koch Senior, für den Babenhauser Marktrat kandidiert. Für diesen war er letztlich auch über mehrere Legislaturperioden – mit überwältigender Zustimmung seitens der Bevölkerung – im Einsatz. Der „Junior“ wandte sich unterdessen der Kreispolitik zu. Zwar verpasste Koch 1972 um 30 Stimmen den Einzug ins Kreisparlament. Doch zwei Jahre später rückte er nach und war damit einer der jüngsten Kreisräte in Bayern. Seitdem gehörte er unter anderem dem Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus oder dem Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens Kreiskliniken Unterallgäu an. Schwerpunkt seiner Arbeit war stets der soziale Bereich, insbesondere die Krankenhäuser sowie Seniorenheime und die Jugendarbeit lagen ihm am Herzen. Nicht zuletzt Koch ist es zu verdanken, dass Babenhausen nach der Schließung des Kreiskrankenhauses ein Kreisaltenpflegeheim bekam. Es habe sich gezeigt, dass dies die richtige Entscheidung für den Fuggermarkt gewesen sei, sagt Koch. Allerdings bedauere er, dass über Jahrzehnte keine Einigung mit dem Klinikum Memmingen zustande kam. Die Konsequenz sei die Einigung auf einen neuen Klinikumsverband ohne Memmingen gewesen.

Unterallgäuer Kreistag: Abschied eines Altgedienten

In der Laudatio bei der Verleihung der kommunalen Verdienstmedaille in Silber durch das Bayerische Innenministerium wurde Kochs kommunalpolitisches Engagement hervorgehoben. Aber auch sein vorbildlicher Einsatz in vielen kommunalpolitischen Gremien und Ausschüssen, wie im Babenhauser Marktrat von 1996 bis 2004. In jener Zeit war er parallel im Kreistag und im Marktrat SPD-Fraktionsvorsitzender. Als Finanzbeamter war zudem stets sein Rat in Geld-und Steuerangelegenheiten gefragt. Besonders geschätzt war aber stets seine ausgleichende, ruhige Art.

Der damalige Bürgermeister Theo Lehner bescheinigte Koch bei dessen Abschied aus dem Marktrat eine „objektive und sachliche Zusammenarbeit“. Er habe seine Ziele stets mit Nachdruck und fundiertem Wissen verfolgt, sei aber auch stets zu Kompromissen bereit gewesen.

Kreisrat Koch freut sich auf mehr Zeit mit der Familie

Positiv betrachtet Koch auch die knapp sechs Jahre als stellvertretender Landrat. Dabei habe er Landrat Weirather äußerst intensiv kennengelernt. Im vorigen Jahr wurde ihm für 50-jährige SPD-Mitgliedschaft die Goldenen SPD-Ehrennadel verliehen. Entscheidend sei, aus welchen Gründen man in eine Partei eintrete, sagt Koch. Und diese seien für ihn eben jene Umwälzungen der 68er-Jahre und die Brandtsche Ostpolitik gewesen. Mit den heutigen Personal- und Politikentscheidungen der SPD habe er durchaus seine Probleme, zumal wirkliche Alleinstellungsmerkmale fehlten.

Koch erklärt, dass er mit seinen Kollegen in Markt- und Kreistag stets gut ausgekommen sei. Auf besondere Erlebnisse im Kreistag angesprochen, nennt er als schlimmstes Ereignis den Tod eines Kreistagskollegen, der hinter ihm sitzend während einer Sitzung zusammenbrach und verstarb. Außerdem erinnerte sich Koch an seine Vereidigung im Kreistag, als Graf Albert Fugger von Glött monierte, dass er zwar im Anzug, aber ohne Krawatte erschienen war.

Das sozialdemokratische Engagement Helmut Kochs lag aber nicht allein auf der kommunalpolitischen Schiene, sondern auch bei seinem Einsatz für soziale Organisationen. So verwaltet er seit Jahrzehnten nicht nur die Kasse des Ortsverbands der Arbeiterwohlfahrt in Babenhausen, sondern auch die des SPD-Ortsvereins. Die Zahl der Ehrenämter würde den Rahmen des Artikels sprengen.

Passend dazu seine persönliche Einstufung: „Kommunalpolitiker aus Leidenschaft und Herzblut“. Ein wenig Wehmut befalle ihn schon bei seinem bevorstehenden Abschied aus der Kommunalpolitik – sie werde ihm jedoch „nicht abgehen“. Vielmehr freue er sich auf mehr Zeit mit der Familie und den Enkelkindern.

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