Newsticker
Gesamtzahl der gemeldeten Corona-Toten in Deutschland liegt nun über 50.000
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Verein meldet angeblichen Wolfsriss in Illertissen: Was ist dran?

Illertissen

21.12.2020

Verein meldet angeblichen Wolfsriss in Illertissen: Was ist dran?

Im Frühjahr wurde ein Wolf bei Neu-Ulm überfahren. Es handelt sich um ein Symbolfoto.
Bild: Lino Mirgeler/dpa (Symbolfoto)

Plus Der Verein Wölfe vs. Land berichtet über einen Vorfall im Illertisser Stadtgebiet. Ein Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer hält die Schlussfolgerung daraus hingegen für unwahrscheinlich.

Es ist ein grausiges Szenario, das der Verein Wölfe vs. Land in seiner Pressemitteilung zeichnet: Ein Wolf soll in Illertissen ein Fohlen getötet haben. Doch was ist dran an dieser Geschichte?

In der Verlautbarung beschreibt der Verein mit Sitz in Niedersachsen, was sich Ende November in einem Illertisser Ortsteil ereignet haben soll, und spart dabei nicht an Details: Ein Wolf verschleppte demnach ein Fohlen kurz nach dessen Geburt. Er sei offensichtlich über die 1,30 Meter hohe Boxenwand gesprungen, habe das Fohlen nach einem kurzen Kampf gepackt und sei dann mit ihm wieder über die Wand gehüpft. „Das Fohlen kam im Stall nachweislich lebend auf die Welt und lag nachher tot und angefressen drei Meter vor dem Stall“, heißt es in der Mitteilung von Wölfe vs. Land. Auf Nachfrage sagt Andreas Schmid, Ansprechpartner des Vereins, selbst vor Ort gewesen zu sein und „eine DNA-Probe gezogen“ zu haben. Der Verein fordert die offizielle Bestätigung vonseiten der Behörden und eine „umgehende Entnahme dieses Wolfes“.

Das Landratsamt Neu-Ulm teilt nach Rücksprache mit dem Veterinäramt, der Unteren Jagdbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde gegenüber unserer Redaktion mit, nichts von einem Wolfsriss zu wissen. Dasselbe antwortet Christian Liebsch, Vorsitzender der Kreisgruppe Neu-Ulm im Bayerischen Jagdverband.

Spuren lassen nicht auf Wolf schließen

Elmar Zeller, der sich ehrenamtlich im bayernweit tätigen Netzwerk Große Beutegreifer engagiert, bestätigt, dass es Ende November im Illertisser Stadtgebiet einen Vorfall gab, zu dem er gerufen wurde. Es sei zwar ein totes Fohlen gefunden worden, jedoch ließen die Spuren nicht auf einen Wolfsriss schließen. Der Obduktion zufolge hatte das Pferd keine Bissspuren im Halsbereich, sondern im Rückenbereich, berichtet Zeller. Auch die Zahnabstände passten nicht zu einem Wolf. Es sei davon auszugehen, dass ein „Tier in der Größe eines Fuchses“ das Fohlen verschleppte, nachdem dieses gestorben war. Das neugeborene Pferd litt demnach an einer schweren Lungenentzündung. Die Mutter hatte das Fohlen wohl schon vor dem Auftauchen des Wildtieres aufgegeben. „Die Stute hätte sonst getobt“, sagt Zeller. Dafür, dass das junge Pferd schon tot war, spreche auch, dass es keine Einblutungen an den Fraßspuren gegeben habe. Ein Wolf hätte zudem das Tier nicht nur ein paar Meter vom Stall entfernt, sondern weiter weg verschleppt.

Das jüngste Ereignis in Zusammenhang mit einem Wolf im Landkreis Neu-Ulm liegt einige Monate zurück: Damals wurde ein Tier zwischen Holzschwang und Hausen überfahren. Wie berichtet, ergab eine Untersuchung des Kadavers im Nachgang, dass es sich nicht um einen großen Hund, sondern tatsächlich um einen Wolf handelte.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren