1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Verluste: Kliniken steht Kampf bevor

Landkreis Neu-Ulm

12.11.2015

Verluste: Kliniken steht Kampf bevor

Die Kreiskliniken machen (insgesamt betrachtet) Miese: Die Donauklinik (im Bild) wies 2014 ein Defizit von rund 238000 Euro aus, in Illertissen waren es 199000 Euro. Allein die Stiftungsklinik Weißenhorn machte ein Plus (133000).
Bild: Alexander Kaya

Der Jahresabschluss für 2014 weist ein Minus von 300000 Euro auf. Im Kreisausschuss wurde erneut betont, dass gehandelt werden muss. Wie genau bleibt allerdings weiter unklar.

Eine Reform wird aktuell vorbereitet. Details zu den bereits angekündigten Veränderungen gab es gestern im Ausschuss nicht.

Hintergrund: Als Knackpunkt der Misere wird das aktuelle Vergütungssystem ausgemacht. Das funktioniert so: Die Kliniken bekommen für ihre Arbeit Pauschalen ausbezahlt. Das Problem: Diese orientieren sich an der Schwere der behandelten Krankheit, aber nicht unbedingt am tatsächlichen Aufwand für Mensch und Material. Das führte etwa an der Donauklinik zuletzt laut Stiftungsdirektor Michael Gaßner zu einem widersinnigen Ergebnis: Die Patientenzahlen sind enorm gestiegen – bis Ende Oktober 2015 wurden 979 Fälle mehr behandelt (9204), als im Vorjahreszeitraum (8225). Allerdings lässt sich das nicht zu barer Münze machen, weil viele „leichte Fälle“ behandelt werden, die niedrig sind. Gaßners Fazit: „Das Wachstum bringt uns nichts.“ Mehr Arbeit bei gleichbleibenden Erträgen: Der Direktor erachtet „intensive Überlegungen“ als notwendig, wie dem zu begegnen ist.

Gesetz: Erschwerend kommt hinzu, dass momentan ein neues Gesetz zur Krankenhausstruktur vorbereitet wird. Es soll strenge Richtlinien etwa in Sachen Hygiene vorschreiben. Und: Um überhaupt Geld zu bekommen, müssen Krankenhäuser für die jeweiligen Sparten festgelegte Behandlungszahlen vorweisen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aus Sicht von Landrat Freudenberger soll das Gesetz die Krankenhauslandschaft ausdünnen, „das sind Hebel, die dazu da sind, kleinere Häuser kaputt zu machen“.

Reform: Dieses Schicksal soll den Kliniken im Kreis Neu-Ulm erspart bleiben. „Wir wollen an allen drei Standorten zukunftsfähig sein“, so der Landrat. Deshalb wird sich wohl einiges ändern, eine Reform ist bereits angestoßen. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Kliniken weiter spezialisieren, es wird nicht mehr alle medizinischen Leistungen an jedem Standort geben, betonte Gaßner. Eine Idee ist, der Notaufnahme eine neue Struktur zu geben. Denn hier zahlen die Kliniken ordentlich drauf, im Schnitt 100 Euro pro Patient. Gaßner nannte ein Beispiel: Ein Test auf resistente Keime koste 35 Euro, werde aber nur mit 30 Euro vergütet. „Wenn wir das machen, ist das Geld weg, das müssen wir aus dem laufenden Betrieb finanzieren.“

Näheres zu den angekündigten Veränderungen war gestern nicht zu erfahren.

Defizit: Im Jahr 2014 haben die drei Krankenhäuser insgesamt 80,65 Millionen Euro eingenommen, Spitzenreiter ist die Stiftungsklinik Weißenhorn mit 30,7 Millionen. Dem stehen insgesamt aber Ausgaben von 80,95 Euro gegenüber, was zu einem Verlust von 300000 Euro führt. Allein das Haus in Weißenhorn machte laut Bilanz ein Plus (133260 Euro), die Donauklinik in Neu-Ulm fuhr ein Minus von 238260 Euro ein, die Illertalklinik in Illertissen eines von 199000Euro (nach den Ausgleichszahlungen).

Kreisräte: Jammern hilft nicht – das war der Standpunkt von Kreisrätin Antje Esser (SPD) aus Neu-Ulm. Sie pochte auf nachhaltige Entscheidungen: „Entweder wir überleben, oder eben nicht.“

Rätin Esser: Krankenhäuser nicht überlebensfähig

In der jetzigen Form sei das den Kreiskliniken nicht möglich, so habe die Illertalklinik bis heute mehrere Millionen an Transferzahlungen erhalten. Rat Roland Hunger (CSU) aus Illertissen sagte, dieses System sei gewollt. Geriatrie und Geburtshilfe könnten keine Gewinne machen: „Wären diese Abteilungen an anderen Häusern, wäre der Verlust dort.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Lichter_der_Hoffnung-2018-12-09-wis-1(1).tif
Illertissen

Illertissen: Drei Musikgruppen für ein Halleluja

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen