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Vöhringen
20.09.2021

Classic Computing in Vöhringen: Über den Beginn des Computer-Zeitalters

Der Commodore 2001 aus dem Jahr 1977: Das war der zweite PC überhaupt, der auf den Markt kam. Schneller war nur Apple. Gezeigt wurden die Geräte im Rahmen der Ausstellung Classic Computing in Vöhringen.
Foto: Ralph Manhalter

Der Besuch der Ausstellung Classic Computing in Vöhringen glich einer Zeitreise und führt vor Augen, wie schnell neueste Technik uralt wird.

Das Geräusch von knirschenden und schabenden Nadeldruckern empfängt den Besucher einer ungewöhnlichen Ausstellung in Vöhringen. Jenen, die schon einige Jahrzehnte im Berufsleben stehen, dürfte der zwischenzeitlich eher als nervenaufreibend empfundene Ton noch wohl bekannt sein. Heute geht das Drucken auf Papier nicht nur schneller sondern vor allem auch leiser. Aber das interessiert die 36 Aussteller, die aus ganz Deutschland sowie der Schweiz am Wochenende nach Vöhringen angereist waren, nur am Rande.

Apple und Commodore sind die ersten auf dem PC-Markt

So lautet der Name der Organisation, in welcher sich die PC-Enthusiasten zusammengefunden haben, auch „Verein zum Erhalt klassischer Computer“. Ein Mitglied ist Michael Vogt aus Neu-Ulm, der die Ausstellung in Vöhringen organisiert hatte. Das Betreten des Kulturzentrums in Vöhringen wurde für den Besucher zur Zeitreise, die in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Nach Apple brachte Commodore im Januar 1977 mit dem 2001 den ersten PET, was damals für Personal Electronic Transactor (Pesonalisierter elektronischer Ausführer) stand, auf den noch leeren Markt.

Wie sahen die ersten Computerspiele aus? Dieses Video zeigt einige Beispiele auf dem Commodore PET.

Was an dem Gerät als erstes auffällt, ist neben der Klobigkeit – das waren schließlich alle – ein Kassettenfach für das Laufwerk. Dennoch stellte der Commodore neben dem Apple seinerzeit den einzigen erschwinglichen Rechner dar, der auch vom Laien verstanden werden konnte, berichtet Carsten Brendel. Allerdings war das Gerät noch lange nicht so benutzerfreundlich wie die PCs, die wir heute gewohnt sind. Fertige Programme kamen erst nach und nach auf den Markt. Wer eine spezielle Anwendung wünscht, musste diese zunächst selbst programmieren.

Als auf den Bildschirm klopfen noch etwas brachte

Dennoch erzielte das Gerät vor allem in Deutschland weite Verbreitung, sowohl in Büros als auch in Privathaushalten, erzählt Brendel. Der Anschaffungspreis lag bei stolzen 3000 Mark. Im Übrigen eroberten die Heimcomputer erst ab 1983/84 sukzessive die Wohn- und Arbeitszimmer. Dort fand unter anderem auch der Genie III des Herstellers Eaca seine Verwendung. Nicht nur, dass der Computer mit einem Schlüssel auf- und absperrbar war, eine untertellergroße Öffnung diente dem Einsatz von Laufwerken. Ein anderer Aussteller klopft derweil lautstark auf den Monitor seines betagten Commodore. Und siehe da, das ersehnte Bild erscheint.

Hätten unsere Kinder und Enkel bislang nur ungläubig gestaunt, präsentiert Holger Niederländer nun stolz seinen hp150 mit – man lese richtig – Touchscreen. Für 5500 US-Dollar war der ulkige Kasten ab 1983 zu haben, dessen Interaktion auf der Technik von Infrarot-Fotodioden, ähnlich einer Lichtschranke, basierte. Auch rustikalere Finger konnten daher den Zielpunkt kaum verfehlen. Der integrierte Drucker, natürlich mit Thermopapier versehen, kostete extra.

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Auch Spielefans kommen in Vöhringen auf ihre Kosten

Neben den technikaffinen Spezies fühlte sich auch die Spielegeneration sichtlich wohl. Der Gameselector aus dem Jahr 1977 bot ganze sechs Alternativen an: Vom Tennis über das Schießen bis zum Eishockey konnte der Konsument eintauchen in die virtuelle Realität der Siebzigerjahre. Die Anleitung war einfach: das Abfangen des gegnerischen Objekts erfolgte durch das Bewegen von zwei Reglern. Geradezu einfältig im Vergleich zu heutigen Spielen wirkt auch Pac-Man oder der Renner der 1990er-Jahre, das Moorhuhn. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem. Auch heute noch, wenn Besucher in einem geradezu musealen Umfeld die alten Spiele wieder entdecken.

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