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Vöhringen

31.07.2020

Vöhringens jüngster Stadtrat hat ein Abitur mit 0,67-Schnitt

Victor Kern aus Vöhringen hat einen überragenden Abiturschnitt und ist zudem jüngstes Mitglied im Stadtrat.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Victor Kern hat eine Note, die es offiziell nicht gibt. Und er sitzt jetzt mit 18 Jahren am Ratstisch in Vöhringen. Nun steht noch ein Neuanfang für ihn an – und der ist anders als geplant.

Legeres T-Shirt, kurze Hosen und keck gebundener Knoten, der seine Haare bändigt: So kurvt Victor Kern auf dem Skateboard über den Hof des elterlichen Hauses. Er strahlt und hat dazu auch allen Grund. Denn wer schafft schon ein Abitur mit der Traumnote 0,67? Diese Note wurde nach dem Punktesystem errechnet, das der Abi-Bewertung in Bayern zugrunde liegt. Aber dieses Superergebnis wird „nur“ mit einer glatten Eins bewertet. Victor nimmt’s gelassen: „Ist halt so“, sagt er und lacht.

Aber er hat noch mehr zu bieten. Er wurde im ersten Anlauf in den Vöhringer Stadtrat gewählt und ist mit seinen 18 Jahren jüngstes Mitglied im Gremium, wo ihn das „gute Klima“ beeindruckt. Er zog für die Grünen in den Rat ein – dabei ist er noch nicht einmal Mitglied der Partei. „Aber auf dem Wege dorthin, wenn einige Formalitäten erledigt sind“, sagt Victor. Also ein weiterer Start in einen neuen Lebensabschnitt. So ganz nach Jubeln ist ihm nicht zumute – wegen Corona. Den Wunsch, ein Jahr in Japan zu verbringen, erfüllt er sich nicht.

Nach dem Abi wollte Victor Kern nach Japan reisen

Eine Reise nach Hokkaido, die nördlichste Insel im Land der aufgehenden Sonne, sollte sozusagen Schlusspunkt nach einem erfüllten und erfolgreichen Jahr werden. Dort wollte er sich der Kultur widmen, Land und Menschen kennenlernen. Auf der schneesicheren Insel Hokkaido, wo in Sapporo 1972 die Olympischen Spiele stattfanden, wäre er gerne als Snowboard-Lehrer tätig geworden, er hätte dort fortgesetzt, was er im Sportklub Vöhringen seit Jahren macht. Aber dann kam Corona und der Traum zerplatzte.

Vöhringens jüngster Stadtrat hat ein Abitur mit 0,67-Schnitt

Jetzt studiert er Physik in Ulm. In der Schule gehörte Physik zu seinen Lieblingsfächern, ebenso wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Religion. Physik und Religion? Ist das nicht eine kühne Kombination? „Nein, gar nicht“, sagt Victor. „Für mich kommen Physik und Religion nahe an die Philosophie heran. Und die hat mich schon immer interessiert.“

Ein prägendes Erlebnis war für ihn ein halbjähriger Aufenthalt in Kanada, nahe dem berühmten Banff-Nationalpark. Lassen sich die Schulsysteme in Deutschland und Kanada vergleichen? Victor braucht nicht lange, um die Antwort zu formulieren: „Es gibt deutliche Unterschiede.“ Den Unterschied macht er beispielsweise am äußeren Erscheinungsbild fest. Während hierzulande darauf geschaut werde, wer was trägt, je teurer, umso besser, steht das Outfit an kanadischen Schulen nicht im Fokus. Dort ist Schuluniform Pflicht. Auch erspürte Victor, dass das soziale Miteinander im Vergleich zu Deutschland deutlich ausgeprägter sei. Ausgrenzungen habe er keine beobachten können. Spricht man über soziales Gefälle, dann ist der Sprung in die Politik nicht mehr weit.

Der junge Stadtrat unterstützt Fridays for Future

Victor Kern ist mit 18 Jahren jüngstes Mitglied im Stadtrat. Wie fühlt sich das an, aus dem Klassenzimmer in den Sitzungssaal des Rathauses? „Es ist interessant, den Werdegang mancher Projekte mitzuverfolgen, zum Beispiel die neue Rathausmitte. Aber die wichtigsten Probleme sind für uns Klima und Umweltschutz. Wir brauchen mehr Fotovoltaik auf den Dächern und weniger Pestizide in der Landwirtschaft.“ Auch unterstütze er die Aktion Fridays for Future. „Es kann mir nicht gleichgültig sein, was mit unserem Planeten geschieht. Ebenso ist Engagement gefragt, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinanderklafft.“

Deshalb habe er sich zum aktiven Engagement entschlossen. Die wachsende Gewaltbereitschaft innerhalb der Gesellschaft mache ihn zornig und ängstige ihn mit Blick auf die Zukunft auch, bekennt er offen. Er sagt: „Ich kann es nicht schlucken, wenn Gewalt gegen Polizisten mittlerweile zum Alltag gehört.“ Da schwingt in der Stimme des sonst so besonnen wirkenden jungen Mannes eine gute Portion Ärger mit.

Als er dann vor Monaten vom jetzt amtierenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Markus Harzenetter, gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, auf der Grünen-Liste für den Stadtrat zu kandidieren, besann sich Victor Kern auf sein eigenes Credo und beschloss, aktiv Politik mitzugestalten. „Es ist eine spannende Aufgabe und man lernt viel Neues hinzu.“

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