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Vöhringen

17.11.2019

Vöhringer Realschule: Tablets statt Bücher und Hefte

Unterricht mit Tablets ist eine interessante Neuerung im Schulalltag. Das Bild zeigt (von links) Johannes und Leroy aus der siebten Klasse der Realschule mit Thomas Kempf, der bei der Einführung behilflich ist.
Foto: Realschule

In der siebten Jahrgangsstufe der Vöhringer Realschule gibt es nun eine Tabletklasse. Der Weg zur Umsetzung war ungewöhnlich. Wie die Schüler digital lernen.

An der Staatlichen Realschule Vöhringen ist die erste Tabletklasse eingerichtet worden. In der siebten Jahrgangsstufe rückt jetzt analoges Arbeiten im Unterricht in den Hintergrund, was heißt, dass Bücher und Hefte zum großen Teil verzichtbar werden können. Außerdem soll sich die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer verbessern. Die Anschaffung der Tablets wird durch finanzielles Engagement der Eltern möglich. Aber auch der Förderkreis der Realschule unterstützt das neue System.

Die Digitalisierung der Schulen ist nicht nur im Landkreis im Augenblick Topthema. Aber es gibt bei der Umsetzung ein Problem, denn wie die Digitalisierung in die Klassenzimmer Einzug halten soll, ist noch nicht geklärt. Um etwa effektiv mit dem Tablet arbeiten zu können, sollte es nicht nur in der Schule benutzt werden, sondern auch daheim. Und das wiederum ist nicht möglich, weil schuleigenes Lehr- und Lernmaterial nicht nach draußen mitgenommen werden darf. Wenn also der Landkreis die Klassen mit Tablets ausstattet, dürfen sie nur innerhalb der Schule benutzt werden.

Um diese Vorschrift zu umgehen, hat sich die Realschule mit Hilfe der Eltern eine Lösung einfallen lassen. Die ist zwar kostspielig, aber effektiv, so Schulleiter Oliver Eschenbach. Väter und Mütter sollten die Tablets für ihre Kinder kaufen, Kostenpunkt nach gründlicher Preisrecherche: 500 Euro. Um einen möglichst günstigen Preis zu erzielen, hatte Fachlehrerin Anja Wagner – sie unterrichtet Mathematik und Informationstechnologie – die Angebote der möglichen Lieferfirmen durchforstet. „Wir waren überrascht, wie viele Eltern trotz dieser Zusatzkosten von der Idee begeistert waren. So wurden die Rechner angeschafft und sind somit Eigentum der Schüler.“ Jetzt können die Tablets in der Schule wie auch im häuslichen Umfeld genutzt werden. Wenn es Probleme wegen des Preises gab, schritt der Förderkreis Realschule helfend ein.

Schultaschen sind frei von schweren Bücherpaketen

Mit ins Boot sprang die Ulmer Niederlassung des französischen Unternehmens Axians IT Solutions. Thomas Kempf – beruflich mit der IT-Firma verbandelt, außerdem Mitglied des Fördervereins der Realschule und mit dem Unterrichtsprogramm vertraut – nahm Kontakt zu Anja Wagner auf. Er erinnerte sich an das von seiner Firma aufgelegte Programm „20 mal 1000 Euro – Mitarbeiter helfen.“ Es werden für 20 Beschäftigte je 1000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld soll in Projekte gesteckt werden, um damit innovative Initiativen von Jugendlichen zu unterstützen. Kempf witterte eine Chance, um damit dem Vorhaben der Vöhringer Realschule auf die Beine zu helfen. Sein Vorstoß bei der Firma hatte Erfolg. Als Anreiz gab es noch Präsente, Speicherkarten mit einer Kapazität von je 128 Gigabytes. Nur zum Vergleich: Auf einer Acht-Zoll-Diskette von 1995 konnten gerade mal 1,2 Megabytes gespeichert werden.

Die Vorteile des digitalen Lernens liegen laut Anja Wagner in der guten Vernetzung zwischen Schülern, Lehrern und Schule. Wenn’s zuhause gar nicht mehr weitergeht, könnte sogar die Fachlehrerin kontaktiert werden. Von Vorteil sei auch, dass die Schultaschen frei sind von schweren Bücherpaketen.

Dass es auch Nachteile gibt, verhehlt Mathe-Lehrerin Wagner nicht. „Anfänglich probieren die Schüler die Möglichkeiten aus, die das Tablet bietet, und die haben mit dem aktuellen Unterrichtsstoff wenig zu tun.“ Aber das sei nur zu Beginn so. Schnell merkten die Schüler nämlich, dass sie im Unterricht ein Manko aufweisen, wenn sie sich zu sehr in anderen Gefilden aufhalten.

Neue Art des Unterrichtens kommt bei den Schülern gut an

Thomas Kempf als Elternvertreter und PC-Fachmann nahm sich zwei Tage frei und half beim Umgang mit den Tablets. Außerdem hatte er ein großes Paket mit Anschauungsmaterial unter dem Arm. Die Schüler waren fasziniert, wie eine Festplatte von innen aussieht und welche Entwicklung die Karte als Speichermedium genommen hat. Die gesponserten 1000 Euro werden gesplittet. 500 Euro werden für weitere Speicherkarten ausgegeben, von den restlichen 500 Euro werden Ladegeräte angeschafft.

„Bei den Schülern kommt die neue Art des Unterrichtens gut an“, so Wagner und Eschenbach. Sie könnten mit Mitschülern Kontakt aufnehmen und im Notfall mit der Fachlehrerin. „Denn Zweidrittel der in dieser Klasse unterrichtenden Lehrkräfte arbeiten mit den Schülern bereits digital.“ So hat die Zukunft an der Schule begonnen.

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