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Vöhringen

26.11.2020

Vöhringerin schnuppert vier Wochen ins Bauernhof-Leben

Barbara Werner lernte während ihres vierwöchigen Hofaufenthalts das Landleben zu schätzen. Insbesondere das Brotbacken hat es ihr angetan. Davon profitiert nun auch ihr Mann zu Hause.
Foto: WWOOF/Repro: Balken

Plus Barbara Werner arbeitete vier Wochen auf einem Bauernhof. Sie lernte Brot zu backen, Kartoffeln zu ernten und wie es ist, Fachwerkhäuser instand zu halten.

Man ist nie zu alt, etwas Neues zu lernen. Ein Grundsatz, nach dem Barbara Werner stets ihr Leben ausgerichtet hat. Jetzt ist sie Rentnerin und immer wieder offen für neue Ideen. Gerade ist sie von einer vierwöchigen Erkundungstour auf einem Bauernhof zurückgekehrt. Die Vöhringerin arbeitete als Bäuerin auf einem Hof in Hessen und ist hellauf begeistert.

Sie benutzt dieses Wort „Bäuerin“ bewusst, wohl wissend, dass im modernen Sprachgebrauch das eigentlich Landwirtin heißt. Dieses Hineinschnuppern in eine völlig andere Welt faszinierte sie. „Am Abend kann man sehen, was man geschaffen hat, sieht die Brote, schön aufgereiht auf einem Holzrost liegen, und bewundert sein eigenes handwerkliches Geschick, wenn man das mit Lehm zugeputzte Loch in einem Fachwerkhaus betrachtet.

Vöhringern probiert das WWOOF in Nordhessen aus

Als Barbara Werner, Mutter und Großmutter, eine Anzeige über WWOOF las, war sie sofort interessiert. WWOOF steht für „Weltweite Chancen, auf ökologischen Bauernhöfen bei freier Kost und Logis mitzuarbeiten.“ WWOOF wurde 1971 in Großbritannien gegründet und fasste 1992 in Deutschland Fuß. Es ist eine weltweite gemeinschaftliche Bewegung, die das Bewusstsein für die Methoden der ökologischen Landwirtschaft stärken soll. Die Gäste auf den Höfen sind in den Lebensalltag mit eingezogen.

Ganz neu war für Werner das „Wwoofen“ allerdings nicht. „Meine Tochter hatte in Kanada auf einem Hof gearbeitet. Als ich sie besuchte, war ich von dem Projekt begeistert. Allein schon die freundliche Aufnahme, die Offenheit, mit der sich fremde Menschen in den Projekten begegnen, das Zusammenleben wie in einer großen Familie beeindruckten mich.“ Nach dieser Erfahrung wurde ihre Überlegung, einmal mitzumachen, konkret. Nur, dass Werner nicht ins Ausland wollte, sondern in Deutschland „wwoofen“, wie sie es nennt.

Das erlebte die Vöhringerin bei ihrem Bauernhof- Aufenthalt

Sie meldete sich an und wurde Mitglied des weltweiten Projekts. Mit 18 Euro im Jahr war sie dabei. Informationsmaterial wurde ihr vom Verein WWOOF zugeschickt. So konnte sie sich einen Hof aussuchen, der ihren Vorstellungen entsprach. „Ich wollte nicht zu einer Landwirtschaft mit Milchvieh, da muss man ja sehr früh aus den Federn.“ Sie entschloss sich für ein Anwesen in Nordhessen, das sich auf Gemüse, Obst und Tierhaltung spezialisiert hatte. Das entsprach ihren Vorstellungen.

Der Hof wird als Nebenerwerb geführt. „Der Hausherr unterrichtet Vegetationskunde an Universitäten und die Hausfrau ist Sozialarbeiterin. Am Wochenende kamen beide zurück auf den Hof, es wurde Wochenbilanz gezogen und über Geschehnisse berichtet. Es gab im Spätsommer mit Ernten und Verarbeiten von Gemüse und Früchten viel zu tun.

"WWoofen" kann man auch in Deutschland, wie die Vöhringerin erzählt

Doch Werners Gastgeber waren nicht nur mit Sähen, Ernten und anderen typischen landwirtschaftlichen Tätigkeiten beschäftigt. In einer folgenschweren Silvesternacht traf eine Rakete die Scheune und entfachte zunächst einen Schwelbrand, der sich zum Großfeuer ausweitete. Man hatte zu spät gemerkt, wo das Feuerwerk eingeschlagen hatte. Die Instandsetzung der Gebäude war fast zu Ende, als Werner auf dem Hof eintraf, aber die Geschichte fast als Erstes erzählt.

Die Arbeit war äußerst vielseitig und forderte bisweilen auch körperlichen Einsatz. Während Barbara Werner sich gerne ans Brotbacken machte, hatte das Jäten von Brennnesseln wenig Prickelndes an sich. „Abends wusste man schon, was man getan hatte. Man trug zwar Handschuhe, aber irgendwie kam man immer mit den Brennnesseln in Berührung.“ Aber auch Handwerkliches stand an, zum Beispiel ging es auch darum, die Bausubstanz der alten Fachwerkhäuser zu erhalten. Da mutierte man zum Maurer. „Wenn man dann abends sieht, was man geschafft hat, ist das ein schönes Erleben.“

Die Vöhringerin lernte viel über das Brotbacken

Weil Brotbacken auf der Beliebtheitsskala weit oben stand, gibt es jetzt in Barbaras Familie Brot aus eigener Herstellung. Die Mühle, um das Getreide zu mahlen, bereichert bereits ihren Hausstand. Ihr Mann Lothar Damm, als ehemaliger Kantor der Musik zugewandt, stand dem Vorhaben seiner Frau anfangs skeptisch gegenüber. Aber er weiß das Brot aus der hauseigenen Backstube zu schätzen. Das freut die Bäckerin. „Ich backe das Brot aus Sauerteig und reserviere immer eine gute Portion im Kühlschrank für den Tag, an dem wieder Brotbacken im Haus Damm/Werner ansteht.“

Als es aufs Ende der Bäuerin auf Zeit zuging, empfand sie ein Gefühl der Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die bemüht sind, gesunde Nahrungsmittel zu produzieren. „Man lernt, mehr wertzuschätzen, was auf den Tisch kommt“, sagt Werner. Wenn sie erzählt, merkt man, mit welchem Eifer sie auf dem Hof gearbeitet hat und welche Freude es für sie war. Und eines steht für sie schon fest, „das mache ich noch einmal“.

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