Newsticker
Gesundheitsminister wollen Besuchseinschränkungen in Senioren- und Pflegeheimen lockern
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Volksbegehren "Rettet die Bienen" bringt Bienenstadt Illertissen in Bredouille

Illertissen

23.01.2019

Volksbegehren "Rettet die Bienen" bringt Bienenstadt Illertissen in Bredouille

Die Biene im Fokus: Das Museum im Vöhlinschloss bietet spektakuläre Einblicke, geöffnet ist es Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr.
4 Bilder
Die Biene im Fokus: Das Museum im Vöhlinschloss bietet spektakuläre Einblicke, geöffnet ist es Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr.
Bild: Madeleine Schuster

Plus Das Volksbegehren der ÖDP bringt so manchen Mitarbeiter der „Bienenstadt“ Illertissen in eine Zwickmühle. Woran das liegt.

Zur Biene hat Illertissen eine ganz besondere Beziehung: Das zeigt schon ein Blick in die Geschichtsbücher – in Au gab es einst Europas größtes Domizil für Insekten dieser Art, die Farm wurde zur Produktion von Arzneimitteln genutzt. Der Ruf als „Bienenstadt“ kommt also nicht von ungefähr und Illertissen versucht sich traditionsgemäß zu präsentieren. Bienenwanderweg, viele blühende Flächen und Staatliches Bienenmuseum sind Beispiel dafür. Das anstehende Volksbegehren „Rettet die Bienen“ könnte gut dazu passen – möchte man meinen. Denn in dieser Hinsicht gibt man sich im Rathaus zugeknöpft. Zumindest offiziell. Besondere Aktionen zum Bienenschutz-Volksbegehren sind nicht vorgesehen. Ein Zettel an der Hinweistafel beim rathaus weist auf den Zeitraum hin, in dem Bürger sich in die Unterschriftenlisten eintragen können (31. Januar bis 12. Februar). Mehr ist in Illertissen nicht zu erwarten. Zumindest nicht seitens der Stadt. Dafür gibt es einen Grund.

Bienen sind in Illertissen zeitweise allgegenwärtig.
Bild: Felicitas macketanz


Urheber des Volksbegehrens ist die ÖDP, ihres Zeichens eine Partei. Und die Stadtverwaltung sei zur politischer Neutralität verpflichtet, wie es auf Nachfrage heißt. Dabei sieht sich mancher Mitarbeiter des Rathauses allerdings „etwas in der Zwickmühle“, sagt Henning Tatje vom Stadtmarketing. Ihm sei die Biene schließlich schon in seiner Funktion als Tourismusbeauftragter lieb und teuer, weshalb ihm am Wohl der Tiere gelegen sei. Wem es ähnlich geht, der müsse das Volksbegehren für eine gute Sache halten. „Hier Bienenstadt, dort ,Rettet die Bienen’, das würde ganz gut passen, sagt Tatje. Und fügt hinzu: „Artenschutz sollte uns alle angehen.“ Beim Volksbegehren halte sich die Stadt (auch die „Bienenstadt“) allerdings „etwas bedeckt“.

Illertissen wirbt mit Bienen

Derweil soll weiter mit den Tieren geworben werden: Tatje will die Bienen im Stadtbild noch stärker sichtbar machen, etwa durch Figuren. „Überall sollte man etwas zum Thema Biene haben“, sagt Tatje. Auch in den Geschäften der Innenstadt. Dass Touristen gezielt deswegen nach Illertissen reisen, glaubt Tatje allerdings nicht. Bisher jedenfalls nicht. Viele Besucher seien Geschäftsreisende. Das Image der Bienenstadt soll weiter verbreitet werden, sagt Tatje. Da heiße es im Stadtmarketing: Kreativ sein, ohne viel Geld. „Das größer aufzuziehen wäre zwar möglich, aber dafür fehlt das Budget.“ Ideen gebe es.

In der Vöhlinstadt wird viel für Bienen getan.
Bild: jens Carsten


Tatje denkt an ein Werbe-Video für Illertissen nach. Eine Firma habe bereits Vorarbeit geleistet – unwillkürlich. Ziel sei es gewesen, Auszubildende zu gewinnen. „Da könnte man ansetzen“, sagt Tatje. Und dann ist da noch der Pullover mit der Aufschrift „Bienenstadt Illertissen“, den Tatje vor einiger Zeit entworfen hat. Zu kaufen gibt’s den bislang nicht. Noch nicht.

Auch Klimaschutzmanager Simon Ziegler spricht in diesen Tagen viel über das Volksbegehren und die Unterschriftensammlung. „Das ist im Prinzip wie eine Wahl, das geht den Gang in den Behörden.“ Persönlich habe er natürlich eine Meinung dazu. Als Mitarbeiter der Stadt seien aber die eigenen Aktionen wichtiger – einiges werde für die Bienen getan: „Der Titel ,Bienenstadt’ ist mehr als ein Marketing-Gag“, sagt Ziegler. Ein Beispiel sei der Beitritt zur Initiative „Deutschland summt“, durch die blühende Lebensräume geschaffen wurden. Die Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs versuchten schon seit längerem, in Illertissen möglichst viele naturnahe Areale zu schaffen. Dort sprießen zum Beispiel Wildblumen, die Bienen und anderen Arten eine Lebensgrundlage bieten. Im vergangenen Jahr wurde 13 solcher Flächen bepflanzt, etwa auf den Verkehrsinseln in Jedesheim und eine große zwischen dem Auer Kreisverkehr und dem Bolzplatz (Lesen Sie dazu auch: Wildwuchs willkommen: Auf Illertisser Wiesen soll es sprießen ).

Beim Energiesparfestival spielt die Biene eine Rolle

Um die Biene wird es auch beim Energiesparfestival „Synergie“ am Samstag, 6. April, gehen. Zumindest am Rande: Mitglieder des Bund Naturschutzes zeigen bei einem Workshop, wie man Insektenhotels baut und Kreisimkerchef Walter Burger soll zum Thema „Prima Klima für Maja und Co.“ sprechen. Zieglers Fazit: „Man tut viel, aber eben überparteilich.“

Auch seine Kollegin Susanne Schewetzky vom Kulturreferat (zugleich Bürgermeisterin in Kettershausen im Unterallgäu) will keine Wahlwerbung für die Unterschriftenaktion und das Volksbegehren machen. Sie hält es allerdings grundsätzlich für wichtig, den Artenschutz politisch zu verankern. „Wir müssen aktiv etwas unternehmen, um ökologische Nischen nicht noch weiter zu beschneiden“, sagt Schewetzky. Weil das Bienensterben zuletzt in den Medien „omnipräsent“ gewesen sei, glaubt sie, dass viele Menschen dem Volksbegehren ihre Stimmen geben werden. Gerade in Illertissen, wo es eine lange Verbindung zur Biene gebe.

Zum Bepflanzen wurde auch eine holländische Firma engagiert.


Die Firma Mack hat einst mit rund 3000 Bienenvölkern das Rheumamittel Forapin produziert – und zwar in Handarbeit, wie Schewetzky weiß. Es ist eine Tradition, die offenbar verpflichtet: Als im Jahr 2013 ein Maskottchen für Illertissen gesucht wurde, sei der Biene der Vorzug vor den Störchen eingeräumt wurde. Eine Kunstauktion für den guten Zweck tat ihr Übriges: Sabine Hader vom Kunstzirkel hatte eine Bienen-Skulptur modelliert, die in verschiedenen Versionen zugunsten des Hospizes versteigert wurde. Tausende Euro kamen zusammen.

Kurz darauf, im Jahr 2016, gab es einen Doppelpack: Der Bienenwanderweg konnte offiziell beschritten werden – auf zwei Routen gibt es seither viel Wissenswertes zu erfahren. Zudem öffnete das Bayerische Bienenmuseum nach jahrelangem Umbau, es lockt seitdem zahlreiche Besucher an. Und auf der Jungviehweide gibt es sogar ein begehbares Bienenhaus: Dort können Kinder hautnah vieles über die Insekten erfahren. „Die Bienen sind in Illertissen allgegenwärtig, sagt Schewetzky. Auch ohne Volksbegehren. Wichtig sei jenes trotzdem. So könnten Bürger ihre Meinung äußern.

Warum die Illertisser besonders auf die Biene achten sollten: Einen Kommentar von Redakteur Jens Carsten lesen Sie hier: Bienenschutz ist in Illertissen eine Frage der Ehre

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren