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Illertissen

22.10.2019

Volkstrauertag: In Tiefenbach fällt das Gedenken heuer aus

Wie groß ist heutzutage das Interesse am Volkstrauertag?
Bild: R. Furthmair

Plus In Tiefenbach findet zum Volkstrauertag keine eigene Veranstaltung statt. Einige machen die Kirche dafür verantwortlich. Der Pfarrer sieht das anders.

In Tiefenbach fällt das Gedenken zum Volkstrauertag am 17. November in diesem Jahr knapp aus: Eine Veranstaltung wird es nicht geben – anders als in den anderen Illertisser Ortsteilen, wo Gottesdienste und Gedenkfeiern stattfinden. Zur Absage hätten sich die örtlichen Vereine entschlossen, sagt Gerhard Leopold, der Vorsitzende des Vereinsrings. Weil an jenem Sonntag in Tiefenbach keine Messe angeboten werde, sei mit wenigen Teilnehmern zu rechnen. „Da steht man dann mit einer handvoll Leuten da, so wollen wir nicht antreten.“

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Ohne Gottesdienst keine Gedenkfeier – so lautet die Schlussfolgerung in Tiefenbach. Schon im vergangenen Jahr hatte es zum Volkstrauertag in der örtlichen Kirche keinen Gottesdienst gegeben. Das liege „am Turnus“, weiß Leopold: Es gibt an Sonntagen einen wöchentlichen Wechsel zwischen Betlinshausen und Tiefenbach. Nun treffe es eben Tiefenbach am Volkstrauertag zum zweiten Mal in Folge. „Jubeln können wir darüber nicht“, fasst Leopold die Stimmung zusammen. Die Vereine wollten daher heuer keine eigene Gedenkveranstaltung organisieren.

Volkstrauertag in Tiefenbach: Gedenken an schlimme Kriegszeit

Mit dieser Entscheidung hadert so mancher Tiefenbacher: Einer davon ist Franz Ilg, für dessen Familie der Zweite Weltkrieg großes Unglück bedeutet hat – wie für so viele andere Menschen auch. Ilg erinnert sich daran, wie schlimm es war, im Jahr 1944 als kleiner Bub vom Tod des Bruders erfahren zu müssen. Die Nachricht wurde damals in einem Feldpostbrief mitgeteilt, den Ilg kürzlich entdeckt hat und seither aufbewahrt. Johann sei „bei schweren Kämpfen im Osten (...) bei einem Angriff auf eine wichtige Höhe gefallen“, vermerkte ein Leutnant namens Weber in dem Schreiben vom 22. Februar 1944. „Die Schwadron (...) verliert einen tapferen Soldaten und einen vorbildlichen und guten Kameraden“, heißt es weiter. Und: „Er war einer unserer besten MG-Schützen und bei allen Kameraden beliebt und geachtet.“

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Aus diesen Zeilen geht hervor, wie der Alltag in den Kriegsjahren aussehen konnte. „Das sollte nicht in Vergessenheit geraten“, glaubt Ilg. Die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag böten einen Anlass, sich daran zu erinnern. Allerdings lasse das Interesse daran nach.

Pfarrer hält Volkstrauertag für "unglaublich wichtig"

Das beobachtet auch Pfarrer Andreas Specker, der den Volkstrauertag für „unglaublich wichtig“ hält. Allerdings vor allem aus politischen Motiven: „Dass es heute noch Kriege und Terrorherrschaften auf der Welt gibt, darf uns keine Ruhe lassen.“ Wenn Politiker darauf allerdings jedes Jahr mit immer gleichlautenden Friedensmahnungen antworteten, sei es nicht verwunderlich, dass das Interesse nachlässt. „Das hat für viele Menschen einfach keine Relevanz.“ Geht es nach Specker, dann sollten sich alle Interessierten in Illertissen an einen Tisch setzen, um gemeinsam ein neues, tiefer gehendes und authentisches Konzept für den Volkstrauertag zu erarbeiten. Beispielsweise könne ein prominenter Redner engagiert oder die Situation der geflüchteten Menschen in Illertissen näher beleuchtet werden. Die Absage in Tiefenbach mit dem fehlenden Gottesdienst zu verknüpfen, leuchtet Specker nicht ein. Es sei fraglich, ob dann wesentlich mehr Menschen als die üblichen Kirchgänger gekommen wären. Dass in Tiefenbach an jenem Sonntag keine Messe stattfinde, sei Zufall.

Bürgermeister Jürgen Eisen hat die Tiefenbacher Vereine zur Gedenkfeier nach Illertissen eingeladen. Daran wollten sich diese nicht beteiligen, sagt Leopold. Illertissen habe ja selbst schon genug Chöre, Abordnungen und zudem noch die Stadtkapelle.

Seit 2017 gibt es ein neues Konzept für den Volkstrauertag in Illertissen:

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