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Unterallgäu

07.08.2018

Vom Kleinkrieg auf der Autobahn: Vorfall auf A96 landet vor Gericht

Manch ein Autofahrer rückt dem Vordermann auf die Pelle.
Foto: M. Führer, dpa (Symbolbild)

Ein Unterallgäuer fährt einem anderen Autofahrer auf der A96 dicht auf. Dieser erstattet keine Anzeige. Wieso der Fall trotzdem vor Gericht landet.

Es ist eine Situation, wie man sie so oder ähnlich oft auf deutschen Autobahnen sieht: Ein Porschefahrer fährt von Bad Wörishofen in Richtung Memmingen und überholt einen Lastwagen – mit 190 Stundenkilometern. Einem Unterallgäuer, der sich auf der linken Spur von hinten nähert, ist das noch nicht schnell genug. Er drängelt und fährt dem Porsche mit Schweizer Kennzeichen auf. So nah, dass der Porsche-Fahrer nicht einmal mehr den Kühlergrill im Rückspiegel sieht.

Was dann folgte, sei eine „Amokfahrt“ gewesen, wie es eine Zeugin vor dem Memminger Amtsgericht nennt. Als der Schweizer vor dem Lastwagen zurück auf die rechte Spur wechselt, zieht der Unterallgäuer vor ihm ebenfalls nach rechts. Der 51-Jährige bremst vor dem Porsche abrupt ab, von 190 auf 100 Stundenkilometer. Vor Gericht begründet der Angeklagte dieses Verhalten damit, dass er zu dem Zeitpunkt kurz vor der Ausfahrt Stetten war: „Da sind andere Fahrzeuge vor mir reingefahren und wollten die Ausfahrt nehmen, also musste ich bremsen.“ Die Zeugin sieht das anders: „Die anderen Fahrzeuge waren gar nicht so nah. Das war reine Provokation, dass er so in die Eisen gestiegen ist.“

Die 29-Jährige schildert außerdem, wie der Angeklagte rechts auf dem Standstreifen überholt und in Richtung des Porsche gestikuliert habe, Lichthupe gab und den Schweizer wiederholt ausbremste – obwohl die Fahrbahn frei war. „Ich kann ja verstehen, dass es einen ärgert, wenn ein anderer knapp hinter dem Lastwagen rauszieht, aber man hätte es gut sein lassen können.“ Schließlich sei der Porschefahrer ja auch mit einem gewissen Tempo unterwegs gewesen. „Die Notwendigkeit, dann so stark aufzufahren, war einfach nicht gegeben“, betont die Unterallgäuerin. „Auch ich musste wegen der Situation mehrfach bremsen, sodass einmal sogar das ABS ansprang.“ Sie war Zeugin des „Scharmützels“, bis sie die Ausfahrt Erkheim genommen hat, um nach Hause zu fahren. „Aber ich wusste ja nicht, wie lange das noch weitergeht.“ Sie brachte den Vorfall daher zur Anzeige.

Der Angeklagte zeigt sich vor Gericht zunächst eher uneinsichtig und sagt aus, dass der andere Fahrer ihm den Mittelfinger gezeigt und seine Fahrweise gefilmt habe. „Ja, vielleicht bin ich einmal ein bisschen zu dicht aufgefahren, kann sein.“ Die Richterin zeigt während der Verhandlung deutlich, wie gefährlich sie das Verhalten des Angeklagten einschätzt.

Der Polizist hingegen, der den Unterallgäuer vernommen hat, beschreibt das Gespräch als „sehr nett“. „Er hat dann am Ende der Vernehmung den netten Satz gesagt: ,Ich will doch nur meine bayerische Ruhe haben’.“ Die Richterin entgegnet: „Hört sich ja bisschen an wie beim Kaffeekränzchen.“

Dass es der Unterallgäuer und nicht der Porschefahrer war, der die „bayerische Ruhe“ gestört hat, ist spätestens nach der Aussage der Zeugin klar, die Anzeige erstattet hat. Und nachdem die Aussage des Porschefahrers vorgelesen wurde, der wegen einer Operation nicht zur Verhandlung gekommen ist, knickt auch der Angeklagte ein: „Es tut mir Leid, was ich gemacht hab’, ich hab’ Scheiße gebaut“, sagt der 51-Jährige und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Die Richterin verurteilt ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro. Außerdem darf er sieben Monate lang nicht selbst Auto fahren. „Ich sehe das so, dass Sie charakterlich erheblich ungeeignet sind, ein Kraftfahrzeug zu führen“, begründet sie ihre Entscheidung. Für den Beruf des Angeklagten hat das ernsthafte Konsequenzen.

Einer Freiheitsstrafe entgeht der Angeklagte nur, weil er keine Vorstrafen hat und Reue zeigt. „Ansonsten muss man aber auch sehen, dass die ganze Situation einfach saugefährlich war. Es handelt sich ja um einen Kleinkrieg auf der Autobahn“, betont Staatsanwalt Michael Winkler im Plädoyer. Es sei nur den guten Reaktionen der anderen Fahrer zu verdanken, dass nichts passiert ist, stimmt die Richterin zu.

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