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Illertissen

10.06.2013

Vom Spaß bis zum bitteren Ernst

Das Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks gastierte im Rahmen des Illermusik-Festivals in der Aula des Illertisser Kollegs der Schulbrüder.
Bild: Otto Mittelbach

Solist Carsten Duffin und das Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks umjubelt

„Das erste Illermusik-Festival umfasst die ganze Bandbreite des Musizierens und verbindet vier Gemeinden auch in der Kulturszene.“ Diese Gedanken stellte Bürgermeisterin Marita Kaiser dem Konzert in der Kollegs-Aula voran, zu dem sie zahlreiche erwartungsvoll gestimmte Zuhörer und die Elitemusiker aus München begrüßte.

Die 15 Streicher des BR-Kammerorchesters unter Leitung von Radoslaw Szulc und zwei Hornisten begannen mit dem sogenannten Dorfmusikantensextett, das Mozart selbst „Ein musikalischer Spaß“ genannt hatte. Er war ja oft zu Späßen aufgelegt, die sich verbal zuweilen sehr derb äußerten. Hier verulkte er die ungeschickten Bemühungen mancher Komponisten-Kollegen, denen es nicht gelang, ihre kurzatmigen Ideen sinnvoll weiterzuspinnen, die ihre Einfallslosigkeit zum Teil durch virtuoses Geklingel kaschierten und oft nur äußerst mühevoll von Tonart zu Tonart modulierten. Und Mozart lässt die beteiligten Hornisten – wohl vom Dorf – zuweilen nicht den richtigen Ton treffen.

Ob ihm die Komposition richtig Spaß bereitete? Es musste ihm wohl einige Mühe bedeutet haben, den angeborenen Sinn für das klassische Ebenmaß sozusagen „gegen den Strich“ bürsten zu müssen. Szulc und sein Ensemble servierten das Ganze mit kraftvollem Elan, auf äußerste Präzision bedacht, was die Parodie gewissermaßen über Gebühr herausputzte. Auf den Spuren von Ignaz Leitgeb, für den Mozart seine vier Hornkonzerte schrieb, bewegte sich danach der noch junge Solist Carsten Duffin. Wunderbar differenziert und abwechslungsreich seine Tongebung im Konzert KV 495, bewunderungswürdig das Ausformen der schwierigen Passagen in Kadenz, in Legato und Stakkato-Tonfolgen, samtweich die Durchgangstöne der Melodien in der Diskantlage. Und nach der Pause setzte er mit der begeisternden Wiedergabe des Konzerts KV 417 noch eins drauf. Zwei Konzerte hintereinander, das bedeutete schon physisch Außerordentliches. Hier verschmolz vor allem die Mollkantilene ideal mit den Streichern plus je zwei Oboen und Hörnern. Wiederum kontrastierte das breit ausgesungene, melodische Andante besonders wirkungsvoll mit dem heiteren Rondo. Der Solist führte es mit dem volkstümlichen Thema im Plapperton an und die mit Verve begleitenden Kollegen führten es zum umjubelten Schluss.

Ganz auf sich allein gestellt offenbarte das Kammerorchester dann, worauf seine Bedeutung beruht: Die Vielgestaltigkeit im Klang. Das erwies sich in der speziellen Bearbeitung der Quartetts „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert, einem Werk voller Todesstimmung, das sich durch seine innewohnende Dramatik zu sinfonischen Dimensionen ausweitet. Mit feinsinniger Orchestrierung erreichte Szulc eine riesige Ausdrucksskala. Wie Peitschenhiebe prasselten die Triolen hernieder, zeichneten die Schrecken des Todes. Dann wieder huschten geisterhaft schnelle Läufe vorüber, und zwischen allem entfalteten die im wahrsten Sinne des Wortes unerhörten Schönheiten des Variationssatzes ihren trostreichen Klangzauber. Vollkommene Übereinstimmung eines Streichquartetts ist eine Glanzleistung. Hier wurde sie von der etwa vierfachen Besetzung erbracht. Großartig. Zum Dank für den lang anhaltenden Beifall folgte noch die „Air“ von Bach.

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