Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Vom schwierigen Suchen und Finden: Die „Zellemer“ und ihre Geschichte

Illerzell

30.11.2018

Vom schwierigen Suchen und Finden: Die „Zellemer“ und ihre Geschichte

Ein Foto, das im Jahr 1908 entstand. Es zeigt Arbeiter bei Wasserbauarbeiten an der Iller. Vorne, in der Mitte des Boots, ist der Wirt des Gasthauses Zur Traube, Johann Hornstein, zu sehen.
2 Bilder
Ein Foto, das im Jahr 1908 entstand. Es zeigt Arbeiter bei Wasserbauarbeiten an der Iller. Vorne, in der Mitte des Boots, ist der Wirt des Gasthauses Zur Traube, Johann Hornstein, zu sehen.
Bild: Chronik Illerzell

Plus Kleiner Ortsteil, dicke Chronik: 384 Seiten umfasst das Werk über die Historie Illerzells. Bis gedruckt werden konnte, war jede Menge Teamarbeit nötig.

Was lange währt, wird endlich gut. Nichts könnte besser auf die neue Illerzeller Chronik passen als dieses Sprichwort. Die Monografie des Vöhringer Ortsteils brauchte eine längere Anlaufzeit, was nicht wundern muss. Sie umfasst 384 Seiten, 100 mehr als geplant. Damit ist die Chronik auch umfangreicher als die Geschichtsbücher über Vöhringen und Illerberg. Jetzt wurde das schwergewichtige Buch im Illerzeller Landgasthaus Zum Brückle der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Interesse der „Zellemer“ war immens. Mit 150 Besuchern war der kleine Saal prall gefüllt. Die Stapel der angebotenen Chroniken leerte sich schnell, einen stilvollen Rahmen schaffte die Trachtenkapelle Illerzell. Bürgermeister Karl Janson sprach davon, „wie wichtig Erinnerung und das Wissen über die eigene Herkunft ist. Die Gesellschaft kann ohne die Erinnerung an die Vergangenheit nicht in Frieden leben“. Die Politik dürfe diese für den gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtige Erinnerungskultur nicht allein dem Zufall des ehrenamtlichen Engagements überlassen. Ein Grund für die Stadt Vöhringen, die Chronik von Illerzell wie die von Vöhringen und Illerberg in Auftrag zu geben und dafür auch die Mittel bereitzustellen. Die Kosten waren im Haushalt mit 40000 Euro festgeschrieben.

Viele Helfer waren an der Illerzeller Chronik beteiligt

Janson würdigte die Arbeit der zahlreichen Helfer. Da ist etwa Theo Span, ein Urgestein aus Illerzell, der sich als Sammler und Jäger betätigte, um von Haus zu Haus zu gehen, um bei den Familien nach Beiträgen und Bildern zu suchen. Da sind auch Christoph Konrad vom Weißenhorner Anton H. Konrad Verlag, der nicht nur Herausgeber der Chronik ist, sondern sich auch als Autor betätigt hat, Ulrich Müller, der sich der Iller annahm, die Vöhringer Chronisten Jeannette und Peter Wischenbarth, Hellmuth Mößle, der als ehemaliger Leiter des Illertal-Gymnasiums über die Entstehungsgeschichte der Schule berichtete und die Historikerin Anke Sczesny. Vorlagen zur neuen Chronik lieferte auch Franz Helmschrott, dessen Geschichte über eine Gemeinde im Illertal 1975 erschienen war.

Es war nicht leicht, die Illerzeller Chronik zusammenzustellen. „Anhand der noch vorhandenen Archivalien, Urkunden, Gerichtsakten, Rechnungen, Heirats- und Sterbebücher werden schon längst nicht mehr überlieferte Abschnitte der Vergangenheit jetzt wieder lebendig“, sagte Janson. Die Monografie widmet sich vor allem dem Alltagsleben, da Illerzell nie mit herausragenden Ereignissen in die Geschichtsbücher eingegangen war. Es wird angenommen, dass Illerzell früher eine Wirtschaftsstelle war, die zum Kloster Reichenau gehörte.

Schreiben der Chronik war eine Herausforderung

Verleger Christoph Konrad erklärte, als er das erste Mal durch Illerzell gelaufen sei, wissend, dass er eine Chronik über den Ort herausgeben sollte, habe er das als Herausforderung empfunden. „Denn historische Strukturen waren verschwunden.“ Es habe erhebliche Veränderungen im Laufe der Zeit gegeben. Wo Ackerland und Landwirtschaft waren, sind Gewerbebetriebe entstanden. Froh sei er über die Hilfe von Theo Span gewesen, der bereits Chroniken über die Ulrichskirche wie über die Feuerwehr verfasst hatte. Dass möglicherweise Bischof Ulrich auf seinem Weg nach Illertissen Station in Illerzell gemacht habe, sei zwar ein reizvoller Gedanke. Aber die Geschichte sei nicht zu belegen, meinte Konrad mit einem Anflug von Humor.

Wie der Name Illerzell schon sagt, ist der Ort eng mit der Iller verbunden. Eine Geschichte, die geprägt ist von Liebe und Furcht. Denn der Gebirgsfluss kann sich sowohl idyllisch geben, als auch zur Furie werden, wenn er Hochwasser führt. So kam es zur Illerkorrektur, die heute mit viel Mühe und Geld zurückgebaut wird. Der Iller wieder mehr Raum geben, heißt die Devise der Aktion „Agile Iller“.

Verkauf: Die Chonik „Illerzell Stadt Vöhringen“ gibt es im örtlichen Buchhandel, im Rathaus Vöhringen, beim Konrad-Verlag in Weißenhorn und im Gasthaus Zum Brückle. Sie umfasst etwa 20 Themenbereiche, wie Haus- und Familiengeschichten oder Wasser und Mühlräder.

Ein Blick in die Geschichte von Vöhringen und Illerzell gewähren wir Ihnen zudem in unseren Berichten: Vom großen Dorf zur kleinen Stadt und Als der Lehrer auch noch Mesner war
und Auf Spurensuche in Illerzell .

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren