1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Von Legenden, Grafen und Räubern: Buch erzählt Gasthofgeschichte(n)

Illertissen/Obenhausen

25.01.2017

Von Legenden, Grafen und Räubern: Buch erzählt Gasthofgeschichte(n)

Copy%20of%20DSC_8641.tif
3 Bilder
Die Wirtsleute Silvia und Djuro Didovic hängen am Gasthaus „Zur blauen Traube“ und haben in das historische Haus mit traditionellem Biergarten unter Kastanien mehrfach investiert. Auf dem Bild der Gastwirt und Koch mit seiner Frau in der Stube.
Bild: Regina Langhans

Im neuen Band „50 historische Wirtshäuser in Bayerisch-Schwaben“ sind die Gaststätten Krone, Zur blauen Traube und Alte Roggenschenke vertreten.

Mit drei Traditionsgaststätten ist der Landkreis in der Neuerscheinung „50 historische Wirtshäuser in Bayerisch-Schwaben“, Teil einer Serie über besondere Lokale in den einzelnen Regionen Bayerns, vertreten. Beschrieben werden der Gasthof „Krone“ in Illertissen, das Gasthaus „Zur blauen Traube“ in Buch-Obenhausen sowie die „Alte Rogenschenke“ in Roggenburg.

Im Vorwort des Bandes schreibt Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, die Geschichte der Wirtshäuser in Schwaben bilde im Kleinen die Geschichte Schwabens ab. Die ältesten Belege stammen aus dem 11. Jahrhundert. Ab dem 14. Jahrhundert regelten Ordnungen den Ausschank von Getränken, das Angebot von Brot und Fleisch und die Beherbergung von Gästen. Die Buchserie will die Bedeutung des Wirtshauses als gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt herausstellen.

Dazu passt, welche Rolle einst der aus dem 17. Jahrhundert stammende Gasthof Krone im Markt Illertissen gespielt hat. Wirt und Küchenchef Jürgen Willer, der vor 30 Jahren aus der Bierwirtschaft mit Unterstützung von Schwester Kerstin und Lebensgefährtin Sigrid Jobst ein Speiselokal für gehobene regionale Küche gemacht hat, erzählt: „Es gab eine Zunftstube, denn die Krone war Herberge der Klopferzunft.“ Dazu zählten Berufe wie Schmied, Schlosser, Wagner, Dreher, Schreiner oder Maurer.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Später war der Gasthof Treffpunkt für die Vereine. Bis heute überdauert hat der Bauernstammtisch in der Vöhlinstube nach der Sonntagsmesse, ebenso wie die montägliche Runde zum Karteln. Wirt Willer kann mit Legenden zum historischen Flair beitragen, etwa vom damals angestellten Knecht: „Er war heimlich auf Raubzügen unterwegs und setzte seine Opfer gefesselt auf Ameisenhaufen, wo sie jämmerlich zugrunde gingen.“

Anders die Vorgeschichte beim Gasthaus Zur blauen Traube in Obenhausen: Diese hängt – soweit bekannt – mit den im Ort niedergelassenen Moy de Sons aus französischem Uradel zusammen. Im Jahr 1873 wurden Carl Graf Moy de Sons mit Obenhausen mit der Verwaltung beauftragt, darauf zog er ins Schloss ein. Zu seinem Besitz zählte auch das benachbarte Gasthaus Zur blauen Traube. Ihr Bier bezog die Wirtschaft noch bis vor einigen Jahren aus dem „Gräflich von Moy’schen Hofbrauhaus“ in Freising. In den Jahren 1905/06 wurde das Gebäude umgestaltet.

Als 1991 Silvia und Djuro Didovic das denkmalgeschützte Wirtshaus übernahmen, gab es eine große Gaststube und ein kleines Nebenzimmer. Ihr Speiselokal mit bayerischer und kroatischer Küche sei gut angekommen, erzählt Djuro Didovic. Deshalb vergrößerten sie den Nebenraum, richteten ein weiteres Nebenzimmer ein. Ein Flur mit vielen Abzweigungen und ausladender Holztreppe zum ehemaligen Saal sowie massive Deckenbalken lassen ahnen, dass sich im Gasthaus schon manche Geschichte abgespielt hat.

Die alte Roggenschenke wiederum, 1670 als Gästehaus fürs Kloster errichtet, ist selbst Teil lokaler Geschichtsschreibung geworden. Im Jahr 1769 hatte es Räuber Matthias Klostermayr, der „bayerische Hiasl“, heimgesucht, zwei Jahre später wurde er hingerichtet. Nach der Säkularisation wechselten die Besitzer, das Haus hieß für 100 Jahre „Gräflich Mirbach-Geldern-Egmont´sche Gast- und Tavernwirthschaft zur Krone“. Als 1997 die Schließung bevorstand, kauften es die Wirtsleute Inge und Hans Blum. Schon Großvater Blum sei Stammgast gewesen, erzählen sie. Der Ur-Urgroßvater wurde sogar als „Bot von Ingstetta“ am Westgiebel des Hauses im Bild verewigt. Er war als Händler mit Pferdefuhrwerk zwischen Ulm und den Dörfern unterwegs. Das Haus hat aber nicht nur für die Blums eine besondere Bedeutung, sondern auch für Roggenburg. Deshalb kauften die Wirtsleute das Gebäude, „damit das Dorf seinen Mittelpunkt nicht verliert“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren