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Kabarett

22.03.2016

Von der U-Musik bis zum hohen C

Die „Champagner-Diven“ in der Illertisser Schranne von links mit Michaela Schlotter am Flügel, Elke Kottmair sowie Gigi Pfundmair beim Füllen der Gläser. Hinreißend war nicht nur ihre Aufmachung, sondern auch ihr Gesang.
Bild: R. Langhans

Als Champagner-Diven sind Elke Kottmair, Gigi Pfiundmair und Michaela Schlotter in allen Sparten zu Hause

Eine Sopranistin der Staatsoperette Dresden wie Elke Kottmair, die studierte Sängerin und Wirtin Gigi Pfundmair sowie Michaela Schlotter als singende Liedbegleiterin am Flügel auf einer Bühne, das könnte unterhaltsam sein. Und so war es auch tatsächlich beim „Diven-Abend“ in Illertissen in der Historischen Schranne.

Zu hören und erleben gab es mal Kabarett mit Unterhaltungsmusik, mal Operettengesang bis zum dreigestrichenen, sogenannten hohen C über dem Kammerton. Und stets drehte sich alles um den Mann.

Schon vorab wurden zusätzliche Stühle aufgestellt und das Publikum hatte nichts zu bereuen: Die Männerwelt war von den Diven hingerissen und die Damen applaudierten ihrer vielseitigen Kunst.

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Die Bühnendekoration schien verräterisch, mit rotem Fummel am Garderobenständer, Champagnergläsern auf der Spitzendecke am Flügel oder später einer weißblau verzierten Riesen-Breze im Hintergrund.

Wer nun einschlägiges Kabarett erwartete, hatte zu kurz gedacht. Der Abend bot vor allem wunderschönen Gesang jeglicher Couleur: Elke Kottmair, gebürtige Augsburgerin mit wandlungsfähiger nuancenreicher Stimme, die Münchnerin Gigi Pfundmair mit der Gabe zu herb-ironischen Untertönen sowie Michaela Schlotter aus Würzburg, die kommentierend dazwischenfunkte, wenn sie nicht vehement in die Tasten griff.

So boten sie im Trio die Barcarole von Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, indem die Pianistin mit einem gesungenen „Pling, pling“ die dahinschmelzenden Stimmen ihrer Kolleginnen begleitete. Sodann ließen die zwei Sopranistinnen in einem Operetten-Medley Melodien von Paganini bis Lehar anklingen, und das „Wanderlied der Hausfrau“ (Edith Schollwer) entpuppte sich als vollendet vorgetragene Parodie auf das besagte weibliche Tun. Kottmairs in akrobatischem Sprechtempo gehaltener Vortrag von „Der Künstlerball bei Kroll“ (Eduard Künnecke) schien nicht ihr, sondern dem Publikum beinahe den Atem zu rauben. Mit tiefer Stimme beschwor Kottmair die Vorzüge eines „Neandertalers“ (Günter Neumann), um mit einem schmachtenden Seufzer quer durch alle Tonlagen zu enden. Im Gegenzug schwärmte Gigi Pfundmair in gehobener Stimmlage: „Der Peps schwirrt schon lang in meinem Kopf herum“. Und die Sängerinnen belassen es nicht bei Titeln mit Männernamen sondern zitieren Herren aus dem Publikum auf die Bühne.

Deretwegen priesen sie die Vorzüge der eigenen Artgenossinnen an und wiederholten stereotyp: „Im Sitzen, Liegen oder Stehen, sie (die Frauen) sehen immer gut aus“. Oder gestanden selbst humorvoll ein: „Abends die Diva, tagsüber die Kinder und der Mann kommt ganz am Schluss“. An die Opernsängerin wurde tatsächlich einmal die Frage gerichtet: „Und was machen Sie untertags?“ Die Pianistin bekam zu hören: „Und was tun sie beruflich?“

Vom ganzen Stress, den Frauen hätten, dürfe man niemals etwas spüren, zitierten die Diven aus einer Zeitschrift für Frauen. Augenzwinkernd erzählten sie davon auf der Bühne, gerade im Wissen um die Realität, woraus sie ihr Programm stricken. Noch wichtiger ist ihnen aber ihre Kunst, die spritzig witzig den ganzen Abend über aufblitzte. Sie sagen: „Wenn wir damit Lust gemacht haben auf mehr, etwa den Besuch in der Oper, ist unser Ziel erreicht.“ Die Häuser seien teils vom Aussterben bedroht.

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