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Warnung

05.01.2019

Vorsicht, fliegende Eisplatten

Eine Eisplatte hat die Scheibe dieses Autos zerstört, die Beifahrerin wurde durch Splitter verletzt.
Bild: Polizeipräsidium

Die Polizei weist darauf hin, dass Fahrer ihre Autos von Schnee befreien müssen. Tun sie das nicht, kann es gefährlich werden. Das zeigt ein Vorfall auf der A7

Zwei junge Frauen fahren abends auf der A7, als wie aus dem Nichts eine Eisplatte auf die Windschutzscheibe ihres Autos kracht. Das Geschoss hat sich vom Dach des vorausfahrenden Kleintransporters gelöst und durch die Fahrgeschwindigkeit derart viel Schwung aufgenommen, dass es mit voller Wucht gegen die Scheibe geschleudert wird. Auf der Beifahrerseite ist das Glas völlig zerstört.

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Dank des Sicherheitsglases bricht die Scheibe zwar nicht ein, doch im Inneren lösen sich kleine Splitter. Die junge Frau auf dem Beifahrersitz wird durch das Glas am Auge verletzt und muss in eine Klinik gebracht werden. Obwohl der Fahrer des Kleintransporters der Autofahrerin signalisiert, bei nächster Gelegenheit anzuhalten, gibt er Gas und fährt davon. Wenngleich die Frauen keine Fahrerbeschreibung abgeben können, ermittelt die Polizei einen 61-jährigen Mann, der angezeigt wird. Dieser Fall passierte Ende 2017 auf der A7 zwischen Vöhringen und dem Hittistetter Dreieck. Die Polizei nimmt ihn als Beispiel, um über die Gefahr von Eis und Schnee auf Autodächern aufzuklären. „Dieses Jahr hat es ja noch nicht viel geschneit, deswegen wollen wir die Leute im Voraus sensibilisieren“, sagt Jürgen Krautwald, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Viele Auto- oder Lastwagenfahrer unterschätzen demnach die Gefahr, die von Eis- und Schneeplatten ausgehen kann. Im vergangenen Winter hat es im Gebiet des Präsidiums 77 derartige Verkehrsunfälle mit vier Verletzten und einem Sachschaden in Höhe von 83000 Euro gegeben. In 22 Fällen wurde wegen Unfallflucht ermittelt, zehn davon konnten geklärt werden.

Kraftfahrzeugfahrer kennen das Problem in der kalten Jahreszeit: Fahrzeuge von Schnee und Eis befreien, bevor die Fahrt losgehen kann. Doch auch Autofahrer sind in der Pflicht, ihr Auto freizumachen, sagt Krautwald. Dort bilden sich zwar seltener Eisplatten, doch wenn nasser Schnee über Nacht gefriert, kann auch dieser zu einem gefährlichen Geschoss werden. Die meisten Unfälle passieren auf Autobahnen und Bundesstraßen, doch auch Fußgänger und Radler werden teilweise von wegfliegenden Eisteilen getroffen. „Das Auto muss komplett frei sein“, betont Krautwald. Wer sich nicht daran hält, muss mit empfindlichen Bußgeldern und einem Punkt im Verkehrszentralregister rechnen. Probleme können Autofahrer schon bekommen, wenn sie mit einer dicken Schneeschicht auf dem Dach fahren. Das werde jedoch je nach Fall beurteilt. „Wenn da ein bisschen Pulverschnee auf dem Auto liegt und runter rieselt, wird keiner angehalten“, beruhigt Krautwald.

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Am besten sei es, genug Abstand zu halten – auch versicherungstechnisch. Denn wenn eine Eis- und Schneeladung das nachfahrende Auto trifft, hat der Fahrer mit anderen Problemen zu kämpfen, als sich ein Nummernschild einzuprägen, sagt Karl Aumiller, Sprecher des Bezirksverbandes Augsburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Es gebe oft keine Zeugen, deswegen könne in der Regel nur die eigene Versicherung helfen. Das wirke sich jedoch bei Blechschäden auf den eigenen Beitrag aus, sagt Aumiller.

Der Polizei bereitet nicht nur der Schnee auf den Dächern Sorgen. Es komme immer noch häufig vor, dass Autofahrer sich nur kleine „Gucklöcher“ in der Windschutzscheibe freikratzen und dann losfahren, sagt Krautwald. „Das ist brandgefährlich und kann zu schweren Unfällen führen“, sagt der Polizeisprecher. Zudem könnten auf den Fahrer finanzielle Folgen zukommen: Wenn die Polizei nach einem Unfall in ihrem Bericht schreibt, das Auto sei nicht verkehrssicher gewesen, könne es sein, dass die Versicherung nicht zahlt, so Krautwald. Fahrer können zudem ein Verwarnungsgeld kassieren, wenn sie den Motor laufen lassen, während sie die Scheiben freikratzen. Die Polizei rät zu einfachen Mitteln, um dies zu vermeiden: genug Zeit zum Kratzen und Schneeschaufeln einplanen, Folien als Gefrierschutz für die Scheibe verwenden oder auf Hilfsmittel wie Eis-Sprays zurückgreifen.

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