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Unterallgäu

25.03.2020

Wahlkampf im Unterallgäu findet nur noch online statt

Am Sonntag entscheidet sich, wer hier als neuer Landrat einzieht.

Alex Eder und Rainer Schaal müssen in die Stichwahl für das Amt des Landrats. Statt auf der Straße werben sie nun im Netz um die Gunst der Wähler.

Ein bisschen skurril, fast schon gruselig sei die Zeit vor der Stichwahl, sagt Alex Eder. Der Kandidat der Freien Wähler hat am Sonntag gute Chancen, neuer Landrat im Unterallgäu zu werden. Nur 14 Stimmen fehlten ihm im ersten Durchgang mit vier Kandidaten für die absolute Mehrheit. Sein Konkurrent Rainer Schaal von der CSU kam auf 25,6 Prozent. Doch statt Wahlveranstaltungen mit zahlreichen Zuschauern, dem Verteilen von Flyern und Händeschütteln bestimmen nun Homeoffice und Gartenarbeit Eders Alltag. Der Wahlkampf-Endspurt ist wie so vieles wegen des Coronavirus ausgefallen. „Mein Terminplan war voll. Das haben wir nun alles abgesagt.“

Eder ist auf Facebook für die Bürger erreichbar

Den persönlichen Kontakt ersetzen zumindest in Teilen die sozialen Medien. „Das verlagert sich auf eine ansteckungsfreie Möglichkeit“, sagt Eder. Etwa drei bis vier Nachrichten von Bürgern bekomme er täglich auf Facebook. Seit der Wahl am 15. März hat er zehn Beiträge auf Facebook verfasst und sechs Bilder auf Instagram hochgeladen. Eder bedankt sich darin für das tolle Wahlergebnis und wirft einen Blick zurück auf die vergangenen Wochen und Monate. In den Wochen vor Corona habe er auf den sozialen Netzwerken eine Art Wahlkampf-Tagebuch geführt, sagt Eder. „Ich kann jetzt inhaltsmäßig weniger bringen, weil ich weniger unterwegs bin. Es kommt mir vor, als wäre ich zum Nichtstun verdammt.“ Eders bisher letzter Post zeigt stattdessen seine Aktivitäten während des Wochenendes daheim: Er pflanzte Bäume um, baute einen Turm aus Legosteinen und zimmerte am heimischen Hühnerstall weiter.

Schaal verspricht im Netz: Er würde jetzt nicht Urlaub machen

Mit fünf Facebook-Posts und einem Bild auf Instagram ist Rainer Schaal seit dem Wahlsonntag deutlich weniger im Internet aktiv. „Natürlich könnte man da jetzt gewaltig Werbung für politische Themen machen. Ich weiß aber nicht, ob das richtig wäre“, sagt er. Er habe sich deshalb entschieden, im Internet präsent zu sein – aber nicht mit Politischem. Auf die Wahl geht er dann auch nur in einem Beitrag konkret ein: In dieser Krise brauche der Landkreis Führungserfahrung und Sachverstand, steht in einem von Schaal geposteten Bild auf Instagram und Facebook. Weiter heißt es da: „Ich verspreche Ihnen, in Urlaub würde ich in so einer Situation nicht gehen.“ Eine Anspielung auf den amtierenden Landrat Hans-Joachim Weirather, der vergangene Woche zwar offiziell im Urlaub, laut eigener Aussage aber weiter „in alle Entscheidungen massiv eingebunden“ war.

Wahlkampf im Unterallgäu findet nur noch online statt

Ein Seitenhieb auf einen Politiker sei dieser Post nicht, so Schaal. „Aber ich kann sagen: Für keinen Amtsträger wäre Verständnis da, wenn er in so einer Zeit im Urlaub ist.“ Den Wahlabend selbst wird Schaal daheim vor dem Computer verbringen. „Etwas anderes ist durch die Allgemeinverfügung auch nicht möglich – und ich hätte auch kein Verständnis für eine Wahlparty oder Ähnliches“, sagt er.

Doch kein verfrühtes Dankeschön

Laut Alex Eder ist es zwar schön, nach der intensiven Wahlkampfzeit nun daheim bei der Familie zu sein. Allerdings: „Mir fehlt die Rückmeldung aus den Gesprächen mit den Leuten nach den Veranstaltungen.“ Und noch etwas ärgert ihn: Nach dem „fantastischen Ergebnis“ am 15. März klebten seine Wahlhelfer und er „Dankeschön“-Sticker auf seine Wahlplakate. Eigentlich sei geplant gewesen, diese nun mit einem Aufruf zur Stichwahl zu ergänzen. Das sei nun aber nicht mehr möglich. „Jetzt sieht es so aus, als würde ich mich direkt für ein Ergebnis bedanken, dass es noch gar nicht gibt“, sagt Eder.

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