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Weißenhorn/Leipheim

12.05.2020

Waldschädling: Der Borkenkäfer wird in Quarantäne geschickt

Überwinterte Borkenkäfer im befallenen Holz aus dem vergangenen Jahr: Dieser Jungkäfer ist fast fertig zum Ausflug.

Plus Sturm Sabine hat in den Wäldern der Region eine Menge Schadholz produziert. Dadurch steigt die Gefahr eines Schädlingsbefalls. Der Forstbetrieb Weißenhorn hat deshalb ein besonderes Lager in Leipheim eingerichtet.

Der Sturm Sabine führte in der Region zu großen Mengen an Schadholz. Am Forstbetrieb Weißenhorn sind diese weitestgehend aufgearbeitet. Um der Ausbreitung des Borkenkäfers entgegenzuwirken, wird ein Teil des Schadholzes in einem Nasslager im Donauwald bei Leipheim zwischengelagert. Dort versuchen die Experten, den gefräßigen Schädling im Zaum zu halten.

Stürme, Schnee, die letztjährige Trockenheit und die Borkenkäfer haben in jüngerer Vergangenheit in Bayern, Deutschland und ganz Europa mehrere Millionen Kubikmetern Schadholz verursacht. Die Aufarbeitung stellt die Waldbesitzer und auch die Sägewerke vor große Herausforderungen, berichtet der Forstbetrieb Weißenhorn in einer Pressemitteilung.

Sturm "Sabine" hat große Schäden angerichtet

Dem Forstbetrieb haben der Sturm Sabine und die folgenden Frühjahrsstürme insgesamt rund 40.000 Kubikmeter Schadholz gebracht – überwiegend Fichte. Genau dieses Fichten-Schadholz bietet Brutmaterial für den Borkenkäfer und damit die Basis für seine exponentielle Vermehrung des Schädlings.

Revierleiterin Johanna Gierth, Forstwirte Helmut Drexel und Wolfgang Neugebauer hoffen, mit dem Nasslager in Leipheim den Borkenkäfer in den Griff zu bekommen.

„Nach dem Sturm ist vor dem Käfer“, betont Christoph Kohler, stellvertretender Betriebsleiter am Forstbetrieb Weißenhorn. „Saubere Waldwirtschaft ist hier der einzige Weg, den Käfer soweit wie möglich in den Griff zu bekommen.“

Saubere Waldwirtschaft: Das bedeutet, dass alles potenziell als Brutmaterial geeignete Fichtenholz aus dem Wald gebracht werden muss, bevor der Käfer sich entwickeln und zum Befall weiterer, noch gesunder Bäume ausfliegen kann. Denn die durch Trockenheit oder Sturm geschwächten Bäume sind nicht mehr in der Lage, einen Borkenkäferbefall durch Harzbildung abzuwehren, erklären die Forstexperten. Außerdem bieten im Wald liegende Wipfel oder Stämme optimale Bruträume für den Käfer. Ein Buchdruckerweibchen – eine Borkenkäferart – legt pro Eiablage bis zu 60 Eier, deren Entwicklung zum fertigen Käfer knapp sechs Wochen dauert. So könnten aus einem Borkenkäferweibchen im Laufe eines Jahres bis zu 100.000 Nachkommen entstehen.

Braunes Bohrmehl weist auf den Borkenkäfer hin

Bereits jetzt, Anfang Mai, ist das braune Bohrmehl ein Zeichen dafür, dass sich Altkäfer an einigen Hölzern eingebohrt haben, um Eier abzulegen. Zum Schutz des Waldes ist daher eine schnelle und vollständige Aufarbeitung und Abfuhr des Holzes aus dem Wald erforderlich. In den fichtendominierten Wäldern des Forstbetriebes, wie dem Roggenburger Forst, hat der Kampf gegen den Borkenkäfer und damit der Erhalt des gewohnten Waldbildes, eine besondere Bedeutung.

Große Schadholzmengen bringen die Sägewerke oft an ihre Aufnahmegrenzen. In der Folge können die Hölzer nicht immer schnell genug aus dem Wald gefahren werden, um ein Ausfliegen der Käfer zu verhindern. Um dem Käfer in solchen Krisenzeiten dennoch möglichst wirksam und ohne Einsatz von Insektiziden entgegentreten zu können, hat der Forstbetrieb in der vergangenen Woche das Nasslager bei Leipheim (Kreis Günzburg) in Betrieb genommen.

Die zuständige Revierleiterin Johanna Gierth erklärt: „Hier können insgesamt bis zu 70.000 Kubikmeter Stammholz eingelagert werden. Diese werden in Reihen gestapelt und anschließend mit Wasser beregnet. Das Verfahren ermöglicht eine Zwischenlagerung des Holzes, bei der unter Erhalt der Holzqualität ein Ausfliegen des Borkenkäfers verhindert werden kann.“ Das Prinzip der Nasslagerung beruht auf dem Ausschluss von Sauerstoff durch die Bewässerung des Holzes. Holzzerstörende Pilze und Insekten finden hier keinen Lebensraum.

Das Holz steht später regionalen Sägern zur Verfügung

In Leipheim wird überwiegend das Holz aus dem Forstbetrieb Weißenhorn eingelagert. Kurze Transportwege ermöglichen einen schnellen Abtransport des Holzes aus dem Wald. Das Holz bleibt zudem in der Region und steht später den regionalen Sägern zur Verfügung. Das Nasslager bei Leipheim ist Teil des bayernweiten Netzes von Nasslagern mit einer Gesamtkapazität von über 1,4 Millionen Kubikmeter Holz. Ziel der Bayerischen Staatsforsten sei eine Kapazität von rund zwei Millionen Kubikmeter Lagerkapazität im Jahr 2020 zu schaffen. Dieses Netz diene der Risikovorsorge, um im Schadensfall Holz für einen bestimmten Zeitraum lagern zu können und damit den Holzmarkt zu entlasten. (az)

Weitere Informationen zum Thema Schadholzgeschehen und Nasslager gibt es unter diesem Link.

Wie der Sturm "Sabine" in der Region gewütet hat, können Sie hier nachlesen:

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