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Babenhausen

14.10.2020

Wandertipp: Von Babenhausen aus der Sonne entgegen pilgern

Die aufgehende Sonne rückt das Sonnenblumenfeld in ein besonderes Licht.
Bild: Claudia Bader

Plus Rund 50 Pilger machen sich im Rahmen des Unterallgäuer Wanderherbstes auf den Weg von Babenhausen nach Boos. Und erleben dabei besondere Momente.

Das Thermometer zeigt zwei Grad an. Herbstliche Nebelschwaden liegen über dem Günztal. Am frühen Sonntagmorgen wirkt der Waldweg entlang des Fuggerweihers wie ausgestorben. Aus Richtung Babenhausen nähert sich eine Menschenschlange. Im Gänsemarsch zieht die Gruppe auf dem nassen, von Laub bedeckten Pfad die Steigung hinauf zum „Kreuzlesberg“. Er ist das erste Ziel dieser Pilgerwanderung. Die im Rahmen des Unterallgäuer Wanderherbstes organisierte Veranstaltung führte heuer auf dem Jakobsweg von Babenhausen nach Boos. Der Weg ist gespickt mit besonderen Momenten.

Bei Temperaturen nahe des Gefrierpunkts sind die Jakobspilger an der Babenhauser Pfarrkirche St. Andreas gestartet.
Bild: Claudia Bader

Rund 50 Teilnehmer aus dem gesamten Unterallgäu, aber auch aus dem Raum Augsburg sowie aus Balzhausen, Bellenberg, Altenstadt und Osterberg haben sich um 7 Uhr in der Babenhauser Pfarrkirche St. Andreas versammelt. Unter Leitung von Pilgerführer Michael Keppeler und Michael Stoiber vom Landkreis Unterallgäu geht es zunächst Richtung Fuggerweiher, vorbei am Jugendzeltplatz zum Trimm-dich-Pfad. Dieser verläuft erst einmal entlang des von Röhricht gesäumten Ufers. Das nasse Laub auf dem Weg ist teilweise rutschig.

Die Jakobspilger müssen deshalb sehr vorsichtig sein und schauen genau, wohin sie ihre Füße setzen. Der Blick auf den Waldboden ist aber auch lohnend. Denn das in vielfältigen Braun- und Gelbtönen gefärbte Laub bildet einen faszinierend bunten Teppich. Über Kurven und Biegungen geht es dann teilweise steil bergauf Richtung Süden. Am „Kreuzlesberg“ halten die Frauen und Männer, die das geschmückte Pilgerkreuz an der Spitze des Zugs abwechselnd tragen, einige Minuten inne.

Eine Kastanie für die schönen Momente

Für eine „Wahrnehmungsübung“ erhält jeder eine Kastanie. Sie soll in eine Hosentasche gesteckt werden und in besonders beeindruckenden Momenten in die andere wechseln. Erste Gelegenheit dafür haben die Wallfahrer schon kurze Zeit später: Als sie auf dem wieder bergabwärts führenden Pfad an den Waldrand gelangen und die Strahlen der aufgehenden Sonne die gelben Blüten auf einem Sonnenblumenfeld in ein besonderes Licht tauchen, ist das ein fesselnder Anblick.

Das Pilgerkreuz wurde mit Blumen geschmückt.
Bild: Claudia Bader

Ein geteerter Weg führt weiter nach Winterrieden und zur Pfarrkirche St. Martin. Während die Wallfahrer im Gotteshaus gemeinsam einen Kanon erklingen lassen, scheint die Sonne hell durch die Fenster. Wieder ein Moment, in dem viele zu ihren Kastanien greifen, um sie kurz zu drücken und in die andere Hosentasche zu stecken. Nach einer kleinen Kirchenführung zieht die Gruppe auf der Reichauer Straße Richtung Süden. Rund einen Kilometer hinter dem Ortsausgang biegen die Wallfahrer nach rechts auf einen gekiesten Feldweg ein, der sich leicht ansteigend zum Wald schlängelt. Inzwischen lässt die Sonne ihre Strahlen durch das noch grüne Laub blitzen.

Als die Jakobspilger im Wechsel einen Rosenkranz beten, wirken ihre gleichmäßigen Schritte auf dem Waldweg wie der Rhythmus der Fürbitten. Während des Überquerens einer von hügeligen Wiesen gesäumten Lichtung genießen die Pilger die wohlige Wärme des Sonnenlichts, wobei viele ihre Kastanien erneut in die andere Tasche stecken. Beim Blick nach Osten kann man in der Talsohle einige Häuser des Dorfes Unterreichau erkennen. Wenige Meter vom Waldrand entfernt verrät ein Wegweiser, dass man noch 40 Minuten laufen muss, um nach Boos zu gelangen. Und schon ist die Gruppe wieder auf Waldwegen unterwegs. Neben dem würzigen Duft des bereits gefallenen Laubs glauben viele, auch das Aroma von Pilzen zu riechen und greifen wieder zur Kastanie in der Hosentasche.

Pünktlich zum Elf-Uhr-Läuten erreichen die Pilger ihr Ziel

An einer Kurve führt der Weg Richtung Westen zum Waldrand und von dort wieder nach Süden, vorbei an einer Wassertretanlage. Über die Straße Am Mühlberg geht es zur Ortsmitte von Boos. Pünktlich zum Elf-Uhr-Läuten erreichen die Jakobspilger das Ziel ihrer Wanderung, die Pfarrkirche St. Martin.

„Das war ein wunderschönes Erlebnis“, schwärmen zwei junge Frauen aus Osterberg. Schon lange hätten sie geplant, einmal ein Stück des Jakobswegs zu gehen. Diese erste Etappe werde sicher nicht die letzte sein, haben sie sich jetzt vorgenommen. Wenn ein Pilgerweg schon im Ort beginnt, muss man einfach dabei sein“, sagt ein 66-jähriger aus Babenhausen.

Die Ankündigung der Wanderung in der Tageszeitung habe sie ganz spontan auf die Idee gebracht, mitzulaufen, verraten zwei Freunde aus Westernach: „Diese ganz besondere Erfahrung hat uns angeregt, wieder einmal zu pilgern.“ Im Jahr 1999 habe sie sich vom „Virus Pilgern“ infizieren lassen und auch ihre Freundin damit angesteckt, verrät eine Frau aus Ottobeuren. „Jetzt sind wir oft mit dabei – selbst, wenn es in Strömen regnet“, sagt sie. Eine 67-jährige Rentnerin aus Balzhausen sieht das meditative Wandern in „Gottes wunderbarer Natur“ als „Balsam für die Seele.“

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