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27.10.2008

Warum der Roller eine Renaissance erlebt

Illertissen/Vöhringen (wk) - Helm auf und ab durch die Mitte: Wer heute schnell und noch dazu preiswert durch den Straßenverkehr wuseln will, kommt an ihnen kaum vorbei: Kein Zweifel, Roller fahren liegt im Trend - zumindest sieht es die Branche so. Und einige hiesige Händler bestätigen unserer Zeitung, dass die Nachfrage durchaus zugenommen hat.

Es gab Zeiten, da war die Fortbewegung auf motorisierten Zweirädern das normalste der Welt. In den 50er Jahren waren viele auf Motorrädern und Roller unterwegs, denn damals waren Autos für die große Mehrheit der Bevölkerung noch unerschwinglich. Mittlerweile wurde der Roller wiederentdeckt - ja die Branche spricht sogar von einem regelrechten Boom.

Kein Wunder: Da die Spritpreise in den vergangenen Wochen und Monaten stetig nach oben kletterten, haben viele die preisgünstige Alternative entdeckt. Das bestätigt Joachim Heberle, denn "Roller brauchen wenig Sprit". Dafür kommt der Zweitwagen weg, hat der Zweirad-Händler in Vöhringen festgestellt. Zu ihm kommen in letzter Zeit immer mehr Kunden, die sich statt hinters Lenkrad aufs motorisierte Zweirad setzen: "Vor allem auf solche, die wenig Unterhalt kosten", zum Beispiel keine Steuer und lediglich ein Versicherungskennzeichen benötigen. Das kostet für eine Maschine mit 50 Kubikzentimeter gerade mal um die 60 Euro - für ein ganzes Jahr. Ein wesentlicher Sparfaktor ist natürlich der Treibstoff: Bei 2,5 Litern auf 100 Kilometern kommt ein Rollerlenker selbst gegenüber einem Kompaktwagen wesentlich günstiger weg. In die Tanks passen meistens um die sechs Liter, was etwa 250 Kilometer ermöglicht.

Zweitakter laufen besser

Warum der Roller eine Renaissance erlebt

"Die Leute fahren damit meistens zur Arbeit", weiß Heberle. Seine Kunden interessieren sich für Roller überwiegend in der Preisklasse bis etwa 2000 Euro. Dafür erhalten sie ein Marken-Zweirad mit einem Zweitakt-Motor und den erwähnten 50 Kubik Hubraum sowie zwischen drei und 4,5 PS. Warum Zweitakter, die bei Autos längst out sind: "Weil die viel besser laufen", sagt Heberle. Viertakt-Roller würden vorzugsweise billig in China produziert und vor allem in Baumärkten angeboten - seien aber meistens "Schrott", meint der Vöhringer Händler. Zweitakt-Roller schaffen auch mit Doppelbesetzung locker die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometer.

Praktisch keine Parkprobleme

Der Illertisser Roland Keck hat sich auch einen der kleinen Flitzer zugelegt - als Alternative zum Auto: "Ich fahr überwiegend Kurzstrecke", so der 54-Jährige, und da "ist der Roller praktisch zügig und preiswert". Ein nicht zu unterschätzender Vorteil: In der Stadt gibt's mit einem Roller praktisch keine Parkprobleme.

Junge Leute setzen auf individuelles Tuning ihrer Zweiräder, weiß Häberle, "sie bauen oft einen Sportauspuff an". Außerdem werden für angenehmeren Fahrkomfort und als Wetterschutz häufig Windschilder nachgerüstet, die übrigens bei den leistungsstärkeren Rollern sogar serienmäßig angebaut sind.

Seit etwa einem Jahr setzt sich Fabian Ritter auf seinen Roller. Der junge Mann aus Pfuhl fährt regelmäßig zum Arbeiten in die Ulmer Innenstadt, etwa zehn Kilometer. "Viel günstiger als ein Auto", erklärt der 18-Jährige sein Faible fürs Rollerfahren, "außerdem ist er wendig und hat keine Parkprobleme". Seine Mutter weist aber auf unangenehme Erfahrungen des Sohnes hin: "Viele Autos fahren zu dicht am Roller vorbei" - da fühlt sich Fabian Ritter echt gefährdet.

Nur bei gutem Wetter

Nach einigen Jahren Abstinenz wollte es Rainer Balzer noch einmal wissen: Der 59-Jährige Illerriedener hat sich gerade beim Vöhringer Händler seinen neuen Roller abgeholt: einen 125er. Die Maschine mit Viertakt-Motor und 13 PS kommt aus Korea - aber ein Markenprodukt, wie Händler Heberle versichert. "Weil ich den noch mit meinem alten Führerschein Klasse 3 fahren darf", hat sich Balzer für diese etwas stärkere Zweirad-Ausführung entschieden. Immerhin läuft der mit Automatik ausgestattete 125er knappe 100 Sachen und verbraucht etwa drei Liter Normalbenzin. Steuer kostet das Zweirad überhaupt nicht und die Versicherung liegt bei gerade mal 35 Euro, also eine günstige Fortbewegung. Die Maschine soll aber kein Ersatz fürs Auto sein, sondern eine Ergänzung: "Mit dem Roller fahre ich kurze Strecken und nur bei schönem Wetter", lacht Balzer.

Wer partout ökologisch korrekt unterwegs sein will, für den hat Zweirad-Heberle noch ein ganz spezielles Schmankerl: einen Roller mit Elektroantrieb. Der soll etwa 100 Kilometer weit kommen und in 2,5 Stunden sind die Akkus wieder voll. Der Stromer hat nur einen kleinen Nachteil: 9000 Euro müssen dafür hingeblättert werden, wenn es ihn ab 2009 zu kaufen gibt.

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