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Pollenflug

30.04.2018

Warum im Moment besonders viele Pollen fliegen

In der Region fliegen in diesen Tagen besonders viele Pollen, wie etwa in Ludwigsfeld bei Neu-Ulm. Zurzeit sind nach Angaben der Experten vor allem Fichtenpollen unterwegs.
Bild: Alexander Kaya

Überall lässt er sich in diesen Tagen nieder: der Blütenstaub, der durch die Umgebung wirbelt und sich ablagert. Doch warum fällt er dieses Jahr so stark aus?

Kleinste gelbe Kügelchen liegen zu Tausenden auf der Motorhaube des Autos, der Fahrradsattel ist nicht mehr schwarz, sondern ebenfalls von einer Schicht winziger gelber Teilchen überzogen und auch die Parkbank trägt heute einen hellen Schleier. Pollen sind wieder unterwegs, sie wirbeln durch die Luft und lagern sich auf sämtlichen Oberflächen ab. Und dieses Jahr sind es sogar besonders viele, wie Experten gegenüber unserer Redaktion bestätigen.

Warum jetzt so viele Pollen auf einmal fliegen

Forstrevierleiter Bernd Karrer, Ansprechpartner für Waldbesitzer zwischen Kellmünz und Attenhofen im Landkreis Neu-Ulm, sagt: „Ja, das ist dieses Jahr wirklich extrem.“ Es gebe gewisse Abstände, in denen die Bäume in den Wäldern verstärkt blühen. Heuer seien das vor allem die Fichten. Laut Fachmann Karrer sei dann die Rede von der sogenannten Vollmast. Das heißt, die Bäume einer Art blühen vollständig und eben stark. Das sei etwa alle vier Jahre der Fall.

Bei einer Halbmast fruchtet hingegen nur die Hälfte der einen Baumart. Bei Buchen sei Karrer zufolge der Abstand des vollständigen Blühens etwas größer: „Bei diesen Bäumen findet es alle fünf bis acht Jahre statt“, sagt der Förster. Jetzt blühen laut Karrer übrigens sämtliche Bäume, allerdings fallen uns die Fichtenpollen zurzeit besonders auf, weil die Fichte einer unserer „Hauptbäume“ sei, so der Fachmann. „Wenn die Monate Juni und Juli im Vorjahr warm waren und im Winter keine zu tiefen Temperaturen herrschten, sind die Bedingungen für das vollständige Blühen der Bäume günstig.“ So sei es 2017 tatsächlich gewesen, sagt Karrer.

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Für das jetzige vollständige Fruchten wenden die Bäume ihre ganze Kraft auf: „Das kostet die richtig viel Energie“, sagt Karrer. „Wenn ein trockener Sommer dazu kommt, dann schwächt das die Bäume sehr.“ Und dann täten sich auch Käfer leichter, die ohnehin geschwächten Pflanzen zusätzlich zu schädigen. Auch die Jahresringe wachsen nicht so schnell nach diesem Kraftakt, sagt Karrer. Er vergleicht die Energie der Bäume in dieser Zeit mit der Kraft, die Tiere während der Paarungszeit aufwenden. Etwa Hirsche während der Brunft. Die würden teils sogar abnehmen, weil das so anstrengend sei, so der Förster.

So stark wie seit etwa vier Jahren nicht mehr

Sein Kollege, Forstrevierleiter Michael Mayr, der unter anderem ein fachmännisches Auge auf die privaten und kommunalen Wälder in Neu-Ulm wirft, macht ähnliche Beobachtungen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass der Pollenflug einmal so stark war“, sagt er. Bei den Fichten sei solcher in diesem Jahr immens.

Diese Aussage bestätigt genauso Michael Angerer, der Leiter des Fachbereichs Naturschutz am Neu-Ulmer Landratsamt. „Das liegt auch daran, dass wir extreme Wärme und Trockenheit hatten.“ Nun seien etliche Pollen in der Luft und auf den Oberflächen zu finden, ohne dass der Blütenstaub vom Regen weggewaschen werde.

„Wenn der nächste lang anhaltende Regen fällt, also mindestens einen Tag lang, dann wird das wieder nachlassen“, ist sich der Experte vom Landratsamt sicher. Er erinnert sich, dass der Pollenflug, der von den Bäumen ausgeht, zum letzten Mal vor etwa vier oder fünf Jahren so stark wie in diesen Tagen gewesen sei. „Das ist einfach der Biorhythmus von den Bäumen.“ Natürlich spiele dabei auch das Wetter eine Rolle.

Pollenflug im Biorhythmus der Bäume

Kurz nach den Fichtenpollen werden laut Angerer übrigens die Kiefernpollen gebildet. Manche Arten, wie etwa die Birkenpollen, sieht man dem Fachmann zufolge nicht. Aber: Sie sind laut Angerer für Allergiker unangenehm – dann kribbelt es in der Nase oder in den Augen.

Die Fichtenpollen, die vor allem in den vergangenen Tagen in der Luft umhergewirbelt wurden, seien aber nicht Allergie auslösend, meint Angerer. „Die sind harmlos. Die kann man einfach abwaschen und dann ist der Blütenstaub weg.“ Was aber viele nicht wissen: Der Blütenstaub nimmt oft eine lange Reise auf sich. „Die Pollen werden sehr weit durch die Landschaft getragen.“ Mehrere Kilometer weit vom ursprünglichen Baum entfernt, seien die dazugehörigen Pollen keine Seltenheit. An alle, die nun gehofft haben, der gelbe Schleier auf Gartenmöbeln und Fahrrädern habe ein Ende, übermittelt Förster Bernd Karrer keine guten Nachrichten. „Das wird schon noch länger anhalten, bestimmt noch ein paar Wochen“, sagt er.

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