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Unterallgäu/Babenhausen

02.12.2019

Warum sich unlängst Dramatisches an der Günz abspielte

Groß angelegte Übung bei Babenhausen: Das Technische Hilfswerk (THW) stützte mit Sandsäcken einen Damm an der Günz – gesichert von Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
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Groß angelegte Übung bei Babenhausen: Das Technische Hilfswerk (THW) stützte mit Sandsäcken einen Damm an der Günz – gesichert von Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
Bild: Eva Büchele/Landratsamt Unterallgäu

Der Landkreis Unterallgäu hat bei Babenhausen den Katastrophenfall geprobt. Im Einsatz waren 160 Kräfte. Das Szenario sollte dem Hochwasser 2002 ähneln.

Es regnet in Strömen im Unterallgäu. An der Günz bei Babenhausen droht ein Damm zu brechen. Wegen eines Baums im Wasser stellt sich die Lage besonders dramatisch dar. Möglicherweise muss sogar ein Teil des Ortes evakuiert werden. Als die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) den Damm sichern, werden plötzlich zwei Helfer vermisst. Die Suche nach ihnen beginnt.

Beschrieben ist das Szenario einer Katastrophenschutz-Übung des Landkreises, die am Wochenende stattfand. 160 Einsatzkräfte probten dabei den Ernstfall. Ausgangssituation war ein Hochwasser, wie es sich im Jahr 2002 tatsächlich im Unterallgäu ereignet hatte. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Babenhausen, Winterrieden, Klosterbeuren, Benningen, Bad Wörishofen und Mindelheim sowie das THW, die DLRG, die Wasserwacht, die Polizei, das Rote Kreuz (BRK) und das Landratsamt.

Wie reagieren im Ernstfall?

Geübt wurde nahe Babenhausen, in Krumbach und Mindelheim. Der Schwerpunkt lag auf der Kooperation der verschiedenen Hilfsorganisationen vor Ort in Babenhausen sowie auf dem Zusammenspiel der Integrierten Leitstelle Donau-Iller in Krumbach, der Kreiseinsatzzentrale Unterallgäu und der Führungsgruppe Katastrophenschutz in Mindelheim.

Warum sich unlängst Dramatisches an der Günz abspielte

Die Kreiseinsatzzentrale im Mindelheimer Feuerwehrhaus kommunizierte mit den Einsatzkräften, der Integrierten Leitstelle und der Führungsgruppe im Landratsamt. Im Katastrophenfall gilt diese als wichtige Schnittstelle. Die Federführung der Übung hatte die Führungsgruppe im Landratsamt inne. Sie übernimmt im Ernstfall die Gesamtkoordination der Lage. „Die Kommunikation ist im Katastrophenfall immens wichtig“, weiß Hubert Stolp vom Sachgebiet Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, das die groß angelegte Übung organisiert hatte. „Die Übung hat gezeigt: Unsere Rettungsdienste arbeiten gut zusammen und die Kommunikation funktioniert“, so Stolp. „Es gibt aber noch Verbesserungsmöglichkeiten.“ Bei Nachbesprechungen werden in den kommenden Tagen Probleme diskutiert und Lösungen erarbeitet, teilt das Landratsamt mit. Im Rahmen der Übung sei bewusst ein Hochwasserszenario wie im Jahr 2002 durchgespielt worden, so Stolp, um Schwierigkeiten, die es damals gegeben hatte, zu beheben.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz übernahm im Landratsamt die Koordination. Von dort aus wurde der Katastrophenfall ausgerufen – zumindest für die Übung.
Bild: Eva Büchele/Landratsamt Unterallgäu

Und wie haben die Einsatzkräfte vor Ort die Übung erlebt? Kreisbrandinspektor Jakob Schlögel aus Klosterbeuren stuft die Zusammenarbeit der Akteure rückblickend als „hervorragend“ ein. Das bestätigt der Kommandant der Babenhauser Feuerwehr, Reinhard Liedel. Er hatte die Einsatzleitung vor Ort inne, im Bereich des Jägerhofs an der Günz. Dort galt es unter anderem, auf den durch einen umgestürzten Baum verursachten Rückstau sowie auf die Bruchstellen im Dammbereich der Günz zu reagieren. Liedel berichtet, dass auch die fiktive Bergung zweier Rettungskräfte prima funktioniert habe. Besonders zufrieden zeigt er sich darüber, dass so gut wie kein Flurschaden entstand. So gab es nach seinen Worten keine Probleme beim Rückbau und die Sandsäcke wurden inzwischen problemlos von Mitarbeitern des Kreisbauhofs abgeholt.

Während Liedel an der Günz vor Ort war, koordinierte der stellvertretende Kommandant Harald Polzer die Sandsackaktion. Ihm zufolge waren rund 20 Babenhauser Feuerwehrler im Dauereinsatz. Nur so habe man die Befüllung der Säcke, die rund vier Stunden dauerte, schultern können. Der Transport der Säcke durch das THW habe einwandfrei geklappt.

Sandsäcke wurden befüllt und zur Günz transportiert.
Bild: Rebekka Jakob (Archivbild)

Der Babenhauser Bürgermeister Otto Göppel hatte sich am Einsatzort selbst ein Bild von dem „Katastrophenfall“ gemacht. Für ihn habe sich gezeigt, „wie wichtig derartige Übungen vor allem im Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Rettungsorganisationen sind.“ Wichtig war für Göppel insbesondere, dass die Problemlösung nicht theoretisch oder am Computer simuliert wurde, sondern in einem realistischen Szenario ablief. (az/fs)

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