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Freizeit

26.10.2017

Warum sie Pfadfinder sein wollen

Eine fröhliche Runde sind die Wölflinge bei den Vöhringer Pfadfindern, die sich vor Jahresfrist zusammengefunden haben. Von links: Leiterin Cora Georg, Rihanna, Meike, Luca, Raphael, Lukas, Dominic, Leiter Lukas Schlenz, Jessica und Laura.
Bild: Ursula Katharina Balken

Die Wölflinge in Vöhringen freuen sich über Nachwuchs. Die Kinder erzählen, was sie an der Gruppe begeistert

Pfadfinder sein – das ist doch Schnee von gestern. Das mag manchem in den Sinn kommen, wenn er an Ranger-Hut, Halstuch mit Lederknoten oder an den speziellen Gruß denkt, den sich Pfadfinder weltweit geben. Dabei wird der Daumen der linken Hand auf den kleinen Finger gelegt – als Symbol, dass der Starke den Kleinen schützt. Wer diese Rituale für angestaubt hält, liegt in Vöhringen allerdings daneben. Seit wenigen Monaten gibt es dort wieder eine Pfadfindergruppe, deren Mitglieder zehn und zwölf Jahre alt und hellauf begeistert bei der Sache sind. Sie finden Zeltlager cool, pflegen ein faires Miteinander und praktizieren Toleranz den Schwächeren gegenüber.

Daran, dass die Vöhringer Pfadfinder wieder eine große Wölflingsgruppe haben – so nennt man die Jüngsten, die zwischen sieben und zwölf Jahre alt sind – ist unsere Zeitung nicht ganz unschuldig. Denn vor gut eineinhalb Jahren erschien ein Artikel, in dem zu lesen war, was die Pfadfinder machen, was ihre Ziele sind und dass sie sich weltoffen geben. Aufmerksame Eltern drückten den Artikel ihren Sprösslingen in die Hand und meinten, „geh’ doch mal hin, vielleicht ist das was für dich“. Und es zeigte sich, dass es „etwas war“, wie Leiter Lukas Schlenz berichtet. Es fand sich eine Gruppe von rund 14 Mädchen und Buben, die sich regelmäßig treffen, in der Natur unterwegs sind und gemeinsam spielen oder basteln.

An diesem Abend sitzen die Wölflinge in der Gruppe in einem Halbkreis zusammen und erzählen, warum sie Pfadfinder geworden sind. Rihanna etwa ist zehn und geht momentan in die vierte Klasse. „Mich hat meine Mama auf die Gruppe hingewiesen, ich soll einfach mal hingehen und schauen“, erzählt sie. Das Mädchen schaute nicht nur, sondern blieb. Meike, ebenfalls zehn, geht in die 5. Klasse des Illertal-Gymnasiums. Auch bei ihr war es die Mutter, die zum Reinschnuppern riet. Meike war fasziniert davon, wie man an Spuren erkennen kann, welches Tier entlang gelaufen ist und welche Wunder es in der Natur zu bestaunen gibt. Der elfjährige Luca, der die 6. Klasse eines Ulmer Gymnasiums besucht, ist überrascht, wie vielseitig die Pfadfinder unterwegs sind. Auch der zehnjährige Raphael ist begeistert, dass bei den Pfadfindern etwa Baseball gespielt wird. In seiner Familie fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. „Mein Vater war auch bei den Pfadfindern. Ich habe Freude an der Natur, aber auch an Sport“, sagt der Schüler des Illertal-Gymnasiums.

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Die Leiter der Gruppe versuchen, für die Kinder ein sinnvolles Freizeitangebot zu gestalten. „Aber nicht nur, damit sie beschäftigt sind. Sondern auch, damit sie etwas mitnehmen können für ihr Leben. Uns kommt es darauf an, pädagogisch Wichtiges zu vermitteln, soziale Werte, richtige Umgangsformen“, sagt der 25-jährige Lukas Schlenz, der Energiewirtschaft und Umwelttechnik studiert. Auch sein Vater Hermann Schlenz engagierte sich jahrelang für die Pfadfinderschaft. So manchen guten Tipp bekomme er vom Vater mit, „denn er kennt sich aus“. In der Gruppe werde auch über aktuelle Themen gesprochen, sagt Schlenz. Zum Beispiel über die Flüchtlingsfrage. Selbstbewusst fügt er an: „Wir sind eine moderne Truppe, sprechen viele Themen an.“

Als Leiter der Gruppe hat er Cora Georg, ebenfalls Leiterin, an seiner Seite. „Ich mag viele Kinder um mich haben“, erklärt sie. Überhaupt hat sie sich in ihrem Beruf den sozialen Diensten gewidmet. Sie ist Heilerziehungspflegerin, ein anspruchsvoller Beruf. Der Umgang mit Kindern ist für sie wichtig, weil der Erhalt der Werte für sie ein Anliegen ist, das sie gerne weitervermitteln möchte. Aus einer ganz anderen Branche kommt dagegen Verena Hampel. Sie ist 20 Jahre alt und Grafikdesignerin. „Ja, manchmal werde ich von Kollegen schon gefragt, was das denn für ein Hobby sei.“ Aber ihre Antwort ist dann schlicht und einfach: „Ich tue es, weil es mir Freude macht, mit meinen Kindern umzugehen.“

Eines der Kinder ist der zwölfjährige Dominik, der eine Schule in Augsburg besucht. Er sei froh, in der Vöhringer Gruppe Anschluss gefunden zu haben. „Dass wir viel draußen sind, gefällt mir und dabei kann man viel lernen. Ich mag die Natur.“ Draußen zu sein und im Wald nach Zeichen zu suchen, wie bei einer Schnitzeljagd, das gefällt auch der Fünftklässlerin Laura. Überhaupt: Im Kreis der Pfadfinder fühle sie sich sehr wohl.

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