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Illertissen

14.02.2018

Warum weniger für viele mehr ist

Ab heute gilt für viele Menschen in der Region wieder die Devise: weniger ist mehr. Mit dem Beginn der Fastenzeit üben sie sich im Verzicht. Das liegt voll im Trend – und hat mehrere Gründe.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ob Essen, Rauchen oder Alkohol: Verzichten liegt in der Region im Trend. In den vergangenen Jahren hat sich deutlich verändert, was die Menschen links liegen lassen.

Sieben Wochen ohne – ohne Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder Zigaretten. Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Doch wie fast alle ist auch das Fasten bestimmten Trends unterworfen – denn auf was die Menschen verzichten wollen, hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich verändert.

Laut Oliver Brandt, Leiter der Servicestelle der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Ulm, nehmen sich immer mehr Menschen in der Fastenzeit vor, bewusst mehr Zeit für Familie, Sport, Hobby oder Kultur freizuschaufeln. Früher sei es der Klassiker gewesen, die sieben Wochen fleischlos zu verbringen. „Aber jetzt sagen viele Leute: Gesund ernähre ich mich ja sowieso“, erklärt Brandt. Immer mehr Menschen würden sich für die Ernährungskurse interessieren oder Präventionskurse zu Suchtmitteln wie Zigaretten wahrnehmen. „Der Großteil möchte gesundheitsbewusst leben.“

Deshalb geraten jetzt immer häufig ganz andere Dinge in den Fokus des Verzichts: Fernseher, Handy oder Internet zum Beispiel. Brand ist der Meinung: „Für die meisten Menschen ist es sicher einfach, sieben Wochen ohne Alkohol auszukommen als das Handy sieben Wochen in der Schublade liegen zu lassen.“ Während die einen jedoch tagtäglich auf die Gesundheit achten wollen, gibt es auch Menschen, die von dem Thema gar nichts wissen wollten. „Diese Schere geht weit auseinander.“ Brandt selbst hat seine Zeit des Verzichts schon hinter sich: „Ich habe im Januar vier Wochen keine Süßigkeiten gegessen.“ Dafür sei nach Weihnachten ein guter Zeitpunkt gewesen.

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Manch einer wünscht sich, in der Fastenzeit ein paar Kilos zu verlieren. Gabriele Schüle, Ernährungsfachkraft bei der Krankenkasse AOK im Landkreis Neu-Ulm, warnt allerdings: „Dabei dürfen die Erwartungen noch zu hoch gesteckt werden.“ Denn wer übertreibt, muss nicht nur mit gesundheitlichen Problemen wie niedrigem Blutdruck und Schwindelgefühl rechnen, sondern nimmt auch schnell wieder zu, Stichwort: Jojo-Effekt. Schüle betont: „Vor allem lernen Menschen mit Übergewicht allein durch Fasten nicht, wie sie sich in Zukunft besser ernähren können.“ Stattdessen müsse man dafür die Ernährung umstellen und sich mehr bewegen. Dennoch könne der Aschermittwoch sehr gut als Einstieg dafür nutzen.

An der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ der evangelischen Kirche beteiligen sich jährlich Millionen Menschen. Dieses Jahr liegt der Fokus auf dem Thema „Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“. Der Zusammenhang zum Fasten: In den Wochen um Ostern gehe es darum, sich an die 40 Tage zu erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Jeder Christ könne frei entscheiden, auf welche Weise er sich dies bewusst mache, sagt Pfarrer Martin Richter aus Senden-Wullenstetten. Generell sei Fasten etwas Persönliches und sollte keinen negativen Beigeschmack haben. „Ich selber esse zum Beispiel ohnehin wenig Fleisch, deswegen ergibt ein Verzicht darauf keinen Sinn“, sagt Richter. Er regt an, in den sieben Wochen nicht unbedingt auf etwas Materielles zu verzichten, sondern sich einfach mal Zeit zu nehmen. Um nachzudenken, um zur Ruhe zu kommen oder um sich bewusst zu machen, wie gut es einem geht. Man könne eine Weile zum Beispiel ganz bewusst auf die Dinge verzichten, die einem Zeit rauben.

Im Rahmen der Aktion „Zeig dich“ der evangelischen Kirche heißt es, dass die Freiheit sichtbar gelebt werden soll. Niemand solle sich vor Freunden oder Andersdenkenden verkriechen, sondern sich zeigen – und helfen oder sich helfen lassen. Und das alles am besten nicht nur sieben Wochen lang.

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