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Boos

03.12.2020

Was Sie über die Geschichte von Boos noch nicht wussten

Der Booser Hobby-Heimatforscher Herbert Schlatterer hat eine rund 800 Seiten umfassende Booser Dorfchronik zusammengestellt.
Bild: Armin Schmid

Plus Hobby-Heimatforscher Herbert Schlatterer hat eine Dorfchronik geschrieben – von der Herrschaft der Fugger mit eigenem Scharfrichter im Ort bis zum ersten Booser Auto.

Wie hat sich Boos ab dem Jahr 1551 zu Zeiten der Herrschaft der Fugger weiterentwickelt? Was lässt sich aus der Booser Häuser- und Hofgeschichte herauslesen und auf die Entwicklung und Herkunft heute ansässiger Familien übertragen? Und welche zeitgeschichtlichen Persönlichkeiten haben in Boos gewirkt und die Geschehnisse beeinflusst? Fragen über Fragen, auf die es bislang kaum oder keine schnellen Antworten gab.

Pfarrer Kneipp lebte zwei Jahre in Boos

Ändern soll sich dies nun mit dem Erscheinen einer Booser Dorfchronik, deren Inhalt Herbert Schlatterer über Jahre hinweg zusammengestellt hat. Im Jahr 2009 hatte der Booser Hobby-Heimatforscher den Auftrag erhalten, ein Heimatbuch zu erstellen. Zunächst wollte sich der 74-Jährige auf die Entstehung und Geschichte der Pfarrkirche St. Martin und die Historie der Pfarrgemeinde konzentrieren. Nach und nach kamen weitere interessante Themen und 18 Buchkapitel dazu.

So habe Sebastian Kneipp von 1853 bis 1854 zwei Jahre in Boos gelebt und seine älteste, schriftliche Kurverordnung in der Illertalgemeinde verfasst. Eingang in die rund 800 Seiten umfassende Chronik, die mit ebenso vielen historischen Bildaufnahmen ausgestattet ist, findet auch der Kunstmaler Josef Madlener, der die Jahre 1892 bis 1894 in Boos verbrachte und die dortige Schule besuchte.

Nachschlagen kann der Leser in dem Buch beispielsweise die Haus- und Hofgeschichte der Booser Anwesen, die Schlatterer bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgt hat. Dort ist die Hofnachfolge von rund 1300 Booser Familien mit mehr als 2600 Namen über die Jahrhunderte hinweg dargestellt. Eine Stütze dabei waren die im Jahre 1725 eingeführten Haus-Heiligen, welche jedem Haus zugelost und somit deutlich vor den späteren Hausnummern eingeführt wurden. Über fast jeder Haustüre im Ort wurde eine Blechtafel mit der Abbildung des Haus-Heiligen angebracht. Wer es sich leisten konnte, hatte eine Figur seines Haus-Heiligen in einer kleinen Nische am Haus untergebracht.

Die Fugger fällten auch Todesurteile in Boos

Letztlich hat sich der Ruheständler Schlatterer auch mit der Fuggerschen Herrschaft auseinandergesetzt und herausgefunden, dass in der Pfarrkirche drei verschiedene Familienwappen der Fugger dargestellt sind. Mit Blick auf die dunklen Seiten der Dorfgeschichte haben die Fugger in Boos Gerichtsbarkeit gehalten und auch Todesurteile gefällt. Zu Zeiten der Französischen Revolution haben die Fugger diese Gerichtsakten wohl aus Angst vor Racheaktionen selbst vernichtet.

Auch einen Scharfrichter hat es demnach in Boos über lange Zeit hinweg gegeben. Der musste außerhalb des Dorfes wohnen und hatte eine eigene Grabstätte auf dem Friedhof.

Gespannt sein dürfen die Leser auch auf die Geschichte von zwei Booser Bürgern, Alois Moest und Georg Nägele, die im Jahr 1900 mit Fahrrädern zur Weltausstellung nach Paris fuhren, welche noch keine Hinterradbremse hatten. In die französische Hauptstadt sind es rund 800 Kilometer einfache Wegstrecke. Interessant ist auch die Geschichte über die Anschaffung des ersten Booser Automobils, einen Nash Sedan 400, den der Marxenbauer Ludwig Kartheininger in den 1930-er Jahren angeschafft hat.

Die Chronik kann zu den üblichen Öffnungszeiten der Verwaltungsgemeinschaft Boos erworben werden. Darüber hinaus wird die Chronik im Edeka-Markt Fackler in Boos (An der Molkereischule 1) verkauft.

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