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25.04.2015

Was französischen Jugendlichen an Deutschland gefällt

Juliens Vater stammt aus Deutschland. Er ist beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen.
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Juliens Vater stammt aus Deutschland. Er ist beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen.

Herbert Seidling lotste junge Leute aus dem Nachbarland nach Vöhringen

Herbert Seidling sitzt in der Sonne und schaut dem fröhlichen Treiben junger Leute im Sportpark zu. Er ist sichtlich zufrieden. Deutsche und französische Sprachfetzen fliegen hin und her. Eine Gruppe Schüler aus dem Großraum Paris ist nach Deutschland gekommen, um sich mit der Sprache ihres Nachbarlandes näher vertraut zu machen und Herbert Seidling aus Vöhringen ist der Organisator des Aufenthaltes.

Die zwölf Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren sind privat bei Gasteltern untergebracht. Die Schüler sind durch die Agentur Astur (siehe Info-Kasten) nach Deutschland gekommen. Ursprünglich war das Ziel die Fuggerstadt Augsburg.

Doch die dortige Niederlassung von Astur winkte ab. Da sprang Herbert Seidling ein und holte die Gruppe nach Vöhringen. „Ich war überrascht, wie viel Hilfe mir zuteilwurde. Die Stadt Vöhringen war außerordentlich hilfreich und entgegenkommend.“

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Und Lob gibt es auch für den Sportklub Vöhringen, dessen Vorstand sich sofort damit einverstanden erklärte, die Jugendlichen auf ihr Gelände zu lassen. Gastgeber waren die Bogenschützen und das SCV-Studio, deren Vertreter Boris Rank und Miriam Kühn sich spontan bereit erklärten, die Gäste technisch an der Kletterwand in der Ballspielhalle zu unterweisen.

In den zwei Wochen ihres Aufenthaltes lernen die Schüler deutsches Familienleben kennen.

„Was die Deutschen für ein Frühstück anbieten, mit Wurst Käse und Marmelade. So vielseitig“, schwärmt die 14-jährige Lea und die gute schwäbische Wurst schätzt sie besonders. „Mir gefällt es hier, alles ist so sauber, vor allem die Straßen.“ Julien hat einen deutschen Papa, deshalb spricht er fließend Deutsch, charmant mit französischem Akzent. Deutschland ist für Julien nicht fremd. „Ich war schon oft hier.“ Dass er gut in seiner Gastfamilie integriert ist, findet er besonders schön. Überhaupt halten die französischen Jugendlichen große Komplimente für ihre Gastgeber bereits, „alle sind sehr freundlich zu uns. Die Menschen sind einfach nett.“

Wie ist Herbert Seidling, der sich eigentlich altersmäßig zur Ruhe setzen könnte, zu dieser Aufgabe gekommen? „Wie die Jungfrau zum Kind“, lacht er.

Seit 14 Jahren hat seine Tochter Sandra ein Mal im Jahr für zwei Wochen ihre Freundin Benedicte aus Frankreich da. „Im letzten Jahr sind sogar die Eltern mitgekommen und wir haben ihnen alles gezeigt, was es Schönes in diesem Land gibt, von den Königsschlössern bis zum Bodensee.“ Früher leitete Edith Petzenhauser aus Bellenberg die Astur-Gruppen, „aber sie konnte es beruflich nicht mehr machen, da bin ich eingesprungen“. Seidling konnte nicht ahnen, welch aufwendige und auch zeitintensive Aufgabe er übernommen hatte. „Ich gehe vorher zu jeder Familie, die bereit ist, einen Gastschüler für 14 Tage aufzunehmen und war angenehm überrascht von der Bereitwilligkeit.“

Es gibt für die Gastgeber eine kleine Aufwandsentschädigung, „aber das steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Familien den Jugendlichen Gutes tun“. In diesem Jahr sind die Schüler in Vöhringen, Weißenhorn, Senden und Bellenberg untergebracht. Im Jugendhaus der Stadt Vöhringen erhalten die jungen Leute morgens Deutschunterricht. Am Nachmittag ist dann meist Ausflug in die Umgebung geboten. Das alles organisiert Herbert Seidling, „wir haben ein volles Programm.“ Für den 71-jährigen, jugendlich wirkenden Herbert Seidling ist es ein Herzensanliegen etwas dafür zu tun, damit sich Menschen aus anderen Ländern einander annähern und einfach besser verstehen lernen. Nur so auf der privaten Ebene wirkt Völkerfreundschaft und Verständigung, „durch das persönliche Erleben“.

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