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Kettershausen

22.02.2021

Was tut der Organisator des "Wirtshaussingens" während der Pandemie?

Bei Musik und Gesang in fröhlicher Runde ist Manfred Neugebauer voll in seinem Element.
Bild: Claudia Bader

Plus Manfred Neugebauer aus Kettershausen organisiert die beliebten "Wirtshaussingen". Sie können zwar wegen Corona nicht stattfinden. Langweilig wird es dem 85-Jährigen nicht.

Langeweile ist für Manfred Neugebauer sein Leben lang ein Fremdwort. Auch im Alter von fast 86 Jahren sprüht er vor Ideen und Kreativität. Seine Schnitzarbeiten und Basteleien aus Holz sowie Bauernmalereien sind weithin bekannt. Aber nicht nur handwerklich ist der Rentner aktiv. Sein "Wirtshaussingen" lockt viele Menschen an. Doch wie ist das in Zeiten der Pandemie?

Weil Gemeinschaft und Zusammenhalt für ihn unverzichtbar zum Leben gehören, organisiert er seit einigen Jahren gesellige Beisammensein und Treffen. Mit den „Wirtshaussingen“ hat der Rentner in den zurückliegenden Jahren viele Veranstaltungen organisiert, die Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung bei Musik und Gesang vereint.

Der 85-Jährige gestaltet die Veranstaltungen mit

Die Idee für das Wirtshaussingen entstand, als Neugebauer die Musikanten Anton, Tila und Rosi kennenlernte und deren Einladung zu einem Wirtshaussingen in Ochsenhausen folgte. „Dieser Abend hat mir so gut gefallen, dass ich kurze Zeit später im Reitinger-Saal in Oberroth eine ähnliche Veranstaltung mit dem Trio aus Erlenmoos organisiert habe“, erinnert er sich. Nachdem die Premiere so gut angekommen ist, konnte er auch bei den folgenden zwölf Wirtshaussingen in Bebenhausen, Herretshofen und Ebershausen jeweils mehr als 100 Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung zählen.

Bei den „Wirtshaussingen“ geht es recht lustig zu.
Bild: Claudia Bader (Archivfoto)

„Die Leute haben nicht nur das gemeinsame Singen von Volksliedern und Schlagern, sondern auch das gesellige Beisammensein genossen“, berichtet Neugebauer: „Während Anton, Tila und Rosi auf Steirischer Harmonika, Bariton und Gitarre musizierten, habe ich zwischendurch Witze und humorige Einlagen eingestreut.“ Dieses abwechslungsreiche Programm sei bei den Besuchern im Alter von 40 bis 90 Jahren prima angekommen und habe für eine super Stimmung gesorgt. „Beim Wirtshaussingen am Rosenmontag 2020 mussten sogar viele Leute wieder gehen, weil in den Herretshofer Bertele-Stuben sämtliche Plätze belegt waren“, erinnert sich der Rentner.

Trotz Corona hat der Rentner in Kettershausen viel zu tun

Leider beschere die Pandemie den beliebten Veranstaltungen jetzt eine längere Pause, bedauert er: „Regelmäßig erhalte ich Anrufe von Leuten, die mich fragen, wann wir endlich wieder einmal gemeinsam singen dürfen.“ Auch die gemeinsamen Frühstückstreffen, die Neugebauer seit einigen Jahren im Anschluss an den Freitags-Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Matzenhofen organisiert, müssen ausfallen. „Die Teilnehmer aus Obenhausen, Unterroth, Jedesheim und Kettershausen können es kaum erwarten, bis wir uns wieder treffen können“, sagt der Witwer: „Das Kaffeetrinken für Senioren, das auf meine Initiative hin sechs Jahren lang an jedem Sonntagnachmittag in der Matzenhofer Gaststätte stattfand, muss ebenfalls pausieren.“

Anstatt deshalb aber Trübsal zu blasen, widmet Neugebauer seine Zeit lieber einem weiteren Hobby: dem Schnitzen von Schützenscheiben, Kreuzen, betenden Händen und vielem mehr. Die Kenntnisse dafür hat er sich autodidaktisch erarbeitet. Als Jugendlicher ist der gebürtige Landshuter als Knecht zunächst nach Winterrieden und dann nach Kettershausen gekommen. „Im Gegensatz zu meiner Heimat haben die Bauern in dieser Region damals einen besseren Monatslohn in Höhe von 25 Mark bezahlt“, berichtet er.

Später habe er 43 Jahre lang im Klosterbeurer Ziegelwerk gearbeitet und sei im Auftrag der Firma regelmäßig als Vorführmaurer nach Südtirol gereist. Für mehrtägige Aufenthalte habe er auch seine Frau mitgenommen, erinnert er sich: „Weil Rosa von den in dieser Region angefertigten Schnitzereien vollauf begeistert war, hat sie mir kurzerhand ein für diese Arbeit benötigtes Messerset gekauft.“ Mit viel Übung sowie Ratschlägen und Tipps von Südtiroler Handwerkern lernte der Kettershauser nach und nach die nötigen Fachkenntnisse sowie Kniffe.

Auch im Vereinsleben ist Neugebauer aktiv

Während der zurückliegenden 30 Jahre sind im Haus an der Kettershauser Kirchstraße rund 300 Krippenställe entstanden. „Ohne die Hilfe meiner mittlerweile leider verstorbenen Frau hätte ich das nicht geschafft“, sagt Neugebauer, der sich auch mit seinen kunstvoll geschnitzten Schützenscheiben einen Namen gemacht hat. Als langjähriger Vorsitzender der Kettershauser Tell-Schützen hat er sich auch viele Jahre lang um den Schießsport verdient gemacht. Unter anderem initiierte er im Jahr 1981 in Tafertshofen das erste Gemeindepokalschießen der Umgebung. Auch heute bedeuten dem rüstigen Rentner Gemeinschaft und Zusammenhalt sehr viel. „Es ist schön, wenn Leute sich gut verstehen und in geselliger Runde zusammenkommen“, sagt er.

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