1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Was wird aus dem Egerländer Museum in Illertissen?

Illertissen

16.09.2019

Was wird aus dem Egerländer Museum in Illertissen?

Copy%20of%20DSC_8677.tif
4 Bilder
Emilie Asam befindet sich inmitten ihrer Schätze im alten Adlersaal. Im Hintergrund sind Beispiele der Trachten aus dem Sudetenland zu sehen, vorne ein Klöppelstock und sogenannte Kaffeetüpfl.
Bild: Regina Langhans

Mit der Sanierung des Adler-Gebäudes in Illertissen soll sich auch dessen Nutzung ändern. Das bereitet Emilie Asam als Betreuerin der traditionsreichen Sammlung Kopfzerbrechen.

Was wird aus dem Elbogener und Egerländer Museum, wenn das historische Gebäude des früheren Gasthofs „Adler“ in Illertissen saniert wird? Wie berichtet, soll sich die Nutzung der Räume nach der Sanierung ändern. Für das Museum hieße das, sich auf einen Raum beschränken zu müssen. Allein bei der Vorstellung wird Emilie Asam, Egerländer Kulturwartin und Hüterin der Exponate, angst und bange. Die 80-Jährige, die mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet ist, sagt: „Wenn der Saal nicht mehr zur Verfügung steht, geht das Herzstück des Museums verloren.“

Ein einzelner Raum würde keine adäquate Plattform mehr für die Sammlung bieten, befürchtet die in Neuhäusl bei Tachau – heute Tschechien – geborene Egerländerin. Sie sagt: „Wer macht sich schon die Mühe, für einen Raum anzureisen?“. Bislang würden viele nur wegen des weit und breit einzigartig bestückten Museums nach Illertissen kommen, so Asam. Nachfahren von Vertriebenen, die sich Aufschluss über ihre Vorfahren erhofften. Und auch Bürger aus Illertissens Partnerstadt Loket, die mehr über ihre damals noch Elbogen genannte Stadt erfahren wollten.

Die Reise in die Vergangenheit, die sich bisher in vier Räumen widerspiegelt, lohnt sich. Eine ausgestellte Urkunde vom 16. August 1953 besagt, dass der Marktgemeinderat von Illertissen einstimmig beschlossen hatte, „die Patenschaft über die sudetendeutsche Stadt Elbogen zu übernehmen“. Deren Name erinnert an den Flusslauf der Eger, der wie ein Elbogen gekrümmt ist. Mit der Urkunde drückten die Illertisser ihre Verbundenheit zwischen den beiden jeweils 1000 Jahre alten Orte aus.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Vertriebene, darunter eben einige aus Elbogen, fanden im Illertisser Rathaus eine Anlaufstelle, an der sie besondere, aber ausgediente Gegenstände abgaben, damit diese späteren Generationen von der früheren Heimat erzählen könnten. Asam weiß: „Die wenigen zugestandenen Habseligkeiten wurden in Holzkoffern oder ,Vertreibungskisten’ nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 über die Grenze transportiert.“

Raritäten stammen aus dem ganzen Sudetenland

Bereits vor der Übernahme der Patenschaft – im Jahr 1952 – gründete sich im alten Adler die „Egerländer Gmoi“. Die Exponate wurden zunächst im Rathaus zwischengelagert. Auf Betreiben von Emilie Asam und weiterer Egerländer öffnete sich 1982 dann die Möglichkeit, im ehemaligen Gasthof einen Raum mit Ausstellungsstücken auszustatten. Das war die Geburtsstunde des Egerländer und Elbogener Heimatmuseums.

Eine Dose für das Pumpernickel-Brot aus Elbogen des Fabrikanten Schmelzer.
Bild: Regina Langhans

Emilie Asam, die sich seit 1980 ununterbrochen um die gesammelten Kulturgüter kümmert, ist es hauptsächlich zu verdanken, dass das Museum gewachsen ist und an Attraktivität gewonnen hat. „Es hat sich herumgesprochen, die Sammlung der Ausstellungsstücke wurde immer reicher und wertvoller“, sagt die Expertin. Wiederum auf ihre Initiative hin wurde das Museum 2008 renoviert und erweitert. Es umfasst mittlerweile den ganzen ersten Stock des Gebäudes. 3000 bis 4000 Exponate sind dort ausgestellt.

Die Raritäten stammen aus dem ganzen Sudetenland, wobei insbesondere wertvolle Gemälde mit Ansichten aus dem historischen Elbogen ins Auge stechen. Es handelt sich um großflächige Bilder der Maler Paulus und Lochschmidt. Weitere sehenswerte Ausstellungsstücke sind Original-Trachten, deren Tradition – typisch für das Egerland – erhalten und von Ort zu Ort sehr unterschiedlich gepflegt wurde. Ein weiterer Museumsschwerpunkt besteht in den Porzellanwaren, etwa in Form der seltenen rosafarbenen Ausführung. Oder in typischem Hausrat, wozu etwa eine Liwanzenpfanne – für die egerländische Variante von Pfannkuchen – oder ein Knödelschneider, mit dem die länglichen Hefeknödel in Scheiben zerteilt wurden, gehören. Sodann sind es Bücher und Schriften mit Inhalten, die bald niemand mehr erzählen kann, sowie Devotionalien (religiöse Volkskunst) von Kirchen, die nicht mehr stehen.

Ein Knödelzerteiler und eine Liwanzenpfanne aus dem Egerland.
Bild: Regina Langhans

Sollte der große Saal wegfallen, weil er anderweitig gebraucht wird, müssen die dem Museum anvertrauten Stücke eingelagert werden. „Doch wohin und wofür, wenn sie nicht besichtigt werden können?“, fragt Asam besorgt. Für sie ist es eine Art Vermächtnis, dem sie sich verpflichtet fühlt. „Aber auch für die Stadt“, sagt sie. Zumal sich aus der Patenschaft vor 20 Jahren eine Städtepartnerschaft entwickelt hat.

Dass diese Städtefreundschaft heuer in Loket und Illertissen gefeiert werden kann, daran habe das Egerländer Museum gewiss seinen Anteil, findet Asam. Müsste es schrumpfen, ginge womöglich gemeinsames Kulturgut verloren.

Lesen Sie außerdem zu den Plänen für das Adler-Gebäude:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren