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Illertissen

14.06.2013

Weil der Pianist so prima ist

Der Pianist Thomas Scheyyt in der Illertisser Schranne: ein herzerwärmender Abend mit Blues und Boogie von einem Meister seines Fachs.
Bild: Hinzpeter

Thomas Scheytt begeistert beim Iller-musikfestival wieder mal in der vollen Schranne

Er hat 36 Semester Philosophie studiert, sagt Thomas Scheytt, „und das ist dabei rausgekommen.“ Wenn „sowas“ dabei rauskommt, wie beim ihm, dann sollten viel mehr Menschen Philosophie-Vorlesungen besuchen: Scheytt ist ein sympathisch uneitler Meister des Boogie- und Blues-Klaviers, ein Tastenhengst, der furios über die weißen und schwarzen Stäbchen galoppieren kann, aber sich rechtzeitig für die stilleren Momente zu zügeln weiß.

Das hat sich zum Glück für den verhinderten Philosophen längst rumgesprochen – und so ist die Schranne wieder mal voll. Diesmal tritt Thomas Scheytt im Rahmen des Iller-Musikfestivals auf – eine schöne Bereicherung des ohnehin reichlich bunten Zwei-Wochen-Programms.

Er bringt sozusagen die schwarze Note hinein, was nur zu geringen Teil an seinem lustigen dunklen Gesichtsbalken liegt, den er unter der Nase trägt. Vielmehr hat es mit der Musik zu tun, die Thomas Scheytt liebt und lebt. Die ist von ihrer Herkunft her eben „schwarz“, oder, wie es heute heißt, „afroamerikanisch“. Auch wenn sie aus den 20er bis 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, lässt sie Scheytt höchst munter wieder aufleben.

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Und er hängt sich voll rein. Seine Beine tänzeln und klopfen, als müsste er gleich aufspringen und einen Steptanz auf die Bretter legen. Doch er hämmert die schnelle Läufe und pumpenden Bässe nicht einfach grob und effekthascherisch in die Tasten. Er nimmt oft das Tempo raus, gibt dann wieder Zwischengas und modelliert so die Stücke, deren Grundstruktur denkbar einfach ist. An so einem Blues oder Boogie ist ja nicht viel dran: drei Grundakkorde, die sich in ihrer Abfolge alle zwölf Takte wiederholen. Da kommt schnell eine gewisse Monotonie auf. Doch der weiß Scheytt mit seinem sehr flexiblen, abwechslungsreichen Spiel bestens zu begegnen.

Eigentlich hätte das Klavier getrost ein wenig verstimmt sein können, denn diese Musik gehört nun mal in verrauchte Keller und dunkle clubs. Doch an diesem Abend ist es noch recht hell in der Schranne. Draußen zwitschern Vögel und durch die geöffneten Fenster zieht ein leicht ländlicher Hauch ins Schrannengebälk.

Ist aber egal, weil der Pianist so prima ist – und einen schön trockenen Humor pflegt. Als das Martinshorn des Rettungswagend in den Raum hinein blökt, schaut er nur kurz auf, lächelt und bluest weiter. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte das ewig so weiter gehen können. Vier Zugabenblöcke erklatscht es sich. Mehr ist nicht drin, denn die Raumtemperatur fordert vom schwitzenden Akkordarbeiter ihren Tribut.

Aber, keine Sorge: Thomas Scheytt wird bei solch enthusiastischen Fans sicherlich wieder kommen.

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