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Region

23.01.2020

Wenn Elterntaxis an den Schulen Schlange stehen

Trotz Schulbus oder geringer Distanz bringen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Tempolimits, verkehrsberuhigte Bereiche und Aktionen wie der „Laufbus“ an der Illertisser Grundschule sollen Probleme vermeiden.

Plus Viele Kinder werden mit dem Auto zum Unterricht gefahren. Wie Schulen und Kommunen versuchen, Probleme mit sogenannten Elterntaxis zu vermeiden.

Mit dem Gong der letzten Stunde strömen die Schüler aus der Schule. So schnell wie möglich wollen sie nach Hause. An manch einer Schule warten zahlreiche Eltern in ihren Autos, die Fahrzeuge stauen sich regelrecht auf. So zum Beispiel in Altenstadt. „Zu viele Kinder, die auch laufen könnten, werden mit dem Auto gebracht“, klagt Grundschulleiter Markus Reiter und nennt die Verkehrslage „schwierig“.

Immerhin ist die Schülerzahl mit 213 Kindern in Altenstadt und Osterberg noch überschaubar. Den Bus beziehungsweise aus Weiler das Taxi nehmen 46 davon. Die Schüler aus Altenstadt, Untereichen und Osterberg laufen. Es bleiben viele übrig, die anderweitig zum Unterricht kommen. „Ein ganzer Schwung“ werde täglich mit dem Auto gefahren, sagt Reiter.

Im Sommer kommen viele Schüler mit dem Fahrrad zum Illertal-Gymnasium

Am Illertal-Gymnasium in Illerzell hängt das Verkehrsmittel der Wahl stark vom Wetter ab: „Hunderte der gut 700 Schüler und Lehrer kommen im Sommer mit dem Fahrrad“, sagt Tina Strößner, Teil der Schulleitung und zuständig für den Schulverkehr. Momentan im Winter kämen die Schüler vor allem mit dem Bus. Der muss für bayrische Schüler ab einer Entfernung von drei Kilometern vom Landkreis finanziert werden. Manche Gemeinden, wie in diesem Fall Bellenberg und Vöhringen, stellen bei geringeren Distanzen eigenständig eine Winterfahrkarte. Dennoch sagt Strößner: „Es sind schon etliche Autos täglich.“

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Kommt es dadurch zu einem Verkehrschaos am IGV? „Nein“, sagt Strößner. Denn das Gymnasium liege in einer Sackgasse mit Parkplatz und Wendemöglichkeit. Ein „Luxusproblem“ gebe es dennoch: Wenn Eltern direkt vor der Eingangstür parken, also im Pausenhof. Auch in Vöhringen geht es meist geregelt zu: „Das Konzept mit verkehrsberuhigtem Bereich und Geschwindigkeitskontrollen ist gut“, findet Oliver Eschenbach, Leiter der staatlichen Realschule. Der Leiter der Uli-Wieland-Mittelschule, Thomas Pelikan, kritisiert aber, dass manche Autofahrer dennoch im Parkverbot anhalten. „Die Kinder müssen, vielleicht sogar in der Dämmerung, zwischen parkenden Fahrzeugen hindurch laufen. Das ist durchaus gefährlich“, sagt Pelikan.

Neben der Sicherheit ist der Klimaschutz ein weiterer Aspekt

Martin Rister, Schulleiter der Anton-Fugger-Realschule in Babenhausen, sagt: „Bei uns gibt es zum Glück keine Sicherheitsprobleme oder Chaos.“ Er verweist auf die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Polizei und Landratsamt. Um das Schulzentrum herum gilt Tempo 30. Für den Zebrastreifen bieten Eltern der Grundschulkinder einen Lotsendienst an, den der Grundschulleiter organisiert.

Um bei einem Schulweg zu Fuß im wahrsten Sinne des Wortes sicher zu gehen, begleiten insbesondere in den ersten Jahrgangsstufen Eltern ihre Kinder. Da viele aus demselben Wohngebiet kommen, aber berufsbedingt nicht alle Zeit haben, gibt es an der Bischof-Ulrich-Grundschule in Illertissen einen sogenannten Laufbus. Die Eltern sprechen sich ab und können die Strecke offiziell im Sekretariat melden. Dann ist sogar der Versicherungsschutz gewährleistet. Die Idee kommt nach Angaben der Schule gut an: Der Laufbus vermeide einige Autofahrten, fördere die Orientierung im Straßenverkehr und sorge für mehr Sicherheit. Außerdem tut die frische Luft den Kindern schlicht gut. In Altenstadt werden Eltern, die ihre Kinder trotz sehr geringer Distanz mit dem Auto fahren, regelmäßig über diese Vorteile informiert.

Neben der Sicherheit gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: den Umweltschutz. „Man muss sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, die Kinder zu fahren“, sagt Oliver Eschenbach von der Vöhringer Realschule. Klimaschutz sei im Unterricht ein relevantes Thema. „Wenn SUVs vorfahren und nur ein Kind aus dem Ort aussteigt, ist das sehr widersprüchlich“, sagt der Schulleiter. Martin Rister aus Babenhausen sieht vor allem Folgendes: „Das Bedürfnis, Zeit mit den Kindern zu verbringen, wird in der modernen, schnelllebigen Gesellschaft befriedigt, indem man sie mit dem Auto zur Schule fährt.“

Mit den Schulbussen gibt es immer wieder Probleme

Einige Schüler nehmen dennoch täglich das Fahrrad. In Vöhringen, Babenhausen und bald auch Illerzell gibt es dazu Aktionen und Arbeitsgemeinschaften. Das Landratsamt unterstützt die Projekte finanziell. Doch man bringe die wenigsten zum permanenten Radeln, sagt Martin Rister. Ausschlaggebend sei nach wie vor die Distanz zur Schule.

Häufig kommen dann die Schulbusse ins Spiel. Die führen allerdings auch zu einigen Beschwerden und sind mitunter der Grund für den Fahrservice der Eltern: Überfüllung, verspätete Abfahrt oder gar Ausfall. „Immer wieder kommt es hier zu Schwierigkeiten“, sagt Markus Reiter in Altenstadt.

Am Illertal-Gymnasium gibt es für Beschwerden sogar extra eine E-Mail-Adresse unter dem Stichwort „verflixter Bus“. Thomas Pelikan aus Vöhringen wünscht sich, dass der Nahverkehr insgesamt mehr unterstützt wird. Denn trotz allem sind die meisten froh über den gestellten Schulbus. Der wird – selbst wenn es das tägliche Aufgebot privater Fahrzeuge rund um die Schulgelände manchmal anders vermuten lässt – bei den Schülern der Region nach wie vor am meisten genutzt, um nach der Schule sicher und so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.

Neben dem 20.2.2020 scheinen sich vier weitere Daten im Februar besonders zum Heiraten zu eignen. Steht also ein Hochzeitsboom bevor? Wir haben uns in den Standesämtern umgehört: Steht der Region im Februar ein Hochzeitsboom bevor?

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