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Illertissen

04.02.2019

Wenn das Netz zum gefährlichen Zuhause wird

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Viele Jugendliche fühlen sich im Internet zuhause.
Bild: Lino Mirgeler, dpa (Symbol)

Experte Niels Pruin klärt Eltern und Kinder in Illertissen über Internetsucht auf. Wovor er warnt.

Auf die Frage, wer das Internet positiv findet, haben fast alle ihre Hände gehoben, bei der Gegenfrage allerdings nur wenige. Aber als die Besucher des Vortrags „Bleib stark – Suchtprävention und Hilfe bei Mediensucht“ selbst zu Wort kamen, brachten einige Eltern ihre Unsicherheiten offen zum Ausdruck. Eine Frau sah das Internet als „Gehirnmanipulation auf höchstem Niveau“. Eine Mutter von vier Söhnen fühlte sich fast dazu gezwungen, alle neu erscheinenden Computerspiele selber auszuprobieren. „Erst dann kann ich erkennen, ob mein Kind in Gefahr ist“, sagte sie.

Medien: Woran erkennt man Internetsucht?

Organisiert wurde der Informationsabend von den Elternbeiräten des Kollegs der Schulbrüder und der Johannes-von-La-Salle-Realschule. Sozialpädagoge Niels Pruin, Leiter des Fachgebiets Medien- und Internetsucht des Caritasverbandes der Diözese Augsburg, klärte ausführlich über die Vorteile, aber auch Risiken und Gefahren auf, die die digitalen Medien mit sich bringen. Rund 200 Mütter, Väter und Jugendliche hatten sich zum Vortrag über dieses aktuelle Thema in der Aula des Illertisser Gymnasiums eingefunden.

„Ich selbst habe auch eine Spielkonsole und zocke manchmal ganz gern“, verriet der Referent. Heutzutage benutzten Kinder und Jugendliche im Alltag mehr oder weniger oft digitale Medien: Sie tauschten sich über WhatsApp, Facebook und andere soziale Netzwerke aus. In ihrer Freizeit träfen sie sich nicht mehr in öffentlichen Räumen oder Einrichtungen wie Jugendtreffs oder Bauwagen, sondern schafften sich im Internet ihre eigenen virtuellen Plätze, so Pruin. „Digitale Medien scheinen für Heranwachsende wie gemacht zu sein. Sie können wichtige Grundbedürfnisse wie Selbstdarstellung, Identitätsfindung, Action-Erlebnisse und Kommunikation mit virtuellen oder realen Freunden erfüllen.“ Allerdings könne das Chatten mit fremden Personen, auch wenn es noch so viel Spaß bringe, zur völligen Realitätsverschiebung führen.

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Der Experte zockt selbst gerne

„Auch wenn das Störungsbild bekannt ist, gibt es das Krankheitsbild Internetabhängigkeit offiziell noch nicht“, sagte Pruin. Die zurzeit anerkannten Diagnosekriterien einer „Internetsucht“ seien ähnlich einer klassischen Suchtdiagnose. Dabei unterscheide man zwischen verschiedenen Typen wie Informations-Junkie, Shopping-, Pornografie- oder auch Erfolgssucht. Ein breites Feld der Abhängigkeitsfaktoren nähmen Computerspiele ein, sagte der Sozialpädagoge. Für ihn sei es zudem besorgniserregend, dass die allseits beliebten, „coolen Spiele“ in der Regel immer mit einem Glücksspiel verknüpft sind und die virtuelle Welt damit kein Ende findet.

Die Frage, wie man eine Computersucht erkenne, konnte der Referent nicht konkret beantworten. Während seiner Arbeit in der Suchtberatung habe er aber zahlreiche Anzeichen und Merkmale, wie zum Beispiel Unkonzentriertheit und Vereinsamung sowie die Vernachlässigung sozialer und beruflicher Pflichten, erkannt. „Wenn der Computer die einzige Möglichkeit ist, sich von unangenehmen Gefühlen und Stress zu befreien, ist das schon alarmierend“, so Pruin. Um kleinere Kinder zu schützen, sollten Eltern darauf achten, dass sie sich nur in moderierten Chats aufhalten. Bei größeren Kindern und Jugendlichen sollten Vorteile, aber auch Risiken des Internets immer wieder thematisiert werden, sagte Pruin. Ein gemeinsamer innerfamiliärer „Mediennutzungsvertrag“ könne dazu beitragen, Streit zu vermeiden.

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