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Vöhringen

28.02.2018

Wenn ein Busfahrer rotsieht

Im Straßenverkehr herrscht mitunter ein rauer Umgangston: Wie rau, das zeigt ein Streit, der sich kürzlich in Vöhringen abgespielt hat.
Bild: Adam Kapalla (Symbol)

In Vöhringen ist es im Straßenverkehr zu einem handfesten Streit gekommen. Der Vorfall zeigt, welchen Anfeindungen sich die Mitarbeiter von Beförderungsfirmen ausgesetzt sehen

Den Mittelfinger anderer Leute bekomme er häufig zu sehen – auch Schimpftiraden seien ihm nicht fremd: Wenn Busfahrer Wilhelm Metz am Steuer sitzt, dann seien Respektlosigkeiten stetige Begleiter. „Es ist unfassbar, was man so alles erleben muss“, sagt der 64-Jährige, der für ein Beförderungsunternehmen in der Region arbeitet. Dass Omnibusse angehupt, geschnitten und sogar mutwillig ausgebremst würden, sei fast normal. Mit alledem habe er umzugehen gelernt, sagt Metz. „Das ist man gewöhnt.“ Ein Kopfschütteln, ein Achselzucken, andere Reaktionen provoziere so ein Verhalten bei ihm nicht. Nicht mehr. Doch am Faschingsdienstag kam es in Vöhringen zu einem Vorfall, der den Mann die Beherrschung verlieren ließ.

Davon berichtet er nun im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn, was die Polizei zu dem Ereignis vermeldete, will Metz so nicht stehen lassen. Und außerdem müsse man die ganze Geschichte kennen, um sich ein Bild zu machen, sagt der 64-Jährige. Seine Stimme bebt, wenn er davon erzählt. Und von dem Wort, das ihm damals „den Hut hochgehen“ ließ. Was dann geschah, bereut Metz inzwischen sehr. Das Ganze wird möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben. Doch für den Busfahrer ist der Vorfall ein Beispiel dafür, was er und seine Kollegen sich tagtäglich gefallen lassen müssen. Und dafür, was passieren kann, wenn sie das mal nicht tun. So wie an besagtem Dienstag.

Es begann harmlos: Gegen 17.20Uhr wollte Metz mit seinem Omnibus aus der Bahnhofstraße in die Ulmer Straße abbiegen. Weil dort ein Bus einer anderen Firma entgegenkam, musste der 64-Jährige bremsen. Er wollte dem Kollegen „den Vortritt“ lassen und zurücksetzen. Hinter seinem Fahrzeug habe sich ein Auto befunden, Metz habe die Warnblinkanlage eingeschaltet und sei langsam und etappenweise nach hinten gerollt. Der Mann am Lenker des Wagens habe das wohl verstanden und sei zunächst auch zurückgefahren. Doch dann habe er plötzlich gestoppt. Das Nächste, an was sich Metz erinnern könne: Der Autofahrer, ein junger Mann, sei am Fenster des Busses aufgetaucht. „Er beschimpfte mich aufs Übelste.“ Der Busfahrer sei „zu blöd zum Autofahren“, habe es geheißen. Und das sei noch harmlos gewesen. Metz habe sich das angehört, zunächst offenkundig zunächst „baff“ von dem Wutausbruch des anderen. Doch dann habe er erwidert: „Mach’ dich vom Acker, du Barbar!“ Das habe der Autofahrer zwar auch getan, Metz im Weggehen dann aber lautstark als Sohn einer Prostituierten bezeichnet. Und da sei ihm der Kragen geplatzt, sagt der 64-Jährige.

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So sei er noch nie beleidigt worden. „Noch dazu von jemandem, der mein Sohn und der Enkel meiner Mutter sein könnte“, sagt Metz. Er sei ausgestiegen und habe den anderen „am Kragen gepackt“. Einen einzigen Schlag habe er ausgeführt, so Metz. Und sein Gegenüber am Kinn getroffen. Eine Verletzung sei nicht zu sehen gewesen. Der andere habe seinerseits mit Schlägen gedroht und sei dann aber weggefahren. Im Polizeireport war zu lesen gewesen, der Busfahrer habe mit den Fäusten mehrfach auf den Mann eingeschlagen. „So war das nicht“, sagt Metz.

Jetzt bangt der Busfahrer, der sich nach dem Vorfall auf Anraten seines Anwalts selbst angezeigt habe, um seinen Führerschein. Denn gegen ihn wird wegen Körperverletzung ermittelt, die Ergebnisse gehen demnächst an die Staatsanwaltschaft, sagt Franz Mayr, der Leiter der Illertisser Polizei auf Anfrage. Metz geht davon aus, dass es zu einem Prozess kommt. „Ich habe ein mulmiges Gefühl.“ Der Schlag sei falsch gewesen, sagt der Busfahrer, der am Faschingsdienstag den schlimmsten Zwischenfall in seiner beruflichen Laufbahn erleben musste. Und das kurz vor dem Ruhestand, den Metz bald antreten will. Darauf freue er sich, seinen Job mache er heute nicht mehr gerne. „Auf den Straßen herrscht Krieg.“

Von solchen Vorfällen ist immer wieder zu hören: „Unsere Busfahrer sprechen schon ab und zu mal über unschöne Erlebnisse“, sagt Bernd Jünke, der Pressesprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Auch, wenn Streitigkeiten oder gar Angriffe nicht an der Tagesordnung seien – der Ton werde im Straßenverkehr insgesamt rauer. „Das lässt sich schon beobachten.“

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