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Landkreis Neu-Ulm

21.01.2021

Wenn es nachts auf Parkplätzen kracht: Diese Strafen drohen für Driften im Schnee

Driften bedeutet: Wenn das Heck eines Autos ausbricht und die Hinterreifen die Bodenhaftung verlieren.
Foto: Abraham, stock.adobe.com

Plus Im Landkreis Neu-Ulm haben Autofahrer auf schneebedeckten Flächen Schleuderübungen gemacht - und Schäden hinterlassen. Erlaubt ist Driften laut Polizei nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein Knall durchdringt den Abend: Beim Driften mit seinem Auto kracht ein 27-Jähriger gegen einen Einkaufswagen-Unterstand auf dem verschneiten Parkplatz eines Supermarkts in Altenstadt. Zunächst will sich der Mann nicht konkret zum Unfallhergang äußern. Angesichts der Spuren ist die Ursache allerdings schnell klar. Der Schaden: geschätzte 1000 Euro. Solche Vorfälle sind keine Seltenheit. Die Polizei erklärt, was erlaubt ist - und welche Strafen drohen.

„Wir bekommen immer mal wieder einzelne Mitteilungen von Anwohnern, wenn es auf einem Parkplatz in der Nähe quietscht“, sagt Dominic Geißler, Pressesprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten. Gerade in den höheren Lagen des Allgäus träfen sich, wenn es schneit, vor allem Heranwachsende abends oder nachts, um auf geeigneten Flächen mit ihren Autos ein paar Runden zu drehen. In solchen Fällen weiß die Polizei, wie sie gegensteuert: Jeder Fahrer, den sie erwischt, bekomme konsequent sofort ein Bußgeld aufgebrummt – mindestens. Regelmäßig kontrollieren Streifen zudem bekannte Plätze.

Schaden am Modellflugplatz bei Untereichen

Je nach Schneelage kommt es zu solchen Vorfällen nicht nur im Allgäu, sondern auch im Kreis Neu-Ulm: Vor Kurzem ruinierte jemand die schneebedeckte Landebahn des Modellflugplatzes nordwestlich des Altenstadter Ortsteils Untereichen. Laut Polizei wurde der Untergrund durch „Fahr- und Schleuderübungen“ erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden wird ebenfalls auf 1000 Euro geschätzt.

Driften sei grundsätzlich im öffentlichen Straßenverkehr verboten, betont Geißler. Auf einem Privatgrundstück sei es nur erlaubt, wenn dieses „befriedet“ und abgesichert ist. Soll heißen: Wenn etwa eine herabgelassene Schranke oder andere Absperrungen den Parkplatz sichern und wenn ausgeschlossen wird, „dass andere Verkehrsteilnehmer, die gefährdet werden können, dort hineinkommen können“. Das müsse man etwa durch Aufseher gewährleisten. Zudem müsse der Eigentümer der abgesperrten Fläche mit der Aktion einverstanden sein. Sonst mache sich der driftende Fahrer strafbar – wegen Hausfriedensbruchs.

Wer generell andere Verkehrsteilnehmer durch so ein Fahrmanöver gefährdet oder schädigt, könne laut Paragraf 315c des Strafgesetzbuchs zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder zu einer hohen Geldstrafe verurteilt werden, erinnert der Polizeisprecher. In Verbindung mit einem illegalen Autorennen drohten sogar bis zu zehn Jahre Gefängnis – wenn man beispielsweise durch das Driften in einer Kurve „absichtlich das Maximum aus seinem Fahrzeug herausholen will“ und dadurch einen Unfall mit Schwerverletzten oder gar Toten verursacht.

In der Regel verteile die Polizei in der Region aber nur Bußgeldanzeigen oder Verwarnungen, sagt Geißler: Wer beim Driften etwa durch Reifenquietschen vorsätzlich unnötigen Lärm verursacht und die Anwohner stört, bezahle bis zu 20 Euro. Wie auch bei einer „vermeidbaren Abgasbelästigung“. Teurer wird es, wenn Autofahrer „unnütz umherfahren“: Dann werden laut aktuellem Bußgeldkatalog bis zu 40 Euro fällig. Gerade bei winterlichen Straßenverhältnissen komme es immer wieder vor, dass Autofahrer durch das Driften in Kurven von der Fahrbahn abkommen. Werde bei solchen Unfällen niemand gefährdet, koste das 35 Euro Bußgeld.

Unbekannte drehten auf dem Flugplatz des MSC Altenstadt in Herrenstetten ihre Runden – und verursachten einen Schaden in Höhe von 1000 Euro.
Foto: Stefan Harisch

Wie viele Drifter in der Region in den vergangenen Jahren bestraft wurden, kann der Polizeisprecher nicht sagen: Dies werde statistisch nicht erfasst.

Driften mit dem Auto stellt einen gewissen Reiz dar

Aber welche Motive verleiten vor allem junge Männer dazu, solche Manöver mit ihren Autos zu riskieren? „Sie sind leichtsinniger als erfahrene Fahrer und haben mehr Mut zum Risiko“, erklärt Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern. Das zeige auch die Unfall-Statistik: Heranwachsende im Alter von 18 bis 24 Jahren haben demnach ein erhöhtes Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken – das gilt besonders nachts für den ländlichen Raum. Die meisten Getöteten bei Unfällen stammen zudem aus dieser Altersgruppe (knapp 40 Prozent). Junge Fahrer verursachen darüber hinaus jeden sechsten Unfall mit Personenschaden – vor allem, weil sie zu schnell unterwegs sind. Das Driften mit dem Auto stelle für die Heranwachsenden einen gewissen Reiz dar, sagt Kreipl. Sie könnten dabei ihre eigenen Grenzen ausloten. Zudem vergleiche man sich in dem Alter gerne mit anderen und nehme Regeln nicht so ernst. Diese hohe „Wettbewerbsbereitschaft“ könne allerdings fatale Folgen haben.

Kontakt Fahrmanöver können Heranwachsende bei einem ADAC-Sicherheitstraining üben. Mehr dazu unter: www.sicherheitstraining.net.

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