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Landkreis

12.04.2018

Wenn verliebte Frösche den Verkehr stören

Zur Laichzeit sind wieder mehr Kröten auf den Straßen unterwegs. Das birgt Gefahren.
Bild: Klaus Ammich

Derzeit sind Amphibien auf Wanderschaft. Der Bund Naturschutz mahnt zur Vorsicht. Eine Straße ist gesperrt

Jetzt, wenn es draußen wärmer wird und die Luft feucht ist, machen sich Frösche, Kröten und Molche auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Auf ihrer Reise sind die Tiere vielen Gefahren ausgesetzt. Neben Fressfeinden gibt es vor allem eine Bedrohung: Autos. Um den Amphibien zu helfen, hat der Bund Naturschutz zusammen mit dem Landratsamt Neu-Ulm einige Vorkehrungen getroffen – eine Straße wurde wegen der Amphibien sogar gesperrt.

Naturschützer Bernd Kurus-Nägele richtet seinen Appell an die Verkehrsteilnehmer: Sie sollen in den betreffenden Gebieten langsam und mit Bedacht fahren. Eine wichtige Vorkehrung seien Schutzzäune für Amphibien: Sie sollen verhindern, dass die Tiere auf die Straße gelangen. Wie Kurus-Nägele erklärt, sind entlang der Zäune in regelmäßigen Abständen Eimer vergraben, um die Tiere aufzufangen. Denn der Weg über die Fahrbahnen ende viele kleine Wanderer tödlich. 13 der 19 Amphibienarten in Bayern seien vom Aussterben bedroht. Frösche und Kröten verharrten oft bis zu fünf Minuten auf dem warmen Asphalt, erklärt Kurus-Nägele. Durch die hohe Verkehrsdichte seien sie extrem bedroht. Die Zäune seien unerlässlich: Ohne sie seien viele Krötenpopulationen in zwei bis drei Jahren bereits ausgerottet, sagt der Naturschützer.

Aber die Barrieren alleine reichen nicht aus. Genauso wichtig sei es, dass Autofahrer auf den von der Wanderungen betroffenen Straßen langsam fahren – laut Kurus-Nägele nämlich nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde. Der Luftwirbel, den ein Auto ab dieser Geschwindigkeit verursacht, reiche aus, um die kleinen Tiere hochzuwirbeln – und zu töten. Eine reduzierte Geschwindigkeit habe weitere Vorteile: „Wer langsam fährt, kann auch besser ausweichen, wenn ein Tier auf der Straße sitzt“, sagt Kurus-Nägele. Außerdem seien entlang der Zäune viele freiwillige Helfer des Bund Naturschutzes unterwegs, um die in Eimern gesammelten Frösche über die Straße bringen. Tagsüber seien auch öfter mal Schulklassen im Rahmen von Exkursionen unterwegs, um die Wanderung der Amphibien zu beobachten.

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Wer einen Frosch überfährt, merke das meist nicht, sagt Kurus-Nägele. „Die Tiere sind dafür viel zu klein.“ Ihre Überreste seien für Autofahrer aber nicht ungefährlich: Zerquetschte Amphibien wirkten auf dem Asphalt „wie Schmierseife“, heißt es. Vor allem an feuchtwarmen Abenden sollten Autofahrer Acht geben. Dann seien besonders viele Amphibien unterwegs.

Im Zuge der Schutzmaßnahmen ist eine Straße in der Region für den Verkehr teilweise gesperrt: Die Strecke zwischen Neuhausen und Tiefenbach ist zwischen 18 und 6 Uhr dicht. Denn hier wanderten laut Kurus-Nägele zahlreiche Amphibien. Zu großen Behinderungen werde das nach Einschätzung von Kurus-Nägele nicht führen: „Es ist ja nur eine Nebenstraße.“

Zu starken Wanderungen komme es vor allem in Tälern, in denen Tümpel oder Weiher liegen. Der Bund Naturschutz warnt vor den Strecken: Hausen – Holzschwang; Hirbishofen – Pfaffenhofen; Kadeltshofen – Straß; Finningen – Neu-Ulm; Illertissen am Dorfweiher; Thalfingen – Pfuhl; Steinheim – Remmeltshofen; Bellenberg – Au; Steinheim – Burlafingen; Matzenhofen – Unterroth und vor dem Autobahnzubringer bei Vöhringen.

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