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Festival

17.10.2017

Wenn vier Hörner ein Orchester ersetzen

Als Münchner Hornquartett begeisterten Stefan Böhning, Sarah Ennouhi, Mia Aselmeyer und Matias Piñeira bei der Zugabe als Tenor (von links).
Bild: Regina Langhans

Münchner Quartett feiert in Illertissen eine glänzende Premiere. Die Musiker überzeugen dabei nicht nur mit ihrer Spielbreite

Wenn vier Hörner statt eines Orchesters das dritte Hornkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart intonieren oder ein Orgel-Präludium von Johann Sebastian Bach – dann wird es musikalisch interessant. Für das neue Münchner Quartett war der Auftritt im Rahmen des Festivals „Junge Künstler – Stars von morgen“ zudem die Premiere. Dabei haben sie künstlerisch überzeugt. Über 200 Zuhörer in der Illertisser Schranne zeigten sich hingerissen bei dem warmen, strahlenden Klang ihrer Instrumente. Schade, dass im Publikum wenig junge Leute saßen, denn in der zweiten Hälfte des Abends gab es Jazz, Latin und spanischen Sologesang.

Das Hornquartett unter Sarah Ennouhi vom Bayerischen Staatsorchester mit ihrem Orchesterkollegen Stefan Böhning sowie Mia Aselmeyer und Matias Piñeira von den Münchner Symphonikern hat sich einer besonderen Herausforderung verpflichtet: Sie spielen Musik, die nicht für ihre Instrumente geschrieben wurde und daher arrangiert werden muss. Das gilt insbesondere für Kompositionen des Barock und der Klassik, als es nur Naturhörner ohne Ventile gab. Sie verfügten über einen begrenzten Tonvorrat und änderten ihre Stimmung durch unterschiedliche Bogenlängen des Horns.

So begann der Abend mit Klassikern der Musikgeschichte, nicht im Original, sondern als Arrangements. Sarah Ennouhi, die im Wechsel mit Mia Aselmeyer die Moderation übernahm, erklärte: „Mal müssen wir mit den Streichern eines Orchesters mithalten können, mal sollen wir wie ein Klavier spielen.“ Zu hören gab es von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) die Ouvertüre zur Oper „Figaros Hochzeit“ und das dritte Hornkonzert. Oder von Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge in e-Moll sowie die Fuge in g-Moll. Eine Herausforderung für Bläser waren die langen temporeichen Passagen mit kurzen gestoßenen Noten. Das Quartett meisterte sie mühelos, für verspielte Melodien bei Mozart oder als rhythmisches Auf und Ab der Bach-Fugen.

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Die technische Weiterentwicklung zum heutigen Horn führte zu neuen Kompositionen, weshalb die Bläser mit der Suite für Hornquartett von Eugène Bozza (1905-1991) ein Originalwerk vortrugen. Darin wurden die neuen Spielmöglichkeiten mit sogenanntem Doppelhorn sowie mit Dämpfern für klangliche Veränderungen ausgereizt.

Einmal in der Neuzeit angekommen, ging es mit Komponisten des 20. Jahrhunderts weiter: Kerry Turners „Fanfare For Barcs“ oder Hermann Schroeders „Quartett-Sonate“ oder das „Fripperies 1 bis 4 für Hornquartett“ von Lowell E. Shaw. Dazu zählte der aus Chile gebürtige Matias Piñeira ein.

Sodann hieß es eintauchen in angejazzte Melodien und ein schaukelndes Meer aus Tönen. Der Ausklang des Konzerts war romantisch-träumerisch, die Blechinstrumente zeigten sich noch einmal von ihrer goldenen Seite: Etwa beim peruanischen Walzer „La Flor De La Canela“ von Chabuca Granda oder einem samtweich klingenden „Yesterday“.

Bei der Zugabe überraschte Matias Piñeira als talentierter Tenor, indem er ein Volkslied seiner Heimat vortrug. Mit dem wiederum von allen Hornisten gespielten Trinklied aus der Operette „Die Fledermaus“ endete ein erlebenswerter Abend.

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