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Illertissen

18.04.2018

Wenn zwei Instrumente miteinander Tango tanzen

Im Barocksaal boten Friedemann Wuttke auf der Gitarre und William Sabatier mit dem Bandoneon Tangorhythmen von Astor Piazzolla.
Bild: Regina Langhans

Die Musiker William Sabatier und Friedemann Wuttke überzeugen mit Leidenschaft und Akkuratesse.

Wenn Bandoneon und Gitarre auf der Konzertbühne miteinander Tango tanzen, könnte es sich um das Duo William Sabatier und Friedemann Wuttke handeln. Sabatier gilt als einer der jüngsten Bandoneonisten und Wuttke ist bekannt für seine vielseitige Gitarrenkunst. Die beiden haben das Publikum von Kultur im Schloss im vollen Barocksaal mit Musik unter anderem von Astor Piazzolla (1921- 1992) erfreut – voller Leidenschaft und mit Perfektion. Ihr Dank für den reichen Applaus waren zwei Stücke, bei denen sie trotz anstrengenden Programms nochmals ihre Finger über Saiten und Knöpfe fliegen ließen.

Die räumliche Begrenztheit des Barocksaals und ungewöhnliche Kunst auf dem Podium machten den Abend besonders. Piazzolla hatte den „Tango Nuevo“ oder neuen Tango mit Anleihen aus der Klassik, etwa Bach, sowie modernen Richtungen in die Konzertsäle geholt und das Bandoneon zum typischen Instrument dieser Musik gemacht. Sabatier lernte das in Europa seltene Hand- zuginstrument sehr früh, weil es sein Vater schon gespielt habe, wie der Franzose nach dem Konzert sagte.

Bestens eingespielt, zeigte das Duo im Barocksaal den Tango in all seinen emotionalen Facetten mit bewundernswertem technischem Können. Mit „Five Tango Sensations“ hatte es sich eines der Hauptwerke Piazzollas herausgesucht. Bei abrupten Akkordfolgen und wechselnden Tempi boten sie ein mitreißendes oder auch melancholisches Spiel: Die fünf Sätze waren charakterisiert mit den Attributen schlafend, liebend, Angst, Erwachen, Furcht. Dabei ließ Sabatier sein Instrument der menschlichen Stimme ähnlich klagen, singen oder jubilieren. Beim Spiel des Bandoneonisten gingen Mimik und Körper mit, als ob die Zerrissenheit seiner Emotionen nur im Klang des Instruments richtigen Ausdruck finden könnte.

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Als Komponist hatte Piazzolla seinem Instrumentarium auch die Gitarre hinzugefügt, sodass etwa der Titel „Adios Nonino“ teilweise nur von der Gitarre zu bestreiten war. Wuttke nutzte diese und andere Solopassagen, um mit virtuosem Spiel hervorzutreten.

Mit dem furios vorgetragenen „Prelude Nummer 1“ war eine Komposition von Heitor zu hören, mit „Uno“ ein Stück voller Dramatik von Mariano Mores. Auf dem Bandoneon klang es mit romantisch dahingehauchtem Vibrato aus.

Eine zum Programm passende Ergänzung und fürs Publikum akustische Bereicherung stellte der wunderschöne Vortrag von Johann Sebastian Bachs „Air“ dar. Das Bandoneon übernahm die Klangfarben der Violine, welche Sabatier beim Ziehen des Blasebalgs melodisch zu modellieren verstand.

Das Duo hatte sich bei einem Festival in Lyon kennengelernt und Wuttke sagte, dass ihm der singende, in die Tiefe gehende Klang des Bandoneons gefallen habe. Sie arbeiteten ein Programm aus und treten nun damit auf. Als Gitarrenvirtuose musste Wuttke diesmal die Schau mit dem Bandoneonisten Sabatier teilen. Als perfektes Paar harmonierten sie im Wiegeschritt des Tango – der eine mit Leidenschaft und der andere mit Akkuratesse.

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