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Kellmünz

05.04.2021

Wer hat die verschlungenen Gräben im Heuberg geschaffen?

Das südliche Ende des Römergrabens oberhalb Kellmünz.
Foto: Ralph Manhalter

Plus Was verbirgt sich hinter dem sogenannten Römergraben bei Kellmünz? Eine Spurensuche im Landkreis Neu-Ulm.

Ist zwischen Kellmünz und Filzingen einst ein Bach geflossen? Zumindest ist heute davon nichts mehr erkennbar. Außerdem wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass sich ein Gewässer seinen Weg parallel der Hangleite zum Illertal gesucht hätte. Die Quellbächlein wählen vielmehr den direkten Weg ins Tal. Somit dürfen wir zu Recht eine menschengemachte Geländemodellierung annehmen. Aber wer müht sich ab, auf einer Länge von nahezu einem Kilometer einen eingeschnittenen Graben durch den heutigen Heuberg anzulegen?

Römerstraße führte einst von Kellmünz nach Günzburg

Einen Hinweis darauf kann das nahe römerzeitliche Caelio Mons, Kellmünz, geben. Wobei wir hier schon beim volkstümlichen Namen des verschlungenen Gebildes angelangt sind: Römergraben heißt das topografische Phänomen schon seit Generationen. Was allein aussteht, ist eine wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen eines Geländeschnittes, wie Richard Ambs von den Freunden der Archäologie im Landkreis Neu-Ulm bekräftigt.

Konkret wird nämlich nicht nur in Fachkreisen hier der Lauf der einstigen Römerstraße vermutet, welche von besagtem Kastell Caelio Mons nach Guntia, dem heutigen Günzburg, führte. Dabei ist es naheliegend, dass diese antike Verkehrsader einen gebührenden Abstand zum Hochwasser gefährdeten Illertal wählte. Zumal auch der heutige Autofahrer zwischen den beiden Orten immer noch eine Engstelle zu passieren hat. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gebärdete sich der Alpenfluss nämlich wild und unstetig, wechselte permanent sein Bett und riss alles fort, was sich ihm in den Weg stellte.

Kein schöner Platz zum Anlegen einer Straße, mögen die verantwortlichen römischen Baumeister gedacht haben. Also keine Mühe gescheut, Sklaven und Schaufeln bestellt und den Berg halbiert. So kann es gewesen sein - wie gesagt, die Forschung hätte hier noch eine interessante Aufgabe. Ein zusätzliches Indiz hierfür ist eventuell das vor einigen Jahren entdeckte römische Bad in der Illertisser Vöhlinstraße: Das Bauwerk wurde ebenfalls in respektvollem Abstand zum Flusslauf auf leicht ansteigendem Gelände errichtet und befände sich damit quasi in der Verlängerung des Römergrabens.

Illertal: Verlauf von römischem Weg teils unsicher

Der weitere Verlauf des römischen Verkehrsweges im Illertal gegen Norden ist nicht gesichert. Zwar fand die Archäologie in den vergangenen Jahrzehnten kaiserzeitliche Gutshöfe unter anderem in Wulllenstetten und Aufheim. Wobei anzunehmen ist, dass diese nicht allzu weit von der Straße errichtet worden sind. Andererseits fehlt immer noch ein Hinweis auf eine mögliche Befestigung im Winkel zwischen Illermündung und Donautal. Hier, in der Nähe des heutigen Gurrenhofs, zweigte die Römerstraße ab, um in einem schnurgeraden Lauf – wiederum in sicherem Abstand – der Donau zu folgen. Als Eulesweg zwischen Ludwigsfeld und Finningen wird die einstige Trasse auch vom modernen Verkehr noch benutzt.

Zwischenzeitlich geht, wie Ambs erläutert, die archäologische Forschung sogar davon aus, dass die antike Straßenverbindung zwischen den beiden Kastellen Kellmünz und Günzburg in großen Teilen in der Nähe der heutigen Autobahn 7 verlief. Hingegen erscheint die Mutmaßung, das Rothtal könnte ebenfalls eine Römerstraße besessen haben, zunehmend unwahrscheinlich, allein da sich dort ebenfalls die Problematik der Überflutungen stellen würde. Den Kellmünz-Filzinger Römergraben betreffend dürfen wir voraussetzen, dass dieser Verkehrsweg auch später noch, im Mittelalter, genutzt wurde. Die Regulierung der Iller sollte erst viel später erfolgen.

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