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Altenstadt

28.09.2015

Widerstand gegen Kraftwerks-Pläne an der Iller

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Wenn weitere Kraftwerke in der Iller gebaut werden, wird die begonnene Renaturierung des Flusses um Jahrzehnte zurückgeworfen. Das glauben die Kraftwerksgegner, die sich am Wochenende in Altenstadt getroffen haben.
Bild: Ursula K. Balken

Fischer, Politiker und Naturschützer wollen weitere Anlagen in der Iller verhindern. Sie würden gegen EU-Richtlinien verstoßen und dem Gewässer erheblichen Schaden zufügen.

Die Protestbewegung gegen Wasserkraftwerke in der Iller gewinnt immer mehr an Dynamik und Fürsprechern. Auf großes öffentliches Interesse stieß nun auch eine Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft „Naturraum Iller“, die sich gegen weitere Iller-Kraftwerke richtet. Letztlich konnte das Zelt gar nicht alle Besucher fassen. Kommunen und Verbände wie Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Fischereiverbände sprachen sich unisono und vehement gegen Klein-Wasserkraftanlagen aus.

Versammelt hatten sich Vertreter der Fischereivereine aus dem Raum Neu-Ulm und dem Landkreis Unterallgäu. Im Prinzip von Neugablonz (bewirtschaftet ein Teilstück Iller bei Altusried) bis über Buxheim hinaus. Konkret geht es momentan darum, den Bau eines Wasserkraftwerks durch die Münchner Firma Fontin am Flusskilometer 23,48 bei Dietenheim zu verhindern.

Unterschriftenaktion gegen Wasserkraftwerk

„Das Genehmigungsverfahren läuft“, betonte der Vorsitzende des Fischereivereins Altenstadt, Dietmar Wagner, der den Start einer Unterschriftenaktion gegen das Projekt bekannt gab. Der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Untere Iller, Wolfgang Höß, betonte, dass man weitere Kraftwerke im Restwasserbereich der Iller unbedingt vermeiden muss. Zu den Hauptbetroffenen gehöre die Bevölkerung von Ulm bis Oberstdorf, die man nun mobilisieren müsse. Die Fischer seien zwar die Organisatoren, doch gehe es nicht nur um die Fische, sondern auch um den Naturraum Iller und die Gewässerökologie. Höß meinte, dass die Renaturierung der Iller durch den Einbau des Kraftwerks ins Mutterbett der Iller auf Jahrzehnte zum Stillstand kommt. Dies hielt er für umso unsinniger, da man für die Renaturierung des Flusses bei Vöhringen viele Steuergelder in die Hand genommen habe. Die begonnene Arbeit könne bei einem Kraftwerksbau nicht fortgeführt werden. „90 Prozent des Illerwassers, das in Filzingen ankommt, fließt in den Uiag-Kanal zum Betrieb der bestehenden Kraftwerksanlagen und nur zehn Prozent Restwasser verbleiben in der Iller“, berichtete Wolfgang Höß.

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Als problematisch wird gesehen, dass sich der aktuelle Antrag der Firma Fontin zum Kraftwerksbau auf ein kleines Iller-Teilstück auf württembergischer Seite bezieht. Laut dem stellvertretenden Landrat des Kreises Neu-Ulm, Herbert Pressl, sind die württembergischen Behörden offenbar gewillt, das Projekt zu genehmigen. Auch habe der Gemeinderat Dietenheim zugestimmt. Auf bayerischer Seite hatten die Kommunen dem Erstantrag vor ein paar Jahren die Zustimmung versagt. Höß bekräftigte, dass eine Entscheidung erst fallen sollte, nachdem ein Gewässernutzungsplan für die gesamte Iller erstellt wurde.

Umweltschützer fürchten um die Fischbestände der Iller

„Das rechtfertigt keinen so großen ökologischen Eingriff“, würdigte Pressl die Tatsache, dass das Kleinkraftwerk nur etwa 400 Haushalte mit Strom versorgen könnte. Wenn aber der Antrag durchgehe, sei das nur die erste Wasserkraftanlage von acht oder mehr. Pressl zeigte sich entschlossen, dass man letztlich auch den Rechtsweg gehen wird. Auch Ulrich Krafczyk, Geschäftsführer des Fischereiverbandes Schwaben, sprach davon, Klage einzureichen. Er glaubt, dass die Fischbestände in der Iller überaltern und aussterben. Da die Durchgängigkeit des Gewässers fehle, kommen nicht genügend Fische von der unteren Iller in den oberen Bereich nach.

Die bestehenden Querbauwerke könne man umgestalten. Allerdings nur, wenn keine neuen Kraftwerke eingebaut würden. „Wir sind massiv gegen das Vorhaben“, betonte Bernd Kurus-Nägele vom Bund Naturschutz. Eigentlicher Skandal sei der Missbrauch der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. So müsse ein Gerinne, das als Fischaufstiegshilfe gedacht ist, als Begründung für den Kraftwerksbau herhalten. „Dadurch wird ein Präzedenzfall geschaffen, der uns Jahrzehnte beschäftigen wird“, fügte Kurus-Nägele an. Jürgen Kath vom württembergischen Fischereiverband freute sich, dass so viele Verbände an einem Strang ziehen und wünschte viel Erfolg für das Vorhaben.

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