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Babenhausen

16.07.2020

Wie Kößler Technologie auf die Krise reagiert

Kößler Technologie mit Sitz in Babenhausen stellt Präzisionsteile und Baugruppen für die Industriezweige Automotive und mobile Hydraulik her.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Der Automobilzulieferer Kößler Technologie mit Sitz in Babenhausen ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Ein guter Ausgangspunkt für eine Phase, die von Ungewissheit geprägt ist?

Die Urlaubszeit ist für die Geschäftsführung des Babenhauser Unternehmens Kößler Technologie in diesem Jahr nicht gerade ein Grund zur Freude. Sie löst ein mulmiges Gefühl aus. Denn heuer könnten die Mitarbeiter nicht nur Sommerbräune aus dem Urlaub mitbringen – sondern auch eine Corona-Infektion. „Unsere Bitte an die Mitarbeiter ist, es zu vermeiden, in Risikogebiete zu reisen“, appelliert deshalb Patrick Kößler, Leiter des Bereichs Produktion. „Da ist jetzt Solidarität gefragt.“ Denn die Pandemie hat Kößler als Zulieferer der gebeutelten Automobilindustrie ohnehin schon getroffen. Ein Ausbruch im Unternehmen, eine zweite Welle, die über die Region hereinbricht: Das wäre fatal. Die Geschäftsführung ist dennoch optimistisch.

Krisen erfordern "langen Atem"

Wochenlang standen Werke großer Autohersteller still – und Zulieferer wie die Kößler Technologie GmbH, deren Arbeit zu knapp 90 Prozent an der Branche hängt, gerieten in eine Talfahrt. „Im April hat es uns am meisten getroffen“, berichtet Sabine Kößler, die den Bereich Finanzen und Personal leitet. Und Geschäftsführer Sascha Kößler schiebt nach: „Der Mai war auch nicht rosig.“ Die Reaktion darauf? Zwei Dinge, so die Geschäftsführung, habe die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sie gelehrt: Erstens, dass es wichtig ist, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, statt abzuwarten. Zweitens, dass eine Krise „einen langen Atem“ erfordert.

So habe das Gesamtunternehmen im April Kurzarbeit angemeldet – zunächst zu einem hohen Satz von 70 Prozent. Darüber hinaus, berichtet Sonja Mittelstädt, Assistentin der Geschäftsführung, spürte das Controlling Einsparpotenziale auf: Auf was kann man verzichten, was ist unbedingt notwendig? Kündigungen habe es aber keine gegeben.

Inzwischen habe sich das Verhältnis von Kurzarbeit und regulärer Arbeitszeit gedreht: 30 zu 70 Prozent. „Es wäre uns natürlich lieber, die Mitarbeiter wieder ganz rauszuholen“, sagt Sascha Kößler. Denn: Die Wochen im Krisenmodus haben ihre Spuren hinterlassen. Assistentin Sonja Mittelstädt berichtet: „Wir haben das Gefühl, dass eine große Unsicherheit bei den Mitarbeitern da ist. Da hängen ja auch Existenzen dran. Wir schauen von Fall zu Fall und versuchen, alle mitzunehmen.“

Kößler Technologie GmbH will weiterhin Arbeitsplätze schaffen

In den vergangenen Jahren hatte Kößler Technologie kräftig investiert. Die Belegschaft wuchs auf rund 450 Mitarbeiter an, gleichzeitig setzte das 1972 gegründete Unternehmen auf Automatisierung und Digitalisierung, vergrößerte seine Produktionsflächen. Der Umsatz stieg deutlich. Ein guter Ausgangspunkt für eine Krise, die von Ungewissheit geprägt ist – oder, ganz im Gegenteil, ein Risiko? „Ich denke, langfristig gesehen, ist es gut gewesen“, sagt Sascha Kößler. Sabine Kößler ergänzt: „Wir haben in die Zukunft investiert. Zuletzt hatten wir ein Wachstum im zweistelligen Bereich. In den nächsten Jahren wollen wir gediegener wachsen.“

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Was die Entscheidungsträger positiv stimmt: Zwar sei die Stückzahl in der Produktion gesunken, ganze Aufträge allerdings sind nach ihren Worten bisher nicht weggebrochen. Auch die Kunden erwachten wieder aus der Schockstarre, in welche der Lockdown sie versetzt hatte. Darum will die Babenhauser Firma an ihrem Ziel festhalten und neue Arbeitsplätze schaffen. Auch aus diesem Grund entschied sich die Geschäftsführung dazu, wieder zehn Lehrstellen im neuen Ausbildungsjahr anzubieten.

Von der Politik wünschen sich die Unternehmer einheitliche, klar definierte Leitlinien, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern. „Da fühlt man sich teils schon allein gelassen“, sagt Sascha Kößler. „Der größere Mittelstand tut sich schwer.“ Allein die Sicherheitsmaßnahmen seien mit hohem Aufwand verbunden – da sollte man nicht täglich neu recherchieren müssen, was gerade Sache ist.

Wie es weitergeht? „Meine Einschätzung: Das Ganze wird uns noch länger begleiten. Es wird ruckelig vorwärtsgehen“, sagt Sascha Kößler. „Die Frage ist: Wie wird der Markt reagieren, wie der Endkunde? Die nächsten Monate werden spannend.“ Entscheidend sei nicht nur der deutsche Markt, sondern etwa auch der amerikanische und osteuropäische. Den Optimismus lassen sich die Kößlers nicht nehmen: Man gehe vom „Best Case“ aus – vom besten Fall.

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