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Illertissen

14.02.2018

Wie Valentinstag und Aschermittwoch zusammenpassen

Liebe und Verzicht schließen sich heute - am Aschermittwoch und Valentinstag - nicht aus, findet Pfarrer Andreas Specker.
Bild: Florian Schuh, dpa, tmn (Symbol)

Pfarrer Andreas Specker möchte mit Gottesdiensten der anderen Art Menschen in die Kirche holen. Was er heute Abend in Au vorhat.

Heute, 14. Februar, ist Valentinstag, der Tag der Liebenden und zugleich Aschermittwoch, also der Tag, an dem für viele Christen die vierzigtägige Fastenzeit beginnt. Damit treffen zwei Vorstellungen aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Mensch im Liebesglück sowie als Büßer in Sack und Asche. Oder auch der Mensch in einer von Konsum geprägten Valentinstagsgesellschaft und auf der anderen Seite in einer Gruppe, die Verzicht übt. Eine schwierige Konstellation für jene, denen Gedenktage etwas bedeuten? Das findet Pfarrer Andreas Specker von der Pfarreiengemeinschaft (PG) Illertissen nicht. Im Gegenteil: Heute Abend feiert er in der neuen Kirche in Au ab 19.30 Uhr den etwas anderen Valentinsgottesdienst am Aschermittwoch. Es spielt die Band „For-Ever-Young“, danach bieten Fachleute Paaren Beratungsgespräche an.

Specker sieht sogar einen direkten Zusammenhang zwischen den Themen Fasten und Umkehr auf der einen Seite sowie Zuwendung und Liebe auf der anderen. Nun ist er gespannt auf die Kirchenbesucher, wer zum Auflegen des Aschekreuzes kommt und wer sich als Paar den Segen wünscht – oder in beiden Anliegen erscheint. Bei dieser Form von Gottesdienst handelt es sich um eines der bunten Angebote, die sich seit einiger Zeit rund um die herkömmliche Messfeier etabliert haben.

Vor eineinhalb Jahren ist Specker aus dem Krankenstand zurückgekehrt. Um die gleiche Zeit ist Dekanatsjugendseelsorger Martin Gall von Tiefenbach versetzt worden. Seitdem hat sich manches geändert. Das Tiefenbacher Pfarrhaus steht leer und innerhalb des Seelsorgeteams der PG Illertissen wurde der Stundenanteil von Martin Gall nicht mehr besetzt. Als indirekte Folge finden die Sonntagsgottesdienste abwechselnd in Tiefenbach und Betlinshausen statt. Specker erklärt: „Die Entscheidung hat der Pastoralrat nach der Anzahl der Kirchenbesucher getroffen, die tatsächlich in den beiden Pfarreien am geringsten ist.“

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Alternativ dazu wäre die dritte Messe am Wochenende in Illertissen gestrichen worden, was einen Wegfall der besonderen Gottesdienstangebote bedeutet hätte, so Specker. Aber er weist auch darauf hin, dass in jeder der fünf Pfarreien wöchentlich mindestens einmal eine Messe gefeiert werde, die gegebenenfalls eben auf einen Werktag falle.

Zu den besonderen Angeboten zählten etwa die verschiedenen Formen von Jugendgottesdiensten, wobei der Abenteuergottesdienst in St. Martin in Illertissen mit Spielstraße im Brunnenhof voriges Jahr dazugekommen sei. Gute Tradition seien die Orchestermessen mit der Musik verschiedener Komponisten.

Und rundherum hätten sich neue Formen der Begegnung etabliert, sei es das Kirchencafé, der Tauschring oder das Jahresprogramm mit Konzerten verschiedener Ausrichtung sowie eines mit Veranstaltungen für jüngere Erwachsene. Auch dieses ist neu. Im weiteren Sinne zählt auch die Bücherei mit Autorenlesungen dazu.

Specker will möglichst viele Menschen erreichen und Gelegenheiten bieten, an der Kirche neue Seiten zu entdecken. Als Vorteil erwiesen sich da die unterschiedlich konzipierten Gotteshäuer der fünf Pfarreien. So eigne sich die neue Kirche von Mariä Himmelfahrt in Au bestens für die Valentinsfeier wegen des Raumangebots für die anschließenden Gespräche. Dagegen erhielt die „Nacht der Lichter“ in St. Meinrad in Jedesheim wegen ihres stimmungsvollen Ambientes gute Resonanz. Als Pfarrer ist Specker bemüht, Trends der Gesellschaft in seine Gottesdienstangebote einfließen zu lassen und ist gerne zu Experimenten bereit, so weit es seine Möglichkeiten gestatten. So lässt er verschiedene Bands während mancher Gottesdienste auftreten.

Was in Illertissen vom Pfarrer erwartet wird, darin habe sich das Denken in der nunmehr zehn Jahre bestehenden Pfarreiengemeinschaft geändert, glaubt Specker. Als in den Anfangszeiten der PG festgelegt wurde, dass sich Illertissen und Jedesheim beim Beginn ihrer Sonntagsgottesdienste abwechseln sollten, gab es lautstarke Proteste. „Die Entscheidung vor eineinhalb Jahren, am Wochenende entweder in Tiefenbach oder in Betlinshausen Gottesdienst zu feiern, wurde beinahe geräuschlos hingenommen“, so der Geistliche. Er ist überzeugt: „Kirche wird es nur noch dort geben, wo die Menschen bereit sind, auch ihren Teil dazu beizutragen. Wir müssen von der Bestellmentalität wegkommen.“

Denn eine Kirche haben wollten die Menschen schon. Daher unterstütze er die Aktivitäten der Mitglieder seiner PG. „Wenn wir Talente unter uns haben, sollen sie genützt werden, die Leute müssen mit ihren Ideen nur kommen“, sagt Andreas Specker.

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