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Illertissen

11.02.2020

Wie alte Handys dem Klimaschutz helfen

Alte Handys und Kabelsalat: So sieht es in vielen Schubladen aus. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass hierzulande rund 124 Millionen ausgediente Geräte unbenutzt herumliegen. Sie sollten dringend recycelt werden.
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Alte Handys und Kabelsalat: So sieht es in vielen Schubladen aus. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass hierzulande rund 124 Millionen ausgediente Geräte unbenutzt herumliegen. Sie sollten dringend recycelt werden.

Plus Im Illertisser Rathaus gibt es nun eine Sammelstelle für gebrauchte Smartphones. Millionen davon liegen ungenutzt in Schubladen. Warum das der Umwelt schadet.

Ein altes Handy einfach wegzuwerfen, fällt schwer. Schließlich hat es in den meisten Fällen mal viel Geld gekostet. Und wer weiß, wem es dann in die Hände fällt – vielleicht sind ja doch nicht alle Bilder und Daten restlos von dem Gerät gelöscht. Die unbenutzten, womöglich auch nicht mehr ganz funktionsfähigen Geräte, zuhause in einer Schublade zu sammeln, schadet ja niemandem, oder?

Wertvolle Rohstoffe im Elektroschrott

Dass das so nicht stimmt, erklärt der Illertisser Klimaschutzmanager Simon Ziegler. Die Smartphones in der Schublade schaden sozusagen der Umwelt. Denn in ihnen stecken Unmengen an Rohstoffen, die für die Produktion neuer Telefone benutzt werden könnten. Wir alle gemeinsam sitzen wohl auf einem Schatz von 2,9 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber und 1100 Tonnen Kupfer. Doch für die Herstellung neuer Smartphones und insbesondere deren Akkus werden stetig Rohstoffe auf anderen Kontinenten abgebaut. Das Problem dabei sind nicht nur die langen Transportwege, die die Ressourcen beispielsweise aus Südafrika in die Produktionsstätten in China zurücklegen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass es zum Teil kaum nachzuvollziehen ist, aus welcher Mine die verbauten Edelmetalle stammen und ob dort faire Arbeitsbedingungen herrschen. Die in Handy verbauten Rohstoffe stammen zum Teil aus afrikanischen Bürgerkriegsregionen. Der Abbau und Verkauf von zum Beispiel Gold und Zinn finanziert die Kämpfe in diesen Ländern weiter.

Wie die Stadt Illertissen helfen will

Klimaschutzmanager Ziegler will den Bürgern ermöglichen, auf einfache Weise ihren Beitrag in Sachen nachhaltiges Handy und zum Schutz der Ressourcen leisten zu können. Im Rathaus steht nun die sogenannte Mobile-Box, eine Sammelkiste, in die alte Telefone zum recyceln eingeworfen werden können. Illertissen ist damit ein Vorreiter in der Region. Eine ähnliche Box steht auch im Eine-Welt-Laden im Benefiziatenhaus bei der Kirche. Die Kiste im Rathaus wird von der Aktion „Handys für die Umwelt“ zur Verfügung gestellt, die wiederum von der Deutschen Umwelthilfe unterstützt wird.

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So sieht die Sammelbox im Illertisser Bürgerbüro aus.
Bild: Simon Ziegler

Die Verantwortlichen der Aktion haben ausgerechnet, dass allein für die 24 Millionen neuen Smartphones, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, 720 Kilogramm Gold, 264 Kilogramm Palladium, 7320 Kilogramm Silber, 396 Tonnen Kupfer und 1531 Tonnen Kunststoffe benötigt werden. Etwa fünf mal so viele Geräte, wie jährlich für den deutschen Markt produziert werden, liegen laut Schätzungen unbenutzt in irgendwelchen Kisten und Schränken in der Bundesrepublik. Die Handys und Smartphones sollen nun eingesammelt werden. Im Idealfall können die Telefone von den Experten aufbereitet und als gebrauchte Geräte wiederverkauft werden. Vorher löschen Experten alle Nutzerdaten von den Geräten, versprechen die Organisatoren. Ist ein Handy wirklich so alt und abgenutzt, dass es nicht weiter genutzt werden kann, wird es an zertifizierte Recyclingunternehmen weitergegeben. Die wiedergewonnenen Rohstoffe stehen dann zur Produktion neuer Geräte zur Verfügung.

Besser ein gebrauchtes Smartphone kaufen

Wer sein Telefon nicht in die Box im Illertisser Bürgerbüro einwerfen will, kann es auch per Post an die Deutsche Umwelthilfe c/o Mobile-Box, Vogelsangerstraße 282, 50825 Köln schicken. Wer kein altes Handy abzugeben hat, aber dafür auf der Suche nach einem möglichst umweltfreundlichen Gerät ist, kann sich eines der gebrauchten, aufbereiteten Modelle im Online-Shop unter futurephones-shop.de bestellen.

Klimaschutzmanager Ziegler sagt über die Handysammelaktion: „Es ist leicht, hier etwas Gutes zu tun. Der Verbraucher muss nicht einmal sein Verhalten umstellen.“ Denn als technikinteressierter Mensch könne er sehr gut nachempfinden, dass sich jemand ein neues, ausgefeilteres Modell zulegen will. Dafür ein altes Gerät zum Recyceln abzugeben, spart laut der Deutschen Umwelthilfe aber ganze 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm Treibhausgasemissionen.

Man kann natürlich auch probieren, sein altes Handy zu reparieren. Dabei hilft das Illertisser Reparaturcafé. Lesen Sie dazu Reparaturcafé in Illertissen: Zuerst wird an der Mikrowelle geschraubt.

Auch interessant: Jugend und Klima: Ein Untereicher Mechatroniker steht vor der Kamera

Mehr zum Projekt unter handysfuerdieumwelt.de.


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