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Illertissen

13.11.2019

Wie die Zombies in das Illertisser Heimatmuseum kamen

Das runde, bunte Gebilde ist eine Art Herzstück des neu gestalteten Illertisser Heimatmuseums, wie Kulturreferentin Susanne Schewetzky findet. In den Vitrinen findet sich auch Waschpulver made in Illertissen. Auch diese Handgranate hat ihren Platz in der ausstellung gefunden.
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Das runde, bunte Gebilde ist eine Art Herzstück des neu gestalteten Illertisser Heimatmuseums, wie Kulturreferentin Susanne Schewetzky findet. In den Vitrinen findet sich auch Waschpulver made in Illertissen. Auch diese Handgranate hat ihren Platz in der ausstellung gefunden.

Plus Das Heimatmuseum Illertissen zieht nach seiner Umgestaltung deutlich mehr Besucher an als früher. Jetzt gibt es auch eine eigene Abteilung für Kuriositäten.

Die Illertisser Welt ist nicht sehr groß, dafür aber ausgesprochen bunt. Sie hat Platz für vieles, für antike Waffen ebenso wie für Zombies, für Waschmittel, Gartenzwerge und den bekannten Geflügelmarkt, wenn auch nur in Form eines Fotos. All das und noch etliches mehr hat seinen Platz im sogenannten Objekt-Planeten, der den Kern des neu gestalteten Heimatmuseums bildet. Das annähernd kugelförmige Gestell mit seinen beleuchteten Vitrinen aus Stahl und Plexiglas enthält so manches, was mit Illertissen zu tun hat. Aber Zombies?

In acht Monaten kamen 8000 Besucher in das Museum

Ja, sie sind die blutrünstigen Hauptdarsteller im Film „World War Z“, den der in Illertissen geborene Regisseur Marc Forster gedreht hat. Deshalb gehören auch DVDs von einigen seiner erfolgreichen Filme in diesen kleinen künstlichen Planeten, der sozusagen die Vielfalt der Illertisser Welt einst und jetzt abbildet. Oder, um es mit den Worten von Susanne Schewetzky zu sagen: Diese aufwendige Museumsskulptur soll „die Verbindung Illertissens in die Welt zeigen“. Susanne Schewetzky hat als Kulturreferentin der Stadt die Neugestaltung des Heimatmuseums maßgeblich mit vorangetrieben. Wie sehr sich das gelohnt hat, lässt sich an einer Zahl ablesen, die Bürgermeister Jürgen Eisen derzeit in den Bürgerversammlungen vorträgt: Allein im Jahr 2018 besuchten rund 8000 Menschen die Ausstellung im Vöhlinschloss. Und heuer?

Heimatverein hatte manches an der Umgestaltung auszusetzen

Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor, doch nach den Worten von Susanne Schewetzky sei das Interesse der Menschen nach wie vor hoch. Die Zahl von 8000 ist bemerkenswert, denn sie kam in nur etwas mehr als acht Monaten zusammen, denn das Museum wurde erst am 20. April 2018 wieder eröffnet. Fast sechs Jahr lang waren seine Türen geschlossen. Die komplette Neugestaltung lief bekanntlich nicht ganz reibungslos und teilweise gegen erbitterten Widerstand aus den Reihen des Heimatvereins, der es nicht hinnehmen wollte, dass viele der lange ausgestellten Exponate im Depot verschwinden sollten.

Ziel des neuen Konzeptes war es, sich auf wenige Stücke zu konzentrieren, die dafür einen ganz speziellen Bezug zu Illertissen haben, und: Geschichte sollte sehr stark anhand von Menschen erzählt werden. Unter dem Strich hat die Umgestaltung laut Schewetzky 450.000 Euro verschlungen. Die scheinen angesichts des hohen Zuspruchs gut angelegt zu sein, denn vor dem einst so hitzig diskutierten Umbau verirrten sich gerade mal 3000 Menschen pro Jahr in die Schau. Jetzt berichtet Susanne Schewetzky von sehr vielen positiven Rückmeldungen: „Die meisten sagen, da tauchen jetzt viele neue Blickwinkel auf.“

Das runde, bunte Gebilde ist eine Art Herzstück des neu gestalteten Illertisser Heimatmuseums, wie Kulturreferentin Susanne Schewetzky findet. In den Vitrinen findet sich auch Waschpulver made in Illertissen. Auch diese Handgranate hat ihren Platz in der ausstellung gefunden.

Dazu gehören manche scheinbare Kleinigkeiten, die in den sechs Jahren unverhofft den Museumsmachern offeriert wurden und bei der Kulturreferentin ungeahnte Glücksgefühle auslösten. „Wenn so was auf deinem Schreibtisch landet, freust du dich wie ein Kind“, erzählt sie. Dazu gehören etwa die Clownsschuhe, die von der bekannten Illertisser Schaustellerfamilie Stey zur Verfügung gstellt wurden. Ein Stück, das niemand mehr so recht im Blick hatte, war ein Nachdruck des berühmten Pflanzenbuches „Hortus Eystettensis“, zu Deutsch „Der Garten von Eichstätt“. Es stammt aus dem Jahr 1713 und zeigt viele schöne Abbildungen. Allerdings lag der Foliant auf dem Rathausspeicher, wo die Tauben auf dem Buch nisteten und auch noch das eine oder andere darauf fallen ließen. Schön sind ebenfalls die nachgebauten Stereoskop-Betrachter, in denen 3-D-Bilder aus den späten 20er-Jahren stecken, unter anderem vom Auftritt eines Tanzbären in der Stadt. Klein und hübsch ist die Geschichte des 1937 gestorbenen letzten Ortsgendarmen, der damals auch die Sperrstunde ansagte. Wenn er das Wirtshaus betrat und sich eine Halbe bestellte, wussten alle: Eine geht noch, doch wenn der Ordnungshüter ausgetrunken hatte, war es Zeit zum Zahlen. Ein etwas heikles Objekt schien zunächst die Handgranate aus dem ersten Weltkrieg, die im Depot auftauchte. Für sie musste eigens ein Team von Bombenentschärfern anrücken, um sie zu untersuchen. Doch sie war zum Glück nicht mehr scharf.

Ein extra Raum Kuriositäten

Ein eher skurriles Stück aus dem alten Bestand hat weiterhin seinen Platz in den Schlossräumen: die chinesische Hausnummer. Sie hing aus unerfindlichen Gründen ebenfalls im Heimatmuseum. Nun befindet sie sich im sogenannten Spiegelkabinett, das so etwas wie die klassische Wunderkammer ist. Solche Raritäten- oder Kuriositätenkabinette entstanden in fürstlichen Häusern durch die Entdeckungsreisen des 15. bis 17. Jahrhunderts. Dort hatte vieles Platz, was Aufmerksamkeit erregte. So ist auch dieses Spiegelkabinett gedacht. Dort können historische Fundstücke gezeigt werden, die nicht zu den anderen Exponaten passen.

Zur Ausstellung gehören auch etliche Filme rund um Illertissen. Einer davon sticht heraus, obwohl er nur unter dem harmlosen Titel „Nautilla“ aufgereiht ist: Dahinter steckt ein ARD-Bericht aus dem Jahr 1994 über den legendären Nacktbadestreit im Spaßbad – mit erstaunlich freizügigen Bildern. Und weil norddeutsche Zuschauer mit den original schwäbischen Aussagen einiger Besucher nicht überfordert werden sollten, war alles schön mit hochdeutschen Untertiteln versehen. Einer der Nudisten drohte damals unverhohlen, wenn das Nacktbaden abgeschafft werde, demonstriere man nackt vor dem Rathaus. Von solch einer Demo ist in der Stadthistorie nichts bekannt. Übrigens: Nach einem kurzzeitigen Verbot und entsprechender Aufregung schliefen die FKK-Abende 2013 ein. Das Interesse war zu gering geworden.

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