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Illertissen

15.01.2019

Wie eine 59-Jährige zwei mal den Tod überwand

Morgenstimmung am Ufer des Yellowstone Lake im Yellowstone Nationalpark, Wyoming, USA - Symbolfoto zu Nahtoderfahrungen. US-Forscher wollen der Lösung des Phänomens Nahtod ein Stück näher gekommen sein. Ein starker Anstieg der Hirnaktivität während des Sterbeprozesses könne für die intensiven Erfahrungen und Visionen verantwortlich sein, von denen Menschen nach einer Nahtoderfahrung erzählen, berichtete der britische Sender BBC am Dienstag (13.08.13) unter Berufung auf eine Studie der US-amerikanischen Universität von Michigan. Bei einem Nahtoderlebnis beobachten Menschen ihren eigenen Körper oft von außen. Sie berichten vom Gefühl zu schweben, von Lichtvisionen und Glück; oft erinnern sie sich später an eine Begegnung mit Verstorbenen oder einen Lebensfilm, der ablaufen sei. (Siehe epd-Meldung vom 13.08.2013)
Bild: Gerhard Zwerger-Schoner

Anita Schlüters Herz stand bereits zwei mal für mehrere Minuten still. Warum ihr diese Erfahrungen die Angst vor dem Sterben genommen haben.

„Ich fühlte mich, wie in einem Raum, der von einer hellen Sonne durchflutet war, spürte eine wunderbare Wärme, ein ungemein leichtes, erfüllendes Gefühl und nahm einen süßlichen Geruch wahr.“ Wenn Anita Schlüter von ihren Nahtoderfahrungen berichtet, leuchten ihre Augen. Sie wirkt entspannt und glücklich. Sie kann sich noch gut an die Minuten erinnern, in denen ihr Herz während laufender Operationen für wenige Minuten still stand. Beide Male gelang es den Ärzten, sie ins Leben zurück zu holen. „Ich wollte mich nicht rufen lassen, wollte nicht weg von diesem wunderbaren Ort“, berichtete die 59-jährige.

Auf Einladung ihrer Freundin Johanna Nientiedt, die sich als Einsatzleitung bei der ambulanten Hospizbegleitung Illertissen engagiert, ist Anita Schlüter aus dem nordrhein-westfälischen Olfen nach Illertissen gekommen. Trotz starker Schneefälle und Verwehungen auf den Straßen ist der Andrang auf den Vortrag „Dem Leben und dem Tod nahe“ groß. Die Organisatoren müssen noch mehr Stühle in den Pfarrsaal St. Martin tragen.

Den ersten Herzstillstand erlebte sie mit nur 26 Jahren

Ohne Tabus spricht die zierlich wirkende Referentin von einem Thema, um das viele Menschen einen großen Bogen machen: den Tod. Bewusst verbindet sie das Leben mit dem Tod, weil ja beide untrennbar mitei-nander verbunden sind. Ganz offen gibt Schlüter ihren aufmerksamen Zuhörern einen tiefen und sehr persönlichen Einblick in ihr mehr als bewegtes Leben: Auch ihr heute erwachsener Sohn habe schon einmal an der Schwelle zum Tod gestanden. Schlüter selbst musste im Abstand von mehreren Jahren wegen einer schweren Krankheit komplizierten Operationen unterziehen.

Die erste stand nur fünf Monate nach ihrer Hochzeit an. „Ich war damals 26 Jahre an, wollte das einfach durchziehen und dann ohne Kuraufenthalt ganz normal weiterleben“, erinnerte sie sich. Doch dann sei ihr Herz bei laufender Operation stehen geblieben. „Das Gefühl, das ich in diesen Minuten empfand, war das ungewöhnlichste, das ich je erlebt habe. Es hat mir die Angst vor dem Tod genommen“, sagt die Referentin. Gegen ihren Willen sei sie von den Ärzten wieder ins Leben zurück geholt worden und habe dieses fortan als Pflicht gesehen habe. „Seit dieser Erfahrung weiß ich, dass der Tod genauso schön sein kann.“

„Ich habe mein Leben wie einen Film blitzschnell vor mir ablaufen sehen“

Im Jahr 2011 erhielt die damals 52-jährige eine Diagnose, „die mich echt umgehauen hat“, erzählt sie. Auch bei der folgenden schwierigen Operation sei sie dem Tod wieder ganz nahe gewesen. „Während des Herzstillstandes habe ich mein Leben wie einen Film blitzschnell vor mir ablaufen sehen“, berichtet Schlüter. Die Stimme, die anschließend dreimal zu ihr gesagt habe „Du bleibst“, könne sie eindeutig ihrer früh verstorbenen Mutter zuordnen.

„Nach diesem Erlebnis habe ich mich wieder mit aller Kraft in mein Leben gestürzt. Denn ich habe erkannt, dass es ein riesengroßes Geschenk ist – vor allem, wenn einen viele liebe Menschen begleiten.“ Die Referentin zeigt sich überzeugt: „Es gibt keinen Grund, Angst vor dem Tod zu haben.“ Diese Gewissheit gebe ihr nach eigenen Worten auch die Kraft, sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit zu engagieren. Im Anschluss an ihren teilweise frei, teilweise aus eigenen Aufzeichnungen bestehenden, spannenden Vortrag stellte sich Anita Schlüter den Fragen ihrer interessierten Zuhörer im Pfarrsaal.

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