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Illertissen

27.04.2018

Wie kann Afrika geholfen werden?

Vor allem Kinder sind von Armut und Hunger bedroht. Bei der Diskussionsrunde im Kolleg der Schulbrüder erarbeiteten die Teilnehmer einige Ansätze, wie dem Kontinent geholfen werden kann.
Bild: Ansgar Batzner

Wie dem Kontinent geholfen werden kann, damit beschäftigte sich eine Gesprächsrunde in Illertissen. Für einige Anwesende war das Thema sehr emotional.

„Wer hier glaubt, dass Afrika arm ist?“, hallte es durch den Saal den knapp 100 Zuschauern entgegen. Erst, als der dunkelhäutige Mann, der da vor der Bühne im Saal des Kollegs der Schulbrüder stand, seine Worte erbost wiederholte, trauten sich ein paar der Gäste, die Hände zu heben. „Afrika ist nicht arm!“, schrie der Mann darauf. „Afrika ist einer der reichsten Kontinente. Das Problem ist, dass er ausgebeutet wird.“ Der Name des Mannes ist Paul Agbih. Er kommt aus Nigeria, lebt aber seit vielen Jahren in Deutschland. Mit seinem Einwurf unterbrach er eine emotionale Diskussion. Denn im Kolleg der Schulbrüder in Illertissen wurde bei einer Gesprächsrunde unter Moderation von Schulamtsleiter Ansgar Batzner hitzig über den Kontinent und die richtige Hilfe der Menschen dort debattiert. Mit der Podiumsdiskussion wollten die Veranstalter vor allem informieren – und zum umdenken anregen, wie Batzner sagte.

Die ehemalige bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, Beate Merk, hob besonders das bayerische Engagement in Afrika hervor: Man habe das Budget für Entwicklungshilfe seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 deutlich erhöht, auf 25 Millionen Euro jährlich. Mit dem Geld wolle die Staatsregierung vor allem Fluchtursachen bekämpfen und den Menschen in Afrika helfen, sagte die Landtagsabgeordnete der CSU.

Einer, der sich mit dem Thema besonders auskennt, ist Volker Seitz. Für ihn war klar: „Immer noch mehr Geld zu investieren ist nicht der richtige Schritt.“ Seitz war mehr als 40 Jahre für das Auswärtige Amt tätig und war unter anderem als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und in Äquatorialguinea unterwegs. Seit seiner Pensionierung vertritt er allerdings nicht mehr die Ansichten der Bundesregierung, wenn es um die richtige Hilfe für Afrika geht, sondern wettert vielmehr gegen sie: „Das viele Geld aus Europa bringt dem Kontinent rein gar nichts“, sagte er. Vieles davon komme schlicht nicht bei den Menschen an, weil viele Staatschefs das Geld für sich behalten würden. Diese Eindrücke teilte auch die Bellenbergerin Sylvia Rohrhirsch, die vor einigen Jahren ein Schulprojekt in Afrika initiierte. Aus ihren Eindrücken aus Kenia berichtete sie von protzigen Villen, die sich der Regierungschef bauen lasse, während die Bevölkerung zu arm sei, um Brunnen anzulegen. Für Rohrhirsch ist eines besonders wichtig: „Es braucht mehr Bildung an der Basis.“ Gerade Frauen auf dem Land hätten kaum die Chance, eine Schule zu besuchen.

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Während Merk die Entwicklungshilfe aus Bayern und Europa verteidigte, fand einer der Gesprächsteilnehmer deutliche Worte. Friedrich Lien, der aus Kamerun stammt, dort Jura studierte und heute ehrenamtlich im „Afrodeutschen Forum“ in Ulm tätig ist, bestätigte Rohrhirschs Eindrücke von Korruption. „Dazu gehören aber immer zwei Seiten. Die Gelder gehen schließlich aus Europa oft direkt an die Regierungen“, sagte er. Ein großes Problem bei der Entwicklungshilfe sei die Überheblichkeit der Europäer. „Die kommen mit der Einstellung nach Afrika: Wir sind besser, wir sind reicher, wir helfen euch jetzt.“ Diese Art zu denken sei aber mehr schädlich als nützlich. Soziologin Daniela Roth sah das ganz ähnlich: „Durch die Entwicklungshilfe wird den Afrikanern oft auch die Möglichkeit zur Eigeninitiative genommen. Das schafft Abhängigkeit.“ So könne man dem gebeutelten Kontinent auf keinen Fall auf die Beine helfen.

Doch wie muss Hilfe für Afrika dann aussehen? Ex-Diplomat Seitz war der Meinung, man dürfe Entwicklungshilfe nicht weiter aufzwingen. „Wichtiger ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagte er. Das würde bedeuten, dass Entwicklungshilfe erst dann stattfinde, wenn afrikanische Staaten darum beten. Denn neue Straßen, Schulen oder Krankenhäuser könnten die Menschen dort selbst bauen. „Wir sollten erst einschreiten, wenn die Afrikaner sich nicht mehr selbst helfen können.“

Friedrich Lien sah das ähnlich. Vor allem die Ausbeutung des Kontinents müsse ein Ende finden. Denn noch heute müssten manche Länder Kolonialsteuern bezahlen. Andere würden derweil unter aufgezwängten Freihandelsabkommen leiden. Das, so Lien, helfe den Menschen dort sicher nicht.

Nein, Afrika sei nicht arm – das steht für Paul Aghbi fest. Vielmehr sei Afrika einer der reichsten Kontinente der Erde. Es gebe schließlich unfassbar viele Bodenschätze dort. „Der größte Diamant der Erde kommt immerhin aus Südafrika“, sagte Aghbi. Auch er ist der Meinung: „Afrika braucht Hilfe. Aber nur dann, wenn Afrika auch danach fragt.“

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