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20.06.2017

Wie klingt eigentlich eine Fledermaus?

Wolfgang Gaus erklärt den Teilnehmern der Wanderung einige Details über das Leben der Fledermäuse. Er hat auch ein Modell dabei – falls die Gruppe an diesem Abend keines der Tiere zu Gesicht bekommen sollte.
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Wolfgang Gaus erklärt den Teilnehmern der Wanderung einige Details über das Leben der Fledermäuse. Er hat auch ein Modell dabei – falls die Gruppe an diesem Abend keines der Tiere zu Gesicht bekommen sollte.
Bild: Felix Oechsler

In der Abenddämmerung fangen die Säugetiere an, kleine Insekten zu jagen. Wolfgang Gaus erklärt, welche Arten in der Region leben – und wie man sie erkennt.

Es ist 22.30 Uhr, in wenigen Minuten wird das letzte Licht des Tages erloschen sein. Mithilfe des Lichtkegels einer Taschenlampe zeigt Wolfgang Gaus eine Wasserfledermaus, die unmittelbar über dem Illerkanal Insekten jagt. Diejenigen, die sich mit ihm auf eine spätabendliche Fledermaus-Suche begeben haben, halten Ultraschall-Detektoren in Händen. Die Geräte machen die Ortungslaute der nächtlichen Jäger hörbar – sie sind fürs menschliche Ohr meist nicht wahrnehmbar. Es knattert aus den Detektoren, wenn eine Fledermaus im Anflug ist – und kurz darauf über den Köpfen der Neugierigen auftaucht. Viele der Teilnehmer an der vom Geschäftsführer des Gerlenhofener Arbeitskreises für Umweltschutz (GAU) angebotenen Wanderung am Illerkanal hatten noch nie eine lebende Fledermaus gesehen. Etliche auch noch nie Glühwürmchen, die am Ende der Wanderung am Waldrand auftauchen.

Zu einer Beobachtung einzuladen, bei der man nicht weiß, ob die zu beobachtenden Jäger wirklich auftauchen, ist nicht ohne Risiko. Wolfgang Gaus ist seit 25 Jahren auf den Spuren der Fledermäuse unterwegs. Weil Fledermäuse in manchen Fällen bis zu 30 Jahre alt werden können, ist er wahrscheinlich manchem der nächtlichen Flieger schon begegnet, auf die die Gruppe an diesem Abend wartet. Trotzdem: Ob sie kommen?

Gaus hat deswegen mumifizierte Fledermäuse in Schaukästen dabei, wie sie in Kirchtürmen und an anderen Plätzen gefunden werden, und zeigt sie in der einsetzenden Dämmerung. Sicherheitshalber – denn wer weiß? Aber schon während er spricht, flattert die erste Fledermaus entlang der Bäume am Waldrand bei den Sportanlagen in Ay/Freudenegg.

Noch hat Gaus Zeit, zu erklären, welche Bedingungen Fledermäuse für ihren bis zu fünf Monate dauernden Winterschlaf brauchen, wie man ihnen helfen kann. Und aus welchen Gründen die Population derart zurückgegangen ist, denn die meisten der 21 in Bayern registrierten Arten stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Gaus erläutert auch Gründe für die Furcht mancher Menschen vor Fledermäusen, die viele der Teilnehmer der Wanderung kennen. Früher machte man Mädchen beispielsweise Angst, dass sich Fledermäuse in ungekämmten langen Haaren verfangen würden, und im Steinschmuck von Kirchen wurde der Satan gern als Fledermaus dargestellt.

Dazu kommen Figuren wie Dracula und Batman: Insgesamt kein guter Ruf für das einzige fliegende Säugetier. Das sich im Übrigen jede Nacht auf die Jagd nach Insekten begibt und das seine – nackt und blind geborenen – Jungen den Sommer über säugt. Und zwar so lange, bis die ein bis zwei Jungen pro Jahr im August ihre ersten eigenen Jagdausflüge unternehmen können.

Auf drei Fledermaus-Arten hofft Wolfgang Gaus an diesem Abend, die er den Teilnehmern der Wanderung zeigen möchte. Für den Zeitpunkt, die jagenden Tiere gegen das rötliche Licht des zu Ende gehenden Tages zu sehen, bleibt nur eine kurze Zeitspanne. Gaus erklärt deswegen vorher ganz genau, welche Geräusche die Ortungsrufe der jeweiligen Arten auf den Ultraschall-Detektoren verursachen. „Beim Abendsegler klingt das wie ‘Blip-Blap’.“ Anders dagegen bei Zwerg- und Wasserfledermäusen, deren Rufe wie ein Tacker aus dem Detektor kommen.

Dann sind sie plötzlich da. Schnell, flatternd, unerwartet die Flugrichtung ändernd begeistern die Fledermäuse die Wanderer. „Da!“, rufen diese. „Oh! Ganz nah!“

Nun sieht man regelmäßig Tiere fliegen. Viel zu schnell wird es ganz dunkel. Die Detektoren knattern weiter, und wo gerade eine Fledermaus durch den Lichtkegel der Lampe huscht, wird sie für einen Moment sichtbar. Etwa eine Stunde braucht der große Abendsegler, um sich den Bauch mit Insekten vollzuschlagen, erklärt Wolfgang Gaus. Bei den kleineren Arten dauert das etwa länger. Sie könne man manchmal auch zu Beginn der Morgendämmerung ein zweites Mal beim Jagen beobachten.

Zurück zum Ausgangspunkt geht es durch die Dunkelheit. Am Wegrand leuchten die winzigen Lichtpunkte von Glühwürmchen. „Ich wollte immer schon einmal Glühwürmchen sehen. Es ist das erste Mal im Leben, dass ich das beobachten kann“, schwärmt eine Frau glücklich.

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