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Kettershausen

16.11.2018

Wie sich Senioren vor Betrügern schützen können

Auch Rentner werden immer wieder Opfer von Einbrechern.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein ehemaliger Kripo-Chef erzählt in Kettershausen von seinen Erfahrungen mit Kriminellen - und wie sich Senioren schützen können.

Auf die Frage von Wolfgang Sauter, Kriminaloberrat außer Dienst, wer die Haustüre denn mit zwei Umdrehungen abgeschlossen hat, bevor er ins Kettershauser Schützenheim gekommen ist, meldete sich von den rund 30 Anwesenden niemand. Sauter war nicht überrascht. Denn dies werde oft zu lasch gehandhabt, sagte er. Einbrecher hätten in diesem Fall ein leichtes Spiel. Das verdeutlichte auch ein Filmclip, den Sauter bei der Veranstaltung „Senioren informieren Senioren“ zeigte: Mithilfe einer dünnen Plastikkarte, die zwischen Türrahmen und -schloss durchgezogen wird, kann eine nur zugeschnappte Tür leicht geöffnet werden.

„Senioren informieren Senioren“ ist ein Projekt des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und soll Aufklärungsarbeit über aktuelle Kriminalitätsformen leisten. Sauter war 13 Jahre lang Chef der Kriminalpolizei in Memmingen. Seit seinem Ruhestand engagiert er sich ehrenamtlich beim Projekt.

Einbruchschutz war also nur eines von mehreren Themen in Schützenheim. Der Ex-Kripochef erzählte aus seinem Fundus an Berufserfahrung sowie von seinen einstigen „Kunden“, wie er sagte. „Ich will hier vor allem Tipps geben, die leicht umgesetzt werden können“, betonte er. Denn gerade in der Winterzeit gebe es verstärkt Einbrüche bei Dämmerung. Dann geraten laut Sauter Wohnungen ins Visier, in denen abends keine eingeschalteten Lichter zu sehen sind. Kriminelle vermuten also niemanden zuhause.

Volle Briefkästen locken Kriminelle an

Ungebetene Gäste könnten aber abgeschreckt oder ihr Eindringen erschwert werden, wenn beispielweise Licht-Bewegungsmelder auch hinter dem Haus angebracht sind. Oder die Haustür verschlossen und zudem mit einem sogenannten einbruchhemmenden Einsteckschloss versehen ist und die Terrassentür – rund 49 Prozent der Einbrüche werden durch die Terrassentür ausgeübt – von innen zusätzlich durch Riegel gesichert ist. Denn 40 bis 50 Prozent der Einbrüche würden bereits im Versuchsstadium nach etwa zwei bis drei Minuten enden, so Sauter.

So gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West im Jahr 2016 insgesamt 503 Einbrüche, von denen 242 bereits beim Versuch scheiterten. Im Jahr 2017 missglückten bei 431 Fällen 192 Einbrüche. Gekippte Fenster dagegen können in wenigen Sekunden geöffnet werden. Durch Fenster kommen in 33 Prozent der Fälle Einbrecher ins Haus.

Und wer verreist, sollte besser vorher seinem Nachbar Bescheid geben, den Briefkasten zu leeren. Denn überquellender Briefkasten sei ein gefährlicher Hinweis für die Kriminellen. Typisch während dieser Urlaubszeit seien vielerorts auch die im ganzen Haus zu Dreiviertel heruntergelassenen Rollläden, sagte Sauter, was viele Zuhörer in der Runde bestätigten.

„Der Enkeltrick ist eine Masche, die immer wieder funktioniert.“

Generell riet er, schon beim kleinsten Verdacht, etwa als Nachbar bei unklaren Beobachtungen im Haus nebenan, den Notruf 110 nicht zu scheuen. Dies gelte auch bei falschen Polizisten (wir berichteten) oder beim sogenannten Enkeltrick. „Der Enkeltrick ist eine Masche, die immer wieder funktioniert“, berichtete der Ex-Kripochef. Hochprofessionell würden die Betrüger vorgehen, indem sie vor allem gegenüber Senioren als vermeintliche Enkel am Telefon eine finanzielle Notlage vortäuschten. Dies demonstrierte eindrucksvoll wieder ein Filmclip, in dem ein solcher Fall nachgespielt wurde: Den Namen des Enkels konnte der Betrüger auf dessen Frage, ob die Oma nicht wisse, wer am Apparat ist, ganz leicht erfahren. Die veränderte Stimme wurde durch die schlechte Handyverbindung erklärt. Zum Geld abholen schickte der falsche und offenbar verhinderte Enkel dann einen Freund. Sauter riet in so einem Fall, die Angaben über eine behauptete Notlage durch Anrufe bei anderen Familienangehörigen zu überprüfen. Keinesfalls dürfe Geld an vermeintliche Freunde herausgegeben werden. „Das war schon täuschend echt“, meinte Organisatorin und Seniorenbeauftragte Marianne Rugel zum raffinierten Vorgehen der Trickbetrüger, die die Freude von Großeltern über einen angeblichen Enkelanruf schamlos ausnutzen. Sauter riet abschließend noch, Maßnahmen zur Einbruchsicherung gleich in Angriff zu nehmen. Auch wenn der Landkreis Unterallgäu laut Statistik der sicherste im ganzen Bundesgebiet ist.

Info: Das nächste „Senioren informieren Senioren“ findet am Dienstag, 20. November, ab 15 Uhr im Rössle in Babenhausen statt.

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